Olympia 2012: Moana Delle auf Bronze, Toni Wilhelm dran als 4.

Leichtigkeit des Seins

Moana Delle beim harten Ausreiten mit einer Hand an der Startschot. © Marina Könitzer

Mit erfrischender Leichtigkeit surfen Moana Delle und Toni Wilhelm in Weymouth weiter in der Spitzengruppe mit. Auch Simon Grotelüschen verbessert sich im Laser weiter. Dagegen haben Schadewaldt/Baumann im 49er und Franziska Goltz im Laser Radial einen schweren Stand.

Nein, singen musste sie diesmal nicht, „dazu gab‘s auch keine Zeit“, berichtete Moana Delle von einem Wettfahrttag, an dem die 23-Jährige wieder obenauf war. Mit einem Super-Start brillierte die Kielerin auf dem ufernahen Nothe-Kurs, wo die Fans den Seglern zujubeln, Hubschrauber mit Fernsehübertragungskameras kreisen und trickreiche Windbedingungen herrschen.

Starker Start in Luv der scheinbar unbezwingbaren Spanierin. © Marina Könitzer

Mit “geilen Schlägen” nach vorn

Der mäßige bis frische Südwest wehte in giftigen Böen mit bis zu 20 Knoten über einen Hügel an Land, so dass unten auf der Bahn munteres Fahrstuhlfahren angesagt war. „Mit ein paar geilen Schlägen ging es bei mir aber gleich nach vorn“, erzählt Moana Delle von einem begeisternden dritten Rennen auf enger Bahn.

Unbedarft, geradezu respektlos vor der großen Aufgabe Olympia geht sie zu Werke. Woher kommt diese Leichtigkeit des Seins? „Ich habe schlicht riesigen Spaß beim Regattasurfen und genieße das in vollen Zügen.“ Beneidenswert und erfolgreich.

Kurz vor dem Startschuss versteckt sich Moana Delle noch, jagt dann aber rechtzeitig zur Linie.  © Marina Könitzer

Kurz vor dem Startschuss versteckt sich Moana Delle noch, jagt dann aber rechtzeitig zur Linie. © Marina Könitzer

Sie erinnert sich aber auch an die schweren Stunden schier endlosen Starkwindtrainings. Wieder und immer wieder biss sich die Studentin durch. „Das hat mich beinahe zur Verzweiflung gebracht.“ Den Lohn der Mühen streicht sie nun ein, hat bisher niemanden zu fürchten, außer vielleicht die überlegene Spanierin Marina Neira Alabau, die zwei weitere Tagessiege landete.

Der Deutsche aus dem Surfniemandsland

Im punkto gute Laune ist auch das männliche Pendant ein Paradebeispiel. Hatte der eine oder andere am Vorabend noch Wunden vom Wettfahrttag zu lecken, besuchte Toni Wilhelm als Einziger der bereits im Wettkampf befindlichen Aktiven den Deutschen Abend in Weymouth.

Freier Start in Luv von Marina Alabau. © Marina Könitzer

Seine Eltern waren auch gekommen, als Sponsoren vom Audi Sailing Team Germany ihm stellvertretend für die gesamte Mannschaft eine Unterschriftentafel von der Kieler Woche übergaben. Dort hatten Goldmedaillengewinner aus anderen Sportarten und Weggefährten ihre besten Wünsche für Olympia verewigt. Ihre übereinstimmende Botschaft: „Bringt uns eine Medaille mit!“

Nichts wünscht sich Wilhelm sehnlicher, und geschadet hat ihm das abendliche Rahmenprogramm nicht. Wieder kam er gut in Gange. „Der Start ist enorm wichtig, denn die Geschwindigkeitsunterschiede der guten Fahrer sind gering“, erklärt der 29-Jährige, wobei Spitzenreiter Dorian van Rijsselberge aus den Niederlanden noch eine Liga höher zu surfen scheint.

Moana Delle zeigt sich überraschend schnell bei starkem Wind. © Marina Könitzer

Konstante Top-Ten-Plätze hatte der Deutsche aus dem Surfniemandsland im Schwarzwald angestrebt und umgesetzt, also „wieder ein guter Tag“, so Toni Wilhelm, „ich werde mit positiven Gedanken einschlafen.“ Die mentale Stärke verdankt er dem Schweizer Sportpsychologen Mattia Piffaretti, der ihm eingebimst hat, dass bei Olympia auch nur mit Wasser gekocht wird.

Grotelüschen selbstkritisch

Für einen weiteren Lichtblick sorgte Simon Grotelüschen, wenn auch nicht vollends auf dem Level seiner Möglichkeiten. Tropfnass und ziemlich erschöpft kam der 25-Jährigen in die Mixedzone, wo er trotz der Einzelplätze sieben und acht die eigene Leistung selbstkritisch bewertete.

Simon Grotelüschen kämpft um den Anschluss an die Spitze. © onEdition

„Das erste Rennen war zwar ziemlich gut, aber es fehlten wieder höchstens 30 Meter zu Platz vier oder fünf.“ Auch danach war jeder einzelne Rang hart umkämpft. Und als Medaillenkandidat bräuchte er Spitzenplätze, um zum Podium aufzuschließen, das überraschend von Pavlos Kontides aus Zypern angeführt wird.

Der löste Weltmeister Tom Slingsby aus Australien ab, die beide in allen sechs Rennen bisher nicht schlechter als auf Neun fuhren. „So wird der Rückstand nicht kleiner“, weiß Grotelüschen, dessen Rückstand auf Bronze exakt wie am Vortag  bei 25 Punkten geblieben ist. „Bei meinen seglerischen Fähigkeiten müsste eigentlich mehr drin sein.“

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Carsten Kemmling

Der Mann von der vordersten Front. Mehr zu ihm findest Du hier.

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2 Kommentare zu „Olympia 2012: Moana Delle auf Bronze, Toni Wilhelm dran als 4.“

  1. avatar Uwe sagt:

    Zwischenstand: 2.8.12 – 14:30

    Finn – Ainslie gewinnt Race 7 – Christensen Platz 8 – Der Vorsprung des Dänen schmilzt auf 4 Punkte.

    Star – Race 7 – GER BFD

    49er – Race 7 – Schadewald / Baumann 7. – Race 8 – S / B 14.

    470er M – Race 1 – Gerz / Follman 15.

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  2. avatar Uwe sagt:

    14:45

    470er Race 2 wird übertragen: http://www.eurovisionsports.tv/london2012/index.html

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