Palma World Cup: Bilderbogen und Ergebnis-Einschätzung

"Noch hart arbeiten..."

Der erste europäische Weltcup der Saison hat noch nicht die erhofften Ergebnisse für das DSV Team gebracht. Es platzierte sich noch nicht unter den besten 15 Nationen.

Jurzok Lorenz

Jurzok/Lorenz segeln beim Palma World Cup auf Rang sechs. © Marina Könitzer

2012 gab es wieder einmal keine Olympia-Medaillen für deutsche Segler in Weymouth. Das konnte man auch nicht erwarten nach einem Generationswechsel und strukturellen Neuaufbau durch das Sailing Team Germany. Aber im Hinblick auf 2016 erhöht sich der Druck. Den STG Bemühungen müssen langsam stabile Erfolge folgen, wenn in Rio Edelmetall geholt werden soll.

Deshalb ist die Saison 2014 durchaus wegweisend für die weitere Entwicklung der Segel Nationalmannschaft. Und dafür eignet sich der Weltcup in Palma sehr gut für eine erste Standortbestimmung. Alle deutschen Teams haben intensiv im Winter gearbeitet und wollten nun abliefern, in einem Jahr zu dessen Ende schon erste Olympia-Plätze verteilt werden.

Dafür fiel die Bilanz noch nicht so aus, wie gehofft. Selbst Torsten Haverland, DSV-Vizepräsident für Leistungssport sagte. „Es gab in einigen Klassen tolle Lichtblicke und herausragende Einzelleistungen, doch in einigen Bereichen fällt unsere Bilanz ein wenig ernüchternd aus. Ich hatte gehofft, dass wir schon etwas weiter sind. Da müssen wir möglichst schnell drei Schippen draufpacken.“

DSV-Sportdirektorin Nadine Stegenwalner sagte: „Bis zur Weltmeisterschaft im September in Santander haben wir noch viel zu tun und werden sehr hart arbeiten müssen, denn das haben die anderen Nationen ganz offensichtlich auch getan.”

Bezeichnend ist, dass der erfahrenste deutsche Teilnehmer Toni Wilhelm das beste Ergebnis ablieferte. Er verlor zwar wie schon bei Olympia im Medalrace den Medaillenplatz, aber diesmal surfte er fast ohne Training nach eineinhalbjähriger Wettkampfpause sofort wieder in der Weltspitze. Er sagt: „Natürlich ärgert man sich am Ende ein wenig, wenn man die Medaille so knapp verpasst. Für mich war es aber trotzdem ein großartiger Einstieg in meine vierte Olympiakampagne“

Kollegin Moana Delle hat schon eine seriöse Vorbereitung hinter sich und griff nach einem Tagessieg im vierten Rennen wie gewohnt ganz vorne an. Aber zum Schluss verhinderten zwei 16. Plätze und der vorletzte Rang im Medalrace den möglichen Angriff auf das Podium.

Sehr positiv entwickelt sich die Arbeit von Trainer Max Groy bei den 49er FX. Die große deutsche Trainingsgruppe hat ein solch hohes Niveau, dass fast automatisch zwei Boote im Medalrace vertreten sind. Diesmal segelten Jurzok/Lorenz und Lutz/Beucke  punktgleich auf Platz sechs und sieben.

Die Wedemeyer Schwestern überraschten mit der Führung nach dem ersten Tag bei sehr leichtem Wind und der Qualifikation für die Gold-Flotte. Enttäuschend war dagegen das verpasste Gold-Finale für die Görge Schwestern und Meyer/Stoffers, die ihren ersten großen Wettkampf nach Stoffers Verletzung in der vergangenen Saison segelten.

Sorgen kann man sich vielleicht nur über den großen Abstand der ersten beiden FX Crews aus Brasilien und Dänemark machen. Der Rest des Feldes droht den Anschluss zu verlieren. Aber besonders die deutschen Frauen, haben das beste Team zum Gegensteuern.

Von Erik Heil und Thomas Plößel, den besten deutschen 49er Seglern hatte man nach dem Vorjahressieg vielleicht mehr erhoffen können als Platz acht. Aber sie selbst äußern sich zufrieden. “Wir haben uns einen Platz unter den besten zehn Prozent der Welt sichern können und hatten außerdem einen guten Anschluss an die Top 5. Ein durchaus gelungener Saisoneinstieg!”

Burling Tuke

Auch die Überflieger aus Neuseeland Burling/Tuke hatten mit den teilweise harten Überlebensbedingungen vor Palma zu kämpfen. © 49er.org

Die Spitzenplätze blieben in ihrer Serie diesmal aus. Und besonders die Neuseeländer Burling/Tuke wie auch der wieder erstarkte 2008 Olympiasieger Jonas Warrer mit Peter Lang aus Dänemark demonstrierten eindrucksvoll ihre Stärke. Aber die Deutschen sagen: “Die Regatta hat aufgezeigt, wo unsere Schwachstellen liegen. Jetzt liegt es an uns, ganz gezielt an deren Verbesserung zu arbeiten. Wir haben wieder neue Erkenntnisse gewonnen, es herrscht also noch Potenzial!”

Ärgerlich verlief die Regatta für den WM Dritten im Laser Phillipp Buhl. Sein Vater schreibt:  “Zunächst ein herber Dämpfer wegen einer Frühstart-Disqualifikation. Danach ein sehr schlechtes Ergebnis und in der letzen Wettfahrt noch ein keineswegs berauschender 25. Rang. Für Buhl wurde der Tag zum schwarzen Freitag. Drei hohe bis höchste Punktepakte zerschmetterten die bis dato glanzvolle Zwischenbilanz.”

Buhl zeigte vor dem Absturz bei extrem schwierigen Bedingungen, dass er nach wie vor um Medaillen segeln kann. Bei Starkwind ersegelte er wieder die zweitbeste Tagesbilanz und auch bei Leichtwind segelte er vorne. Bis zu dem schwierigen Tag, an dem auch der bisherige führende Weltmeister Robert Scheidt auf Rang neun zurückfiel.

Ein eigentlich ordentlicher Saisoneinstieg gelang auch in der 470er Klasse. Bei den Frauen zeigten Nadine Böhm und Ann- Christin Goliaß mit Platz 14, dass sie dran sind an der Weltspitze. Und mit einem Sieg im dritten Rennen gelang auch ein Talentplatz. Aber der fulminante Durchbruch in die Medaillenregionen lässt noch auf sich warten. Auch Annina Wagner /Elisabeth Panuschka (19.) und besonders Annika Bochmann/Karoline Goltzer (33.) konnten ihr Potenzial nicht abrufen.

Auch die 470er Männer segeln in den Regionen wie bisher. Wagner/Baldewein segelten als 15. wahrlich nicht schlecht im Weltklassefeld und auch Olympiastarter Ferdinand Gerz mit neuem Vorschoter Oliver Szymanski sind als 17. dran an der Spitze wie auch die Autenrieth Brüder als 20. Und es macht Hoffnung, dass Spitzenplätze und Tagessiege gelingen. Aber es muss mal wieder eine Medalrace Platzierung herausspringen, wenn man ganz vorne angreifen will.

Davon ist wie erwartet besonders die junge Finn Dinghy Truppe noch weit entfernt, wie auch der Laser Radial Nachwuchs. Bei den Nacra 17 ist der Goldfleet Einstieg für die 29er Umsteiger Paul Kohlhoff und Carolina Werner zwar sehr hoch einzuschätzen. Aber der Zug nach ganz vorne ist für deutschen Teams wohl jetzt schon abgefahren.

Youtube Theatre Style Finals der 49er

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Carsten Kemmling

Der Mann von der vordersten Front. Mehr zu ihm findest Du hier.
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Ein Kommentar „Palma World Cup: Bilderbogen und Ergebnis-Einschätzung“

  1. avatar Sven 14Footer sagt:

    Tolle Fotos mit klasse Untertiteln von Marina und eine klasse Zusammenfassung von Carsten. Die Reportagen von Euch beiden finde ich immer sehr hochwertig. Das ist ein geiwchtiger Grund für mich SR zu unterstützen!
    Ich freue mich auf viele weitere Reportagen udn Analysen von Euch!
    Gruß Sven

    Super Beitrag, mehr davon! Like or Dislike: Daumen hoch 5 Daumen runter 1

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