Olympia Rio: Silber im Fokus für Heil/Plößel – deutsches Großsegel zerfetzt

"Mehr Shreddern..."

49er-Crew Heil/Plößel segeln weiterhin beindruckend auf Medaillenkurs. Flaute und Blitzsturm mit 35 Knoten stellen den Zeitplan auf den Kopf.

Bochmann Steinherr

Das deutsche 470er Frauen-Duo mit dem gerissenen Großsegel. © Juerg Kaufmann go4image.com / Eio 2016

 

Völlig durchnässt und fröstelnd, aber trotzdem zufrieden kamen sie zurück in den Hafen. „Weiter im Soll“, lautete die Kurzbilanz der 49er-Crew Erik Heil und Thomas Plößel. Auch an ihrem dritten Renntag hatten die Kieler das blaue Trikot der Zweitplatzierten verteidigt.

15 Punkte beträgt der Vorsprung vor den noch amtierenden Olympiasiegern Nathan Outteridge und Iain Jensen aus Australien. Die Nachfolge scheint indes fast schon geregelt. Die Kiwis Peter Burling und Blair Tuke bauten die Führung auf 18 Zähler vor den Germanen aus.

Keine “Flachpfeifen”

Der Auftakt war zunächst mit Platz 15 in die Hose gegangen. „Wir segeln hier halt nicht gegen Flachpfeifen, die anderen fahren auch alle gut“, rechtfertigte Plößel den Ausrutscher. Taktisch waren sie mit sich unzufrieden, und „hatten am Leegate einen Fuck-up“ (Heil).

Die später disqualifizierten Argentinier Yago und Klaus Lange schoben sie nach unten raus. „Die anderen haben uns dann beide abgezogen, das war meine Schuld“, so der Steuermann. Zuvor waren sie kurz vor dem Tor unglücklich ohne Wegerecht von den Iren erwischt worden.

Heil/plößel kurz vor dem ersten Leetor in Rennen 7 auf Platz sechs. Aber sie werden von den Iren erwischt...

Heil/plößel kurz vor dem ersten Leetor in Rennen 7 auf Platz sechs. Aber sie werden von den Iren erwischt…

...IRL zwingt die Spanier und Deutschen mit Vorfahrt zu einer späten Halse. Nach der Rundung und Chaos an der Leetonne ist es nur noch Rang 14

…IRL zwingt die Spanier und Deutschen mit Vorfahrt zu einer späten Halse. Nach der Rundung und Chaos an der Leetonne ist es nur noch Rang 14

Aber die Mitfavoriten steckten die Köpfe zusammen, analysierten Fehler und Trimm. Nuancen in der Feineinstellung wurden geändert.

Trimmänderung bringt Erfolg

„Wir haben die Fock im Vorliek einen Knoten, also fünf Millimeter flacher gestellt und die Unterwanten einen Millimeter loser“, verriet Technikfreak Thomas Plößel, „das entscheidende war aber, bei dem Wellenbild mehr Cunningham und weniger Kicker zu fahren, weil wir mehr Twist im Groß brauchten.“ “Mehr Shreddern” nennen sie das.

„Dann sind wir aber in den folgenden Rennen auch Steuerbord-Starts gefahren und waren zweimal unter den besten Sieben an der ersten Luvtonne“, berichtete Heil von einem „wieder gelungenen Tag“. Schließlich endeten die Wettfahrten auf den Plätzen fünf und vier.

Überbewerten wollen sie den Zwischenstand nach wie vor nicht. So hatten die Franzosen mit 1/1/3 einen ganz starken Tag. Aber nach neun von zwölf Rennen vor dem Medalrace beträgt der Vorsprung vor den australischen Olympiasiegern 15 Punkte. Das Treppchen nimmt allmählich Form an. Aber in vier Rennen ist auch noch viel möglich.

FX-Frauen rätseln

Dagegen müssen die 49er-FX-Frauen wieder um ihren Finaleinzug bangen. Mit den Einzelplätzen 17, zehn und sieben rutschten Victoria Jurczok und Annika Lorenz (beide Kiel) auf den elften Platz ab. Der Rückstand auf die Top Ten beträgt allerdings nur fünf Punkte und sollte in drei ausstehenden Wettfahrten aufzuholen sein. Es führen die Spanierinnen Tamara Echegoyen Dominguez/Berta Betanzos Moro.

„Wir waren einfach zu langsam und haben gerätselt, woran das liegt“, meinte Annika Lorenz, „wir haben verschiedene Trimmänderungen ausprobiert, aber nichts hat richtig funktioniert.“ Es waren Angleitbedingungen, aber sie kamen schlicht nicht richtig in den Glitsch. Und mangels Bootsspeed mussten sich die Frauen oft von Gegnerinnen freihalten, statt frei ihren eigenen Weg zu gehen.

„Auch taktisch war es schwierig“, so die Vorschoterin weiter, „wir wussten nicht genau wo es zieht.“ „Gar nicht“, verbesserte Jurczok, „aber Dienstag hauen wir aber nochmal drei raus!“

Medalraces abgesagt

Erneut stundenlange Flaute in gleißendem Sonnenschein bei 32 Grad zermürbte am Montag die fürs Medaillenrennen qualifizierten Teilnehmer der beiden Laserklassen. Nachdem das Männerfinale schon mangels Brise abgesagt war, verließen die Radial-Seglerinnen den Flamengo-Strand.

Doch kurz vor dem Start kam innerhalb von wenigen Sekunden eine Böenwalze von Süden auf, dass plötzlich an sicheres Segeln überhaupt nicht mehr zu denken war. Gischt flog über die die kurzen, ruppigen Wellen. „Das war ein kleines Tiefdruckgebiet, das entlang der Küste mit einer Kaltfront hochzog“, erklärte der deutsche Teammeteorologe Meeno Schrader.

Großsegel zerlegt

Leidtragende waren auch beide 470er-Disziplinen, die an ihrem eigentlichen Ruhetag (16. August) immer noch drei Rennen nachholen müssen. Die Bruchrate von Anika Bochmann und Marlene Steinherr aus Falkensee und Berlin nimmt inzwischen bedauerliche Ausmaße an.

Steinherr

Marlene Steinherr zeigt die Fetzen ihres Großsegels. © A. Kling

Nachdem ihnen im Training der erste und am ersten Wettfahrttag der zweite Mast gebrochen war, zerlegte der Sturm nun das Großsegel. Sie müssen ihr zweites bei der Vermessung anmelden. „Die schwarze Wand kam schon am Horizont hoch, da hat uns die Wettfahrtleitung weiter draußen gelassen“, berichtete Steinherr, „das war unverantwortlich.“

Einige Trainer maßen 35 Knoten und mehr. Während Heil/Plößel im Schlauchbootschlepp nur unter Topp und Takel beide auf dem Wing sitzend die Krängung ausreiten mussten, schmiss es andere wie Kartenhäuser um.

Nun bereitet der Zeitplan den Organisatoren richtig Kopfzerbrechen. Am Dienstag stehen jetzt vier statt zwei Medaillenrennen an, die nicht zuletzt wegen der Fernsehübertragung möglichst nicht parallel stattfinden sollen. Auf der anderen Seite gab es schon seit Tagen mittags nicht mehr pünktlich genug Wind.

Ergebnisse Rio Olympics

Die Vorhersage von Meeno für den Dienstag sieht sehr segelbar aus:
Südliche Winde 7-11 kn Innenbahnen
Südöstliche 11- 14 kn Böen 20 Außenbahnen
Am Mittwoch wir es wieder schwieriger

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Ein Kommentar „Olympia Rio: Silber im Fokus für Heil/Plößel – deutsches Großsegel zerfetzt“

  1. avatar dubblebubble sagt:

    Sehr cooles Erinnerungsfoto an Rio.

    Like or Dislike: Daumen hoch 1 Daumen runter 0

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