Rolex Fastnet Race: “Ran” verteidigt den Titel, Abu Dhabi Volvo70 mit Streckenrekord

Die Höhepunkte des Hochseeklassikers

Die "Ran" war Nutznießer der harten Bedingungen zu Beginn des Rolex Fastnet Races und gewann nach berechneter Zeit. © Rolex/Carlo Boerlenghi

Die erste Titelverteidigung seit 54 Jahren, neue Streckenrekorde bei den Einrumpf- und den Mehrrumpfbooten sowie eine dramatische Kenterung des Topfavoriten – das waren die außergewöhnlichen Höhepunkte des 44. Rolex Fastnet Race 2011.

Die einheimische „Rán“ gewann nach 2009 erneut die Gesamtwertung der britischen Hochseeregatta. Der 44 Meter lange Trimaran „Maxi Banque Populaire“ aus Frankreich sowie der VO70 „Azzam“ aus Abu Dhabi stellten neue Rekordzeiten für die 608 Seemeilen (mehr als 1.100 Kilometer) lange Strecke von Cowes um Fastnet Rock herum nach Plymouth auf.

Nach der Kenterung der US-Yacht „Rambler 100“ durch Kielabbruch hielt nicht nur die Segelwelt den Atem an, bis die 21 Crewmitglieder gerettet waren. Insgesamt nahmen 314 Boote, darunter 16 deutsche mit der „Norddeutsche Vermögen Hamburg“ als 43., an der Regatta teil, so viele wie nie zuvor.

Der 72 Fußer "Ran" auf der Ziellinie vor Plymouth. Der Renner von Skype Gründer Zennström konnte seinen Titel verteidigen. © Rolex/Carlo Boerlenghi

Lange noch hatten Eigner Niklas Zennström und seine Crew auf die offizielle Bestätigung warten müssen. Dann endlich gab der Veranstalter Royal Ocean Racing Club (RORC) bekannt: Die 22 Meter lange „Rán“ hat auch das Rolex Fastnet Race 2011 nach berechneter Zeit gewonnen. Es ist die erste erfolgreiche Titelverteidigung seit 1957 und erst die fünfte überhaupt.

Dem schwedischen Mitbegründer der Kommunikationsplattform Skype reichte eine gesegelte Zeit von gut zwei Tagen, um die zweitplatzierte 30-Meter-Yacht „ICAP Leopard“ (ebenfalls Großbritannien) berechnet um vier Stunden, 38 Minuten und 18 Sekunden zu schlagen.

„Das ist fantastisch und kaum zu glauben. Jeder einzelne von uns ist einfach nur überglücklich“, freute sich Zennström, der auch Skipper des 72 Fuß langen Judel/Vrolijk-Designs ist. Die Titelverteidigung sei zwar das erklärte Ziel der Mannschaft gewesen. Mehr noch, es sei sogar Saisonziel und -höhepunkt gewesen. Aber der Erfolg hänge bei einem Hochseerennen dieser Art von so vielen Unwägbarkeiten ab.

Navigator Steve Hayles ergänzte: „Wir mögen das Rolex Fastnet Race. Es fordert uns jedes Mal besonders, und wir fordern uns und das Boot aufs Äußerste. Die Regatta war zeitweise sehr hart, aber großartig.“

Der vorige Wiederholungssieg gelang der damaligen „Carina II“ von Richard Nye 1955 und 57. Zuvor hatten sich die „Jolie Brise“ (1929 und 30), die „Dorade“ des weltberühmten Yachtdesigners Olin Stephens (1931 und 33) sowie John Ilingworths „Myth of Malham“ 1947 und 49 jeweils in Folge in die Siegerliste eingetragen.

In einer Zeit, da Katamarane und Trimarane mit ihrem konstruktionsbedingten Geschwindigkeitsvorteil gegenüber klassischen Einrumpfbooten in viele hochkarätige Segelregatten der Welt einschließlich des America’s Cups drängen, verwundert es nicht, dass auch beim Rolex Fastnet Race ein Mehrrümpfer das erste Ausrufezeichen setzte.

Der Franzose Loïck Peyron pulverisierte mit der „Maxi Banque Populaire“ geradezu die bisher schnellste gesegelte Zeit überhaupt und legte die neue Messlatte auf einen Tag, acht Stunden, 48 Minuten und 46 Sekunden, eine Durchschnittsgeschwindigkeit von 18,5 Knoten oder rund 34 km/h! Und der TV-Profi Digby Fox dokumentierte die Rekordfahrt auch noch auf packenden Videobildern.

Für eine Überraschung sorgten die gut 21 Meter langen VO70-Rennyachten, die sich auf die im Herbst startende Weltumseglung Volvo Ocean Race vorbereiten. Durch günstige Windbedingungen von der Seite und schräg von hinten überholten sie sogar die neun Meter längere „ICAP Leopard“, die 2007 und 2009 erstes Einrumpfboot im Ziel gewesen war.

Mehr noch, das arabische Team „Abu Dhabi Ocean Racing“ unter Skipper Ian Walker schnappte Mike Slade (beide Großbritannien) und dessen „Leoparden“ auch noch den vier Jahre alten Streckenrekord weg und verbesserten diesen um eine Stunde und 39 Minuten auf nunmehr einen Tag, 18 Stunden und 39 Minuten.

Keine fünf Minuten später war die „Groupama 4“ von Franck Cammas aus Frankreich im Ziel. „Wir waren selbst völlig überrascht, einen 100-Füßer überholt zu haben, für den Rekorde reserviert zu sein schienen“, so Walker. Er berichtete von Spitzenbootsgeschwindigkeiten von mehr als 55 km/h (30 Knoten).

Dem geschlagenen Mike Slade blieb nur der Trost, in der offenen Gesamtwertung nach IRC Schnellster im Ziel gewesen zu sein, da die VO70 in einer eigenen Wertung starteten. Und auch das war ihm vermutlich nur gelungen, weil der gleichgroßen „Rambler 100“ kurz nach der Rundung des legendären Fastnet-Felsens unvermittelt die Ballastbombe des Schwenkkiels abgebrochen war.

Die 30,48 Meter lange Rennziege, erklärtermaßen derzeit der schnellste Supermaxi der Welt, kenterte sofort durch. 16 Segler schafften es mit gegenseitiger Hilfe, auf den umgedrehten Rumpf zu klettern. Fünf Crewmitglieder, darunter der Eigner George David und seine Partnerin Wendy Touton trieben ab und mussten zweieinhalb Stunden im Wasser ausharren, ehe sie von einem örtlichen Fischerboot aufgenommen wurden. Die einzige Seglerin der Mannschaft wurde mit Unterkühlungen in ein Krankenhaus geflogen, ist aber inzwischen ebenfalls wohlauf.

„Das waren sehr beängstigende Momente, die ich sicher nie vergessen werden“, sagte Projektmanager Mick Harvey, „ich kann gar nicht ausdrücken, wie glücklich wir alle über unsere Rettung sind.“ Warum der tonnenschwere Ballast den Belastungen nicht standhielt, ist unklar.

Zwar herrschte zum Zeitpunkt des Unglücks im Seegebiet südlich Irlands frischer bis starker Wind mit steilen Wellen. Das Schiff hatte aber schon deutlich härtere Bedingungen problemlos gemeistert.

Insgesamt gaben 29 Yachten das Rennen auf, darunter auch die „Scho-ka-kola“ von Uwe Lebens aus Hamburg mit Ruderbruch. Nach einem spannenden Zweikampf auf dem Weg zum Fastnet Rock hatte die „Rambler 100“ die „ICAP Leopard“ hinter sich gelassen und war auf dem Weg zu den so genannten Line Honours – Erster Einrümpfer im Ziel.

Bestes deutsches Boot wurde die Andrews 56 „Norddeutsche Vermögen Hamburg“ des Hamburgischen Vereins Seefahrt (HVS) unter Skipper Jan Gallbach, die am frühen Freitagnachmittag (19. August) auf Platz 43 geführt wurde, als nur noch 18 Teilnehmer auf See waren.

Sie war zwar etwas später als nationale Konkurrenz im Ziel, hat aber einen niedrigeren Handikapfaktor und lag deshalb berechnet rund zwei Stunden vor der Rogers 46 „Varuna“ von Jens Kellinghusen aus Hamburg und dem zweiten HVS-Klubschiff „Haspa Hamburg“ (65. und 66.).

Der JV52 unter Skipper Torsten Hilbert fehlten rund viereinhalb Minuten auf die „Varuna“, obwohl sie erstes deutsches Boot im Ziel war. „Der nationale Mehrkampf vor dem Ziel in Plymouth war superspannend“, sagte Hilbert, und wir sind natürlich stolz, zumindest auf dem Wasser den Bug vorne gehabt zu haben.“

Das wäre beinahe auch dem Hamburger Matthias Müller von Blumencron gelungen, der dennoch mit seiner „Red“ als Dritter in der gesonderten Class 40-Wertung überraschte. Mit dieser Einheitsklasse hatten Boris Herrmann und Felix Oehme 2009 eine Weltumseglung gewonnen.

Die besten fünf Class 40-Yachten lieferten sich nach mehr als drei Tagen auf hoher See vor der Ziellinie Wendeduelle wie in einem Kurzrennen und lagen nur wenige hundert Meter auseinander. Auch wenn er letztlich den Sieg dem ohnehin die meiste Zeit führenden Franzosen Tanguy de Lamotte mit der „Initiatives – Alex Olivier“ überlassen musste, schwärmte Müller von Blumencron: „Attraktiver kann Hochseesegeln nicht sein.“

Bei der feierlichen Preisverleihung am Freitagabend (19. August) in der historischen, königlichen Zitadelle (Royal Citadel) im Zielhafen Plymouth wurden Sieger und Platzierte in diversen Klassen geehrt. Allen voran erhielt das „Rán“-Team nicht nur den begehrten Fastnet Challenge Cup, sondern Skipper und Eigner Niklas Zennström ein edles Rolex Chronometer. Das nächste, dann 45. Rolex Fastnet Race findet im August 2013 statt.

Spenden
http://nouveda.com

2 Kommentare zu „Rolex Fastnet Race: “Ran” verteidigt den Titel, Abu Dhabi Volvo70 mit Streckenrekord“

  1. avatar bläck sagt:

    danke für den sehr guten bericht. gefällt mir.

    🙂

    gruss

    Super Beitrag, mehr davon! Like or Dislike: Daumen hoch 5 Daumen runter 0

  2. avatar bowman sagt:

    Übrigens: Rambler wurde inzwischen nach Baltimore eingeschleppt. Der Mast liegt auf Grund und ist mit einer Boje markiert.

    http://www.irishtimes.com/newspaper/ireland/2011/0819/1224302708860.html

    Like or Dislike: Daumen hoch 2 Daumen runter 0

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Sicherheitsfrage (SPAM-Schutz): *