Olympia Rio: Geschwächter Wilhelm surft auf Platz sechs – RS:X-Karrierre beendet

"Magen umgekippt"

Toni Wilhelm hat alles gegeben für eine Olympiamedaille im Surfen. Aber es hat nicht gereicht. Erhobenen Hauptes beendet er seine RS:X-Karriere.

Toni Wilhelm

Körperlich geschwächt surfte Wilhem auf Rang sechs. © sailing energy

Die jahrelange Schinderei in Krafträumen und auf ruppigen Gewässern ist vorbei. Sie führte den besten Deutschen RS:X-Surfer seit mehr als zwölf Jahren bei den Spielen in Rio nur auf Platz sechs. Zum Schluss quälte Toni Wilhelm, der in Lörrach geboren wurde und in Dogern im Schwarzwald aufwuchs, auch noch ein Magen-Darm-Infekt. Der 33-Jährige ist enttäuscht, richtet den Blick aber schon wieder nach vorn.

„Aufgeben kommt gar nicht in Frage, und wenn ich mich auf dem Wasser fünfmal übergeben muss“, gab sich Wilhelm am Sonntagmorgen auf der Busfahrt vom Olympischen Dorf zur Marina da Gloriá kämpferisch.

Geschwächt, aber nicht geschlagen wollte er das zweite Medaillenrennen nach dem Tiefschlag von Weymouth 2012, als er „Bronze“ noch aus der Hand gab, auf keinen Fall verpassen, ungeachtet dessen, dass der sechste Rang schon sicher und der fünfte nur noch theoretisch erreichbar war.

Ausgelaugter Modellathlet

Die Ärzte gaben grünes Licht, obwohl der Modellathlet ziemlich ausgelaugt ist. Sein Körperfettanteil von ohnehin nur knapp sechs Prozent, dürfte auf unter vier gesunken sein. Dann wird das Immunsystem anfällig, hart an der Grenze zu äußerst ungesund. Der 1,82 Meter große RS:X-Surfer wiegt ohnehin nur knapp 75 Kilogramm. Als dann pünktlich zum Wettkampfbeginn die Erkältung kam, musste Wilhelm mit reichlich Ibuprofen gegenhalten.

Toni Wilhelm

Der dominierende deutsche Olympia-Surfer beendet seine Karriere.© sailing energy

„Vielleicht ist mein Magen dabei umgekippt“, meint er, „ich glaube nicht, dass es vom verschmutzten Wasser kommt.“ Auszuschließen sei das allerdings nicht. Das Segelrevier von Rio steht seit Jahren wegen schwimmenden Mülls und einem wechselnden Bakteriencocktail im Kreuzfeuer der Kritik. Toni Wilhelm: „Es nützt mir ja aber auch nichts, wenn ich weiß woher das kommt.“

Ohne Gegenwehr

Es war auch im Medalrace offensichtlich, dass er nicht mit voller Kraft zu Werke ging. Es gab eine Szene nach der ersten Luvtonne, als er den ausgiebig pumpenden Franzosen nahezu ohne Gegenwehr in Luv passieren ließ.  Dass er den späteren Bronzegewinner dennoch in dem Rennen wieder überholte, und dass es  dennoch der fünfte Platz im Medalrace wurde, hatte Wilhelm seinem taktischen Geschick zu verdanken. Eine Halse auf die linke Seite, und schon war er wieder vorbei. Aber zum fünften Gesamtrang reichte es nicht mehr. Dafür hätte er Dritter werden müssen.

Toni Wilhelm

Nach der Luvtonne. Wilhelm kann nicht mehr. Der Franzose pumpt um Bronze.

Toni Wilhelm

Ohne Probleme rutscht der Franzose in Luv vorbei.

Toni Wilhelm

Wilhelm wird vom Franzosen überholt, halst danach weg, und ist danach auch ohne extremem Pumpeinsatz wirder vorne.

Die mögliche Medaille verlor Wilhelm jeweils im dritten Rennen des ersten und letzten Regattatags. „Zu Beginn war es schlicht Pech, am Ende sicher auch die fehlende Kraft“, resümiert der Routinier im deutschen Segelteam. Da wurde er nur 18. und büßte die entscheidenden Punkte ein.

Titelverteidiger Dorien van Rijsselberghe aus den Niederlanden und der Brite Nick Dempsey, die beide vorzeitig „Gold“ und „Silber“ holten, seien schon eine Klasse für sich gewesen. „Aber der dritte Platz war absolut wieder möglich“, ärgerte sich Toni Wilhelm sehr über sein Abschneiden. Den jagte der Franzose Pierre le Coq in einem furiosen Schlussspurt dem Polen Piotr Myszka noch ab.

Mittelhandbruch von Wilhelm

Während der Olympiasieger an Bord der royalen Motoryacht von der Königsfamilie um Willem-Alexander und Máxima majestätisch gefeiert wurde, zog Toni Wilhelm Bilanz. „Ich habe ja nie gesagt, dass ich Edelmetall holen werde, nur dass ich drum mitkämpfen will“, relativiert der Hoffnungsträger des Deutschen Segel-Verbands (DSV) die Erwartungshaltung. Nach seinem Mittelhandbruch und den Regattaergebnissen der Vergangenheit hatten ihm das längst nicht mehr alle zugetraut.

Windsurfen

Der Franzose freut sich über unverhofftes Bronze, das sich Wilhelm gewünscht hätte. © sailing energy

Nun sei aber Schluss mit dem Leistungssport. „Mir fehlt die Motivation, mich da nochmal vier Jahre durchzukämpfen“, sagt der dreimalige Olympiateilnehmer, „ich brauche jetzt eine neue Herausforderung.“ Die sehe er in der internationalen Sportorganisation in Lausanne, wo Wilhelm mit seiner Freundin, der ehemaligen Schweizer 470er-Seglerin Anne-Sophie Thilo, wohnt.

Während Silbermedaillengewinner Nick Dempsey aus Großbritannien nach eigenem Bekunden „ab nächste erstmal arbeitslos ist“, pflegt der Deutsche bereits gute Funktionärskontakte am Hauptsitz des Internationalen Olympischen Komitees IOC.

„Ich gehe nicht im Clinch mit dem Surfsport, der mir sehr, sehr viel gegeben hat“, resümiert der Sport-Magister, „und einige Funboardrennen werde ich bestimmt auch noch bestreiten.“ Außerdem reize ihn die Segel-Bundesliga, natürlich nur für seinen Württembergischen Yacht-Club.

Windsurfen

Der absolutie Dominator Dorian Van Rysselberghe holt nach London sein zweites Gold. © sailing energy

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