Olympia 2024: Medaillen-Segeln auf der Alster. Warum nicht?

Medaillen-Kampf in der Innenstadt?

Könnte man auf der Alster um olympische Medaillen segeln? Das Segelrevier in der Innenstadt würde dem Segelsport eine enorme Aufmerksamkeit gewähren.

Der potentielle Olympiastandort Kiel-Holtenau vom Wasser aus betrachtet.  Visualisierung: Monokrom, Hamburg

Der potentielle Olympiastandort Kiel-Holtenau vom Wasser aus betrachtet. Visualisierung: Monokrom, Hamburg

In einem Artikel des Hamburger Abendblatts werden die Kandidaten für die olympischen Segelspiele vorgestellt, die 2024 zusammen mit Hamburg in das Rennen um die Ringe gehen wollen.

Die Argumente sind nicht neu. Warnemünde kann sportlich mit dem besten Segelrevier aufwarten, hat aber vielleicht nicht den stärksten Rückhalt in der Bevölkerung und ist am weitesten von Hamburg entfernt. In Kiel wird Segeln von den Zuschauern und der Politik hoch bewertet, weist große Erfahrung und eine solide Infrastruktur auf, kann aber nur mit langen Anfahrtswege zu den Regattabahnen dienen.

Travemünde steht mit seinem eingeengten Segelrevier genauso sportlich limitiert da, ist aber am nächsten dran an Hamburg, um in die Olympiastimmung eingebettet zu werden. Auch Cuxhaven hat sich noch kurzfristig ins Spiel gebracht. Der Standort könnte besonders sportlich mit einem sehr anspruchsvollen Strömungsrevier punkten.

Alle vier Kandidaten werden bis Ende April von einer neunköpfigen Evaluierungskommission bewertet, der unter anderem DSV Sportdirektorin Nadine Stegenwalner, DSV Jugendobmann Timo Haß, Tornado-KV-Vorsitzender Jürgen Jentsch und Kathrin Adelkofer von der Konzeptwerft angehören. Der Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB) entscheidet schließlich auf der Basis der Empfehlung.

Auf dem Papier mag sich auf Anhieb kein eindeutiger Favorit darstellen. Aber in dem Artikel wird zum Schluss ein interessanter Punkt aufgebracht. Warum nicht die Medalraces auf der Alster stattfinden lassen?

Ein April-Scherz? Oder eine neue Variante einer von Frank Schönfeldts musikalischer Visonen a la “der Pirat wird olympisch”? Wäre es denkbar, in Hamburg segeln zu lassen?

Dieser Frage führt insbesondere zu einer Diskussion darüber, welche Kriterien Segel-Olympia generell erfüllen muss, damit sportlich keine Schieflage erfolgt. Die besten Segler müssen gewinnen. Das Glück darf keine größere Rolle spielen als auf anderen hochwertigen Revieren dieser Welt.

Klar ist, dass nicht die Wettbewerbe aller zehn Olympischen Klassen auf dem Stadtrevier abgehalten werden können. Dafür fehlt der Platz. Aber warum nicht die Medalraces auf der Alster aussegeln?

Das aktuelle Format besagt, dass die besten zehn Boote am Ende der Rennserie noch einmal im doppelt zählenden Finalrennen den Gesamtsieger entscheiden. Die Rennen dauern etwa eine halbe Stunde und werden jeweils nacheinander gestartet. Sie sind dafür ausgelegt, live Zuschauer vor Ort zu begeistern. Wo ginge das besser, als auf dem speziellen Innenstadt-Revier?

Die Frage ist, ob das sportliche Ergebnis verfälscht würde. Schließlich ist der Charakter des Binnenrevieres durchaus von drehenden Winden geprägt. Aber wäre das so schlimm? Wäre es unfair?

Ich glaube nicht. Es ist ein Trugschluss, dass faires Segeln nur an der Küste bei wenig drehendem Wind stattfindet. Vielmehr können die besten Segler gerade bei instabilen Bedingungen glänzen. Sie sehen Wind, wo ihn andere nicht sehen. Ein Segler, der eine olympische Goldmedaille gewinnen will, muss darauf vorbereitet sein, dass er diese Fähigkeit abrufen muss.

Das kann auf der Alster genauso gut funktionieren, wie auf der Kieler Innenbahn oder in Travemünde vor dem Strand, wo nach dem bisherigen Konzept die Medalraces nahe unter Land ausgetragen würden.

Nur in Warnemünde oder in Cuxhaven könnte man darauf hoffen, dass ein küstennaher Medalrace Kurs auch im Einfluss eines starken auflandigen Windes liegen könnte.  So würde man den Zuschauern einen epischen Kampf in der Welle präsentieren können, wie es auch 2012 vor Weymouth (Laser Medal Race) funktioniert.

Andererseits ist als beste Bühne, auf der olympisches Segeln bisher stattgefunden, der Stadtkurs von Sydney noch bestens im Gedächtnis. Das Gold-Match-Race zwischen Jochen Schümann und Jesper Bank fand direkt vor dem Opernhaus statt und sorgte für die größte Reichweite, die olympisches Segeln bisher wohl im TV brachte.

Das könnte auch Hamburg bieten. Der Ruf des Revieres hinsichtlich seiner drehenden Winde ist deutlich schlechter als in der Realität. Und auch für einen 49er oder Nacra Kurs würde der Platz wohl ausreichen. Im 49er und Tornado fanden schon Deutsche Meisterschaften auf der Alster statt.

So abwegig wäre der Gedanke also gar nicht. Er entspricht dem Anspruch des IOC, den Menschen Segeln sehr nah zu präsentieren, und könnte sogar für die Chancen der gesamten Olympiabewerbung verbessern.

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Carsten Kemmling

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8 Kommentare zu „Olympia 2024: Medaillen-Segeln auf der Alster. Warum nicht?“

  1. avatar Ballbreaker sagt:

    Medalraces auf der Alster, ja nee, is klar!

    Nachdem die Vorläufe vorher bei einem der genanten 4 Reviere gesegelt wurden, werden die Boote mal eben nach Hamburg getrailert (im Falle von Warnemünde schlappe 190km) um auf einem völlig neuen (Binnen-)Revier, losgelöst von allen anderen Teams – am besten in einer dafür extra gebauten Segelarena – die Medalraces durchzuführen.

    Das wäre nur ein weiterer Grund die “teuren” Segelwettbewerbe olympisch aus dem Programm zu streichen.

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  2. avatar o nass is sagt:

    Na, hoffentlich geht der Olympia-Krempel an HH vorbei. Wir haben hier nun wirklich noch ganz andere (teure) Baustellen. Und so wichtig ist eine Freizeitbeschäftigung (Segeln) denn doch nicht.

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  3. avatar crisch sagt:

    Von mir aus sollen die Kommerzspiele irgendwo auf der Welt stattfinden, aber bitte nicht in Hamburg und erst recht nicht in Kiel.

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  4. avatar andreas borrink sagt:

    Die viel gehörten Proteste wegen der Kosten einer Olympiaausrichtung sind in Zeiten, in denen unsere gewählten Vertreter Steuergelder anscheinend nach Gutsherrenart in vermeintlich oder tatsächlich unsinnige Projekte wie Musikpaläste, Bahnhöfe und Flughäfen stecken, ist nachvollziehbar. Allerdinge haben olympische Spiele am Ende schon immer trotz dieser Diskussionen irendwo stattgefunden. Augen zu und durch, zahlen und fröhlich bleiben.

    Medalraces auf derAlster allerdings – naja. Auf den ersten Blick klingt das spannend und das wäre es denn es wohl auch. Mit 50 Jahren Alstererfahrung möchte ich allerdings zu bedenken geben, dass in diesem Falle den ohnehin schon unpopulären weil extrem hoch gewichteten Medalraces noch ein unverhältnismäßig großer Glücksfaktor hinzugefügt würde. Wie oft ist mir auf der Alster – gegen besseres „Wissen“ – der Lucky Punch gelungen? Die Trefferquote eigentlich falscher Extremschläge würde ich mal mit 25% bewerten – ohne den Wetterfaktor! Sicher, auch hier gewinnt am Ende meistens der Beste. Der hatte dann aber auch 6 oder 8 Wettfahrten Gelegenheit, sein Können und seine Intuition einzusetzen und konnte ein oder zwei Ausrutscher streichen.

    Die Wahrscheinlichkeit, dass am Ende jemand anderes den goldenen Taler um den Hals gehängt bekommt, als das in Kiel, Warnemünde oder auch Travemünde der Fall gewesen wäre, ist einfach sehr hoch. Und das wäre dann etwa so, als würde sich beim 400m-Lauf einer in der ersten Kurve innen an der Hochsprungmatte vorbeimogeln – sowas von un-olympisch!

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  5. avatar Kristof sagt:

    Oh, wenn Medal-Races auf der Alster, dann bitte die Qualirennen auf dem Rursee 😀

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    • avatar Silberbeil sagt:

      Nichts gegen den Rursee! Dann hätten auch die deutschen Finns Medaillenchancen.

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  6. avatar Sven 14Footer sagt:

    Auf der Alster dreht der Wind nicht mehr als in Travemünde auf der Beach Bahn oder in der Kieler Innenförde. (alle Reviere selber schon besegelt) Das hat Carsten ähnlich in seinem Artikel ausgeführt. Die Medal Races werden nunmal gerne sehr Zuschauernah durchgeführt.
    Medalrace auf der Alster, das wäre ein Argument für mich, doch noch FÜR Olympia in Hamburg zu sein. Ansonsten stehe ich zu Olympia in HH wie Andreas Borrink im ersten Absatz ausgeführt hat.

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  7. Wieso nicht das komplette Olympia-Programm auf dem Plöner See? Platz wäre genug und soein Meldarace bekommt man auch schon hin, wenn wir Match Racing World tour Qualifier machen können…

    Außerdem kostet das Bier nur 1 ,- € ( 2024 mit berechneter Inflation wahrscheinlich 1,48 €)

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