Palma Week: Formate bestrafen Überlegenheit – Jurczok/Lorenz könnten Medalrace schwänzen

Zahlenspiele

Zur Halbzeit der Trofea Princesa Sofia kommen die verschiedenen neuen Rennformate zum Einsatz. Ein deutsches Team könnte zeigen, dass Handlungsbedarf besteht.

Überlegen im 49er FX: Jurzczok/Lorenz. © Wehrmann/DSV

Ab sofort wird es verwirrend für Fans des olympischen Segelns, die den ersten großen internationalen Auftritt der besten Segler in Palma verfolgen. Die Qualifikationsphasen in den zehn olympischen Klassen sind abgeschlossen, und ab sofort kommen verschiedene Format-Tests zum Tragen, die das Segeln medial wirksamer machen sollen.

Es geht um das Problem, dass bei den Olympischen Regatten in Rio die Sieger in vier von zehn Disziplinen (49er, Finn, 47er F, RS:X M) schon vor dem finalen Medalrace feststanden. Entsprechend gering fiel der Spannungswert bei den Live-Übertragungen im Fernsehen aus.

Deshalb wird versucht, mit verschiedenen Systemen, die Gewichtung der letzten Rennen mehr zu betonen. So entscheidet bei den Finn Dinghies und RS:X Surfern ein einzelnes Finalrennen über die Endplatzierung der Top Fünf.

Fonn Dinghy Format

Wie absurd diese Zahlenspiele am Ende ausgehen können, zeigt die Entwicklung in der 49er FX Klasse. Dort dominieren Victoria Jurczok und Anika Lorenz die 30-Boote-Flotte nach Belieben. Die großen Favoriten – als einzige Starter aus den Top Ten von Rio – haben nach 12 Rennen einen 32 Punkte-Vorsprung angesammelt. Sie konnten sogar eine Disqualifikation gegen die Französinnen im achten Rennen verkraften, das sie gewonnen hatten.

Ein Lauf entscheidet über den Sieg

Bei den neuen Formaten der anderen Klassen wäre diese Überlegenheit aus der Vorrunde nichts wert. Ein einziger Lauf der Top fünf würde über den Sieg entscheiden. So haben sie Glück, dass die 49er diesmal ein anderes Format bevorzugen. Die Punkte werden in drei kurze und einfach zählende Medalraces der Top Ten mitgenommen.

Hier zeigt sich aber erneut das Dilemma. Denn nach dem jetzigen Stand der Dinge bräuchten Jurczok/Lorenz gar nicht mehr antreten, weil sie dort nur maximal 30 Punkte einfahren könnten. Sie werden es nicht tun, um die Kurzrennen zu trainieren. Aber genau solche Szenarien möchte man vermeiden. Doch kann man Sportler für Überlegenheit bestrafen?

Das Format bei den 49ern FX. Drei einfach zählende Medalraces der Top Ten sind geplant.

Solche “Probleme” haben andere deutsche Segler nicht. Den 470ern könnte ihr Format  sogar helfen. Diesch/Autenrieth sind nach einem Frühstart aus den Top Ten zurückgefallen und liegen einen Platz vor den Teamkollegen Winkel/Cipra (ebenfalls mit DSQ) auf Rang 15. Aber die Halbfinalrennen bestreiten die besten 20 der Rangliste. Allerdings müssen sie ihre Punkte mitnehmen, wenn sie das 8-Boote-Finale erreichen wollen. Genauso ist es für die drei Frauenteams gedacht, die auf den Rängen 11. 14. 15 platziert sind.

470 Format

Im Finalbereich befindet sich ansonsten nur noch das starke 49er Nachwuchsteam Tim Fischer und Fabian Graf. Selbst in der Goldgruppe konnten sie schon einen Tagessieg landen und liegen zurzeit auf Rang 7.

Tim Fischer und Fabian Graf legen eine schöne Saisonpremiere auf internationalem Parkett hin. © Wehrmann/DSV

Die Nacra17-Premiere von Jan Hauke Erichsen und Ann Kristin Wedemeyer läuft nach wie vor vielversprechend. Mit schon zwei dritten Plätzen lauern sie auf Rang 11 auf den Einzug in das Medalrce der Top Ten.

Erichsen und Wedemeyer lauern auf den Einzug ins Medalrace. © Wehrmann/DSV

Enttäuschend ist bisher die Regatta für Philipp Buhl verlaufen. Der Bayer erlebte auch in der riesigen 60 Boote Goldflotte ein Wechselbad der Gefühle. Zu zwei Top Ten-Plätzen gesellten sich Punkte in den hohen 30ern. Zurzeit steht Platz 19 zu Buche. Theodor Bauer ist 17. und Nik Willim auf den 33. Platz abgerutscht.

Ergebnisse Trofea Princesa Sofia

Diesch/Autenrieth sind nach vielversprechendem Start zurückgefallen im 470er. © Wehrmann/DSV

Phillip Kasüske musste nach seiner zweiten Pump-Strafe aufgeben und ist auf Rang 25 zurückgefallen. © Wehrmann/DSV

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Carsten Kemmling

Der Mann von der vordersten Front. Mehr zu ihm findest Du hier.
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