Rund um Texel: Nacra sahnt beide Titel ab

Zwei weitere Flug-Monster gesichtet

Flog am schnellsten rund Texel: der erste Nacra F20 Carbon mit L-Schwertern. © Laurens Morel / saltycoulors.com

Flog am schnellsten rund Texel: der erste Nacra F20 Carbon mit L-Schwertern. © Laurens Morel / saltycolours.com

Beim Katamaran-Klassiker Ronde om Texel in Holland drehte sich alles nur ums Fliegen. Der neue Nacra F20 Carbon foilte in zweieinhalb Stunden um die Insel, aber berechnet siegte das Olympia-Boot Nacra 17. Der Flying Phantom landete unsanft auf einer Sandbank.

Segeln auf dem Wasser ist out, nur drüber fliegen zählt noch. Den Eindruck könnte jemand nach dem 37. Katamaran-Klassiker Ronde om Texel gewinnen, bei dem zwei weitere Strand-Kats mit L-Schwertern als Tragflächen wie beim vorigen America’s Cup auftauchten und im Mittelpunkt der 283 gestarteten Zweirümpfer standen. Schnellste nach 63 Seemeilen rund um die holländische Nordseeinsel waren die einheimischen Peter Vink und Mischa de Munck auf dem ersten Nacra F20 Carbon mit Foils. Sie brauchten nur zwei Stunden, 30 Minuten und 39 Sekunden.


„Das war phantastisch, ein völlig neues Segelgefühl“, meinte Vink, selbst Entwickler und technischer Leiter bei Nacra. Damit hat die ehemals US-amerikanische Marke, die komplett an den einstigen europäischen Generalimporteur in den Niederlanden verkauft wurde, auf dem Zukunftsmarkt der „Flugobjekte“ einen wichtigen Coup gelandet. Rund Texel gilt seit jeher in der Szene als Marktindikator Nummer eins, welcher Kat-Hersteller zum Beispiel in der weit verbreiteten Formula-18-Klasse gerade das schnellste Modell auf dem Wasser hat. Bislang war das Neuland der foilenden Strandkats allein vom französischen Flying Phantom (ein umgebauter F-18) besetzt und dominiert worden, von dem schon rund 70 verkauft sein sollen.

Unsanft gelandet

Vermutlich Ursache für das Aus: Bontemps und Amiot landeten soeben mit dem Flying Phantom auf einer Sanbank an der Nordost-Ecke von Texel.  © Laurens Morel / saltycoulors.com

Vermutlich Ursache für das Aus: Bontemps und Amiot landeten soeben mit dem Flying Phantom auf einer Sandbank an der Nordost-Ecke von Texel.
© Laurens Morel / saltycolours.com

Dessen Vorzeige-Protagonisten Gurvan Bontemps und Benjamin Amiot waren auch auf dem besten Weg, diese prestigeträchtige Regatta zu gewinnen. „Nach dem Start bei vier Beaufort haben wir uns gleich abgesetzt und unter Gennaker bei flachem Wasser geschätzte Top-Speeds von 28 Knoten erreicht“, berichtete der Vorschoter. In Führung liegend liefen sie jedoch auf eine Sandbank auf und beschädigten das Aufholsystem der Backbord-Tragfläche. Zurück im Rennen brach dann noch der Haken am Großsegelkopf, und sie mussten aufgeben.

Mit ihrem selbst ernannten „Race Monster“, einem offenbar verbreiterten und mit L-Foils hochgerüsteten M20 von Marström aus Schweden, hatten Mischa Heemskerk und Eduard Zanen zu kämpfen. Mehr als einmal landeten sie aus dem Flugmodus unsanft auf der Wasseroberfläche.

Das 'Race Monster': der umgebaute M20 von Heemskerk/Zamen im Flugmodus.  © Sander van den Borch / sandervandenborch.com

Das ‘Race Monster’: der umgebaute M20 von Heemskerk/Zamen im Flugmodus.
© Sander van den Borch / sandervandenborch.com

Die beiden Holländer waren hinter ihren Landsleuten Xander Pols und Stefan Dubbeldam sowie Alex Noordstrand und Oscar Eelkman Rooda nur als Vierte im Ziel. Pols/Duddeldam segelten einen Nacra F20 Carbon mit herkömmlichen, gebogenen Schwertern, aber Tragflächen unter den Ruderblättern.

Sieger: Olympia-Nacra 17

Solche Varianten werden alle im Texel-Handikap berücksichtigt, so dass die Sieger nach berechneter Zeit gekürt werden. Und das war weit überlegen die Mixed-Crew Nicole van der Velden und Thijs Visser rund viereinhalb Minuten vor Gunnar Larsen und Lisa Larsen/Westerhof, beide auf dem olympischen Nacra 17. Vink/de Munck wurden nur 18. Gold in Rio de Janeiro 2016 wollen van der Velden/Visser jedoch nicht für ihr Mutterland, sondern für die Karibik-Insel Aruba holen, die vormals zu den Niederländischen Antillen gehörte. Sie haben bereits ausgeflaggt.

Event-Website und Resultate

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https://northsails.com/sailing/de/

2 Kommentare zu „Rund um Texel: Nacra sahnt beide Titel ab“

  1. avatar schorsche sagt:

    Nun, das Flugboot (NACRA 20 Carbon mit Peter Vink) war letztlich nicht viele Sekunden schneller als die Normalversion des gleichen Typs (Xander Pols) obwohl die Bedingungen wohl ideal zum Fliegen waren?
    Das er heil rum gekommen ist, ist natürlich eine Qualität an sich.
    Ein Problem hat natürlich, wer angeblich über 70 One-Design Flieger verkauft hat aber tatsächlich nur einen Einzigen an den Start bringt wenn dieser dann auch noch ausfällt.
    Bin gespannt wie es mit der Flug-Hype weitergeht.

    Super Beitrag, mehr davon! Like or Dislike: Daumen hoch 11 Daumen runter 0

  2. avatar Matthias Begemann sagt:

    Schöner Beitrag! Wir fahren schon seit Jahren nach Texel. Verbringen dort meist mit der ganzen Familie unseren Urlaub – mal im Ferienhaus, mal in einer Ferienwohnung. Leider findet man nur wenige gute Blog-Beiträge wie diesen im Netz. Informativ sind auch immer die Beiträge in folgendem Blog: http://www.texel-porsch.de/logbuch/

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