Sailing Champions League: Hestbaek nach Abbruch-Rennen zum Sieg

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Das Kick Off Event der ersten Sailing Champions League endete mit einem Sieg des Teams vom Gastgeber Kongelig Dansk Yachtklub. Nur wenige Zentimeter entschieden zu Ungunsten des Circolo Canottiere Aniene in Rom.

Sailing Champions League

Tommaso Chieffi hängt für seinen Yacht Club Costa Smeralda im Regen in der Reling. © Lars Wehrmann

Carlina Malling heißt die eigentliche Gewinnerin beim ersten Champions League Kick Off in Kopenhagen. Die Frau hat ihre Liege im Zelt aufgebaut. Zur Rechten die kleine Meerjungrau und zur Linken der Rennkurs mit den acht J/70.

Es regnet seit fast drei Tagen durchgehend in Strömen. Die Segler, die auf ihren Einsatz warten, drängen sich im kleinen Zelt, um sich vor dem durchdringenden Nass zu schützen. Viele stehen in Grüppchen mit ihren Teams und sprechen über ihr vergangenes Rennen. Verdammt, was ist das schief gelaufen? Was können wir besser machen? Warum ist dieser blöde Fehler schon wieder passiert?

Relaxen und Fokussieren

Dazwischen steht Caralina Malling, spricht den einen oder anderen an, ob er nicht auf ihre Liege möchte. Zum Relaxen und Fokussieren. Ihr Mann sei der dänische 49er Coach Adam Malling. Sie habe schon erfolgreich mit den 49ern gearbeitet. Tatsächlich sind die dänischen Skiff Teams bei den Männern und Frauen die besten der Welt. Ist sie der Grund dafür?

Aber jetzt so zwischen den Rennen? Mit einer Wunderheilerin oder was auch immer am Fokussieren arbeiten? Die Frau ist sympathisch, aber die meisten Segler sind skeptisch. Jetzt zwischen all den Menschen am Geisteszustand rumdoktorn? Das ist etwas unheimlich. Äh, wir müssen gleich aufs Wasser…

Nur nicht Michael Hestbaek. Der Däne legt sich hin. Er hat gerade nur fünf Punkte geholt für seinen Kongelig Dansk Yachtklub. Zu wenig für den angepeilten Gesamtsieg. Inmitten der Segler fläzt er sich mit den tropfenden Klamotten auf die Liege. Vielleicht hilft’s.

Frau Malling fährt mit ihren Händen über Gesicht und Arme, bearbeitet Druckpunkte, lässt Energie fließen. Sie stärke die Verbindung zwischen linker und rechter Gerhirnhälfte heißt es auf ihrer Website.

Game Over, oder doch nicht?

Im ersten Moment scheint es noch nicht so richtig zu funktionieren. Hestbaek wird von einem Polen, der eine Frühstart bereinigen will, übergemangelt und bleibt am Pin End hängen. Game over, die Flotte zieht dahin, die Dänen hängen am Tampen.

Der Württembergische Yacht Club liegt vorne. Aber nach einer Runde wird das Rennen abgebrochen. Es sei unfair, was da am Start passiert ist, sagen die Schiedsrichter und es gebe bei dieser Regatta nicht die Möglichkeit einer Wiedergutmachung. Also drängen sie die Wettfahrtleitung zum Abbruch.

Unglücklich, dass der Chief Umpire Däne ist. Das ist ihm bewusst. Deshalb habe er auf eine einstimmige Entscheidung der Schiedsrichter gehofft, erklärt Uli Finkh, der zum Team gehört, und sie auch bekommen.

Norweger schäumen

Besonders die Norweger schäumen. Sie sind ebenfalls nah dran am Sieg. Aber als die Dänen das unverhofft erhaltene Resail gewinnen, ziehen sie weit davon. Glück gehabt, kann man wohl sagen. Ob der Besuch bei Frau Malling da eine Rolle spielte? Hat sie einen Draht zum Segel-Gott?

Man könnte es fast meinen. Denn auch beim entscheidenden 43. Rennen (Tracker) benötigen die Dänen Hilfe von oben. Es wird auf der letzten Vorwindstrecke entschieden. Eine klare Führung vor den Römern verwandelt sich erst in einen eigentlich unaufholbaren Rückstand von zwei Längen. Dann erwischen sie auf den  Metern noch eine Böe aus dem Nichts und schieben sie wenige Zentimeter vor den Italienern ins Ziel.

Michael Hestbaek gewinnt mit dem Match Race Weltranglisten 7. Joachim Aschenbrenner an Bord und dem Yngling Vize Weltmeister und aufstrebenden Match Racer Lucas Lier (WR 41.) sowie Frederik Berg mit einem halben Punkt Vorsprung. Hestbaek segelte 2007 als Stratege beim deutschen United Internet Team Germany und nahm schon an vier Olympischen Spielen teil im Starboot (11. 2012, 9. 1996) und 49er (9. 2000, 13. 2004).

Überlegene Italiener ließen nach

Die Gegner vom Circolo Canottiere Aniene legten zu Beginn in Kopenhagen eine beeindruckende Serie hin, die nicht wenige vom Melges 24 Weltmeister Lorenzo Bressani erwartet hatten, der sich die Crew an Bord geholt hatte, die vor Kiel ORC Weltmeister geworden ist. Zum Ende der Regatta ließen die Italiener dann doch noch etwas nach und konnten ihren Vorsprung nicht mehr nach Hause retten.

Auf Platz drei landete der Oman. Skipper Rob Greenhalgh stellte neben den beiden Omanis Nasser Al Mashari und Ali Al Balushi, die auch im Rahmen der Extreme Sailing Series segeln, mit dem Kiwi Phil Robertson überraschend einen der aktuell besten Match Racer der Welt (WR 5.) auf.

Sie konnten gegenüber der Kongelig Norsk Seilforening mit dem ex Scnipe Weltmeister und Melges 24 Weltklassesegler Kristoffer Spone und der Melges Crew von Christen Horn Johannessen einen Vorsprung von 0,33 Punkten behaupten.

Petra Niemann mit starker Premiere

Der NRV landete auf Platz fünf vor dem VSaW, für den erstmals mit Petra Niemann eine der besten deutschen Seglerinnen, zum Einsatz kam. Sie war mit ihrem Einsatz sehr zufrieden und legte eine solide Serie ohne große Ausfälle hin.

Der Württembergische Yacht Club wollte eigentlich mit dem starken eingespielten Team um Max Rieger an den Start gehen. Aber hatte einen Wadenbeinbruch erlitten. Deshalb stueuerte etwas ungewollt Team Kapitän Klaus Diesch und war schließlich mit Rang 12 durchaus zufrieden.

Einer perfekten Lokation stand am Ende sehr extremes Wetter im Weg. Der durchgängige Regen ließ gar nicht erst ein Live Erlebnis an Land aufkommen. Aber die Segler und viele internationalen Funktionäre, die sich vor Ort einen Eindruck von der neuen Veranstaltungsform machten, waren begeistert.

Hoffen auf Verbreitung der Idee

“Ziel soll es sein, dass die Segler zuhause von dieser Regatta erzählen und sich schließlich eigene Ligen in den Ländern bilden”, erzählt Initiator Oliver Schwall. Genau das scheint schon längst zu passieren. Die Segler vor Ort berichten von vielen Impulsen und Ideen in den eigenen Ländern. Besonders die Schweden, Norweger und Österreicher scheinen sehr interessiert.

In Russland und Polen mag der Funken noch nicht übergesprungen sein. Sie schickten auch Teams, die noch nicht konkurrenzfähig waren. Und die Briten mögen überrascht gewesen sein, dass sie mit ihrer Team Race Crew so weit hinterher segelten.

Längst ist nicht klar, wie es weiter geht. Wird die Champions League wirklich kommen? Wie ist das Format? Soll es eine Profi Regel geben? Können Sponsoren überzeugt werden? Viel wurde unter den Seglern diskutiert. Alles ist offen.

Ausrichter gibt es genug. Der Yacht Club Costa Smeralda hat sich schon angeboten wie auch die Omanis. Und Kopenhagen hat sich schon gleich für zwei Veranstaltungen ins Spiel gebracht. Schön wär’s. Es wird ja nicht immer regnen in Dänemark. Vielleicht kann Frau Malling über ihren Draht nach oben ja dann mal ein gutes Wort einlegen.

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Carsten Kemmling

Der Mann von der vordersten Front. Mehr zu ihm findest Du hier.

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5 Kommentare zu „Sailing Champions League: Hestbaek nach Abbruch-Rennen zum Sieg“

  1. avatar Kajule sagt:

    Ich habe das ganze via Livestream verfolgt und das hat Spaß gemacht und war spannend! Der Funke ist zumindest bei mir übergesprungen und ich hoffe sehr, dass sich die Ligen weiter verbreiten.
    Schade fand ich, dass im ansonsten gelungenen Tracker die Farben der Boote während der einzelnen Rennen änderten. Da fiebert man für “seine” Mannschaft in blau, und auf einmal ist sie grün. Das war unübersichtlich. Aber sonst: Sehr gelungen.
    Und wenn ich das nächste Mal nach Kopenhagen fahre, werde ich vorher mal die Hp von Frau Malling checken 😉

    Super Beitrag, mehr davon! Like or Dislike: Daumen hoch 10 Daumen runter 0

  2. avatar Jörg sagt:

    Jupp,
    Habe das ganze auch per Stream verfolgt- echt gute coverage und auch der Kommentar war klasse.
    Wenn die Bootsnummern im Ranking (SAP) mit (verkürzten Clubnamen) eingeblendet werden, würde es für den Zuschauer noch einfacher Livebilder zu bewerten.
    Alles in allem ein spannendes Wochenende – SegelBuLi hat voll eingeschlagen:-)

    Guten Wind
    Jörg

    Super Beitrag, mehr davon! Like or Dislike: Daumen hoch 9 Daumen runter 0

  3. avatar Christoph sagt:

    Ja ein super event, das den Segelsport und die Nachwuchsförderung und Forderung fürs Seesegeln in den Vereinen vorantreibt.
    Ich finde es etwas schade dass bei den Bildunterschriften und Kommentaren aber doch wieder all zu oft die Namen der Steuermänner in den Vordergrund gestellt werden. War es nicht gerade Sinn dieser Veranstaltung das die Vereinsteams im Focus stehen und nicht einzelne Personen die sowieso schon erfolgreich segeln?

    Also weiter viel berichten 🙂 von diesen tollen Segelformaten

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  4. avatar Jörg sagt:

    Knarrt da nicht noch ein Blo(g)ck? 🙂

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  5. avatar Florian Weser sagt:

    Toll geschrieben Carsten! Ja, ich fand sie von Anfang an schon unheimlich diese Frau Malling… 😉

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