Olympia Klassen 2024: Kite- und Windsurfen ist olympisch – Finn und 470er haben eine Chance

Frau und Mann gemeinsam

Das World Sailing Council hat für die Olympia-Disziplin-Entscheidung in Paris 2024 die radikale Vision des Experten-Gremiums zurückgewiesen und sich für einen Vorschlag aus Rumänien entschieden.

68 Vorschläge von verschiedenen internationalen Klassenvereinigungen, Einzelpersonen und Seglerverbänden sind beim Mid Year Meeting des Weltseglerverbandes präsentiert worden, um die Zukunft des Olympischen Segelsports zu bestimmen. Das Experten-Gremium des Events Committee hatte sich auf den Vorschlag seiner Vorsitzenden Sarah Kenny geeinigt um es vom abschließenden Votum des World Sailing Councils absegnen zu lassen, aber die Delegierten sind wie so oft einen anderen Weg gegangen.

470er Welle

Taucht der 470er als Mixed-Version wieder auf bei den übernächsten Olympischen Spielen? © Cristina Balcells

Kennys Submission 36 schaffte es zwar unter die letzten drei Eingaben aber schließlich entschieden sich die 41 Council-Mitglieder, zu denen die Deutschen Nadine Stegenwalner, Goetz-Ulf Jungmichel und Kite-Board-Spezialist Markus Schwendtner gehören, mit 22:19 Stimmen für den Vorschlag 22 aus Rumänien.

Demnach werden bei den Olympischen Segelwettbewerben in Paris 2024 neben den bestehenden Klassen Laser m/w, 49er m/w und Nacra17 fünf weitere Disziplinen benannt.

Windsurfen bleibt olympisch

Unverändert im Programm soll das Windsurfen bleiben, das bisher in Konkurrenz zum Kitesurfen stand. Nun sind beide Disziplinen vertreten. Dabei ist es unwahrscheinlich, dass als Material erneut das RS:X Board verwendet wird, auch wenn die rumänische Submission für das vorhandene Materials plädiert, dafür aber neue Formate wie Raumschots-Starts favorisiert.

In der offiziellen Mitteilung heißt es: “Das bestehende Material kann beibehalten, weiter entwickelt oder neu gewählt werden.” Demnach ist eine Foil-Version möglich, die es mit dem RS:X Convertible auch schon gibt.

Die Material-Entscheidungen für alle offenen Disziplinen sollen erst im November der World Sailing Annual Conference fallen. Das wird besonders spannend bei den drei neuen Events: Mixed One-Person Dinghy, Mixed Two Person Dinghy und Mixed Kite.

Mixed und Team Events

Mixed One Person Dinghy soll ein Team Event werden, bei dem jede Nation je einen Mann und eine Frau bestimmt, deren Wertungen im Wettkampf addiert werden. Sie werden wohl auf verschiedenen Bahnen mit verschiedenen Klassen segeln. Die Rumänen weisen darauf hin, dass sie am liebsten eine Ü-90 Kilogramm Klasse wie das Finn Dinghy sehen würden.

Das macht mehr Sinn als die Aussage, neue Möglichkeiten für Frauen um 70 Kilogramm schaffen zu wollen. Denn in diesem Bereich bewegt sich schon das Optimal-Gewicht für den Laser Radial. Deshalb ist eine neue Jolle für Frauen zwischen 50 und 60 Kilogramm wahrscheinlicher und sinnvoller. So wird schon spekuliert, ob es für die Europe einen Weg zurück ins Olympia-Programm gäbe. Aber das Boot wäre in seiner jetzigen Form für extreme Leichtgewichte ebenfalls nicht geeignet.

Mixed Two Person Dinghy ist eine Disziplin analog zum Nacra17. Frau und Mann sollen gemeinsam segeln, und die Rumänen zielen darauf ab, den 470er zu behalten. Ob die World Sailing Delegierten im November diese Material-Entscheidung unterstützen, bleibt abzuwarten. Offiziell heißt es: “Neues Material muss gewählt werden.” Und das soll nach einer “Material-Überprüfung” erfolgen. Es können also wie auch bei der Mixed Einhand Disziplin völlig neue Bootsklassen bestimmt werden und auch Foiler wie die Moth sind nicht aus dem Spiel.

Erstmals ist Kitesurfen dabei

Mixed Kite ist ähnlich angelegt, wie das One Person Dinghy. Je eine Frau und ein Mann treten an, und ihre Resultate werden addiert. Dabei schwebt den Rumänen eine Regatta vor, die auf einem gemeinsamen Kurs stattfindet und bei der sich die jeweiligen Fahrer der Teams gegenseitig blocken und freisperren können, wie beim Teamrace. “Das garantiert Faszination und Aufregung.” – Gut vorstellbar, wenn sich die Kite-Schnüre miteinander verhaken.

So bieten sie auch Option zwei an mit zwei verschiedenen Kursen für Frauen und Männern und einem gemeinsamen Ranking. Aber sie weisen darauf hin: “Option eins hätte einen größeren Reiz für die Medien.” Das verwendete Material ist dabei völlig offen. Auch für die Kiter gilt: Es wird ein Evaluierungs-Prozess gestartet.

Deshalb können sich die Finn-Dinghy- wie auch die 470er-Segler längst nicht entspannen. Es ist nicht klar, ob ihre Klassen weiterhin olympisch bleiben. Aber es besteht eine Chance.

Submission 22

Submission 22 aus Rumänien

 

 

 

 

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Carsten Kemmling

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