Santander Trials Mixed Katamaran: Mit harten Bandagen um den Olympia-Spot

Jetzt wird es fies

Der neue One-Design-Tornado für 15900 Euro vor Santander.

Roland Gäbler und Darren Bundock waren einmal gut befreundet. Sie gehörten einer gemeinsamen Trainingsgruppe an, die ihnen auch Olympia Medaillen bescherte. Aber beim Kampf um den Mixed Olympia Spot 2016 sind sie zu erbitterten Gegnern geworden.

Denn Bundock und seine Partnerin Carolijn Brouwer promoten den 16 Fuß Katamaran Viper, mit dem der Australier im vergangenen Jahr Weltmeister in der F16 Klasse wurde. Gäbler zieht für den Tornado zu Felde.

Heute schickt Gäbler eine erboste Pressemitteilung. “Sie werden bezahlt, wir nicht. Wir haben zu 100 Prozent kein finanzielles Interesse. Sie machen diesen Job nur für das Geld und wechseln von einer Kat-Werft zur nächsten. Damals arbeiteten sie für Hobie, nun für APC. Was kommt danach?”

Roland und Nahid Gäbler zeigen den neuen Tornado Explorer.

Sein Fazit nach dem ersten Testtag: “Die Segler beginnen festzustellen, dass ein 16 Fußer viel zu klein ist. 18-20 Fußer (eingeschlossen der Nacra 17…. der fast 18 Fuß lang ist) sind die Favoriten.”

Der Hamburger Maimilian Said ist als Testfahrer bei den Katamaranen in Santander dabei. Er berichtet für SegelReporter von seinem ersten Eindruck.

Wetter: Wind aus W – NW, 5kn – 9kn, kaum Bewölkung. Gegen 14.40 Uhr, zunehmend auf 23kn innerhalb kurzer Zeit, drehend auf W, starke Bewölkung

Nacra 17: 

Der Nacra 17 ist mit großem Abstand das modernste „Testobjekt“ hier in Santander, insgesamt gibt es nur die zwei Schiffe die Gunnar Larsen und Peter Vink mit ihrem Team hier präsentieren. Entworfen und gebaut ist er mit dem ausschließlichen Ziel eine längerfristige Lösung für die Disziplin „Mixed Catamaran“ zu sein.

Maximilian Said testet den Nacra16 bei den Trials in Santander.

Und Nacra konzentriert sich hauptsächlich auf dieses Design, während die 16-Fuß Version nur zeigen soll „was alles möglich ist im vorgegebenen Rahmen der ISAF“ (Gunnar).

An Deck findet man viele Element die man vom großen Bruder, dem Nacra Infusion, schon lange kennt. Ruderanlage, das zwei-Leinen-Spinnaker System, die Trimmeinrichtungen an Groß- und Vorsegel sind wenn überhaupt nur leicht verändert worden. Das aufsteigen und segeln fällt dann gleich etwas leichter.

Was dieses Schiff aber so interessant macht sind die gebogenen Schwerter und der Full-Carbon Mast, der sich zum Transport auch teilen lässt. Die Theorie verspricht eine deutlich höhere Geschwindigkeit und eine bessere Möglichkeit die maximale Leistung aus den Schiff zu holen.

Die gebogenen Schwerter die wir in die genau so runden Schwerkästen stecken mussten drücken von unten das Boot aus dem Wasser, allerdings braucht es ein wenig Geschwindigkeit um diesen Effekt zu spüren. So wird der Wasserwiderstand verringert und Manöver wie das Abfallen an der Luvtonne verkommen zu einem Kinderspiel.

Ohne den Widerstand des Wassers ist es auch möglich deutlich weiter vorne (bugwärts) zu stehen. Insbesondere Downwind ist das erstmal ungewohnt und der Vorschoter wirft wehmütige Blicke nach achtern da wo die Heckschlaufe eigentlich angebracht ist. Brauch er aber gar nicht weil das Schiff sehr ruhigen Kurs fährt.

Die kleine Welle, die wir hier in der Bucht hatten störte überhaupt nicht und da wo man mit anderen Cats schon in die Tiefe gehen muss um nicht zu stolpern konnten wir Hoch fahren und Gas geben. Henriette war sogar so selbstbewusst mit ins Trapez zu kommen und auch das hat funktioniert (Geschwindigkeit und genug Tiefe). Ob das wirklich in allen Situationen von Vorteil ist muss noch weiter ertestet werden – falls ja, würde es unseren Spielraum deutlich erweitern!

Nacra 16

Der Nacra 16 wurde im September letzten Jahres auf den Markt geschmissen und ist nach Werft-Angaben bis zum September diesen Jahres ausverkauft. Der Rumpf ist bis auf den fehlenden Fuß genau gleich, kommt aber mit geraden Schwertern und Alu-Mast daher.

Aber auch hier wird versucht die Wirkung von Foils auszunutzen, aber um den Regeln der F16 Klasse zu entsprechen werden die Schwerter hier nur schräg in die Rümpfe eingesetzt. Das Deckslayout ist wieder in bekannter Nacra-Manier gestaltet.
Auf dem Wasser hatten wir viel Spaß mit diesem einfach zu segelnden Boot….

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Carsten Kemmling

Der Mann von der vordersten Front. Mehr zu ihm findest Du hier.
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14 Kommentare zu „Santander Trials Mixed Katamaran: Mit harten Bandagen um den Olympia-Spot“

  1. avatar uli_s sagt:

    Detail am Rande: Der Schriftzug “TORNADO” auf dem Groß ist formal gesehen falsch herum aufgeklebt. Er zeigt in Leserichtung nach unten… da kann man unbewußt unschönes für die Prüfung assoziieren. Hier rechts an dem coolen Renn-Orakel hat man es richtig gemacht.

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    • avatar Kiel sagt:

      mal so am Rande… wenn ich bei mir ins Regal schaue, sehe ich viele Buecher aus dem anglo-amerikanischem Sprachraum mit dem Titel auf dem Ruecken des Buches in Leserichtung nach unten. Nur die Buecher Deutscher Verleger stechen heraus weil sie alle falschrum beschriftet sind!

      Also Mister TornadoPresi – weiter so, immer schoen English lernen, dann klappts auch mit Olympia.

      Ernsthaft: ich hoffe instaendig, das andere Kriterien die Auswahl bestimmen werden, nicht die Beschriftung des Gross – oder Vorsegels (insbesondere nicht der Preis-Tag auf den Segeln).

      Weiterhin schoenes Berichten von der Ausscheidung, idealerweise mit weniger polemisch gefaerbten Aussagen, aber das kommt ja noch!

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  2. avatar hanseatic sagt:

    Wer sind eigentlich, außer Max, die deutschen Testfahrer vor Ort? Kann man da vielleicht mal etwas mehr erfahren Carsten?

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  3. avatar Ketzer sagt:

    Soso, Darren Bundock hat nur finanzielle Interessen? Mir kommen Tränen der Rührung angesichts des Gäblerschen Altruismus….

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    • avatar hanseatic sagt:

      Hey Ketzer – 1. Hält Rolands Tornado-PR den Kessel doch schön am Kochen oder 😉 Langeweile kommt da jedenfalls nicht auf 😀 und 2. Ist Roland meiner Kenntnis nach weder an einer Werft noch am Vertrieb von T’s direkt beteiligt – ganz im Gegenteil zu Darren und seinem Baby 😉 Als Klassenpräsident rührt er jedenfalls ordentlich und mit allen Mitteln die Trommel – so what? Einfluss auf die Entscheidung hat er eh nicht. Also – cool down and have fun 😉

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  4. avatar Christian sagt:

    bitte mehr News und Berichte aus Santander wie der von Maximilian! Gäblersche Negativ-PR ist hingegen verzichtbar. Ach obwohl, so’n bisschen Tratsch und Krawall ist ja auch ganz amüsant.

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  5. avatar hanseatic sagt:

    Andreas John hat mir gerade gemailt (Danke Andreas), dass Max doch tatsächlich der EINZIGE deutsche Testsegler vor Ort ist und das Ganze auch noch auf eigene Rechnung. Weder DSV noch STG noch Vereine haben Tester geschickt. Was für ein trauriges Bild! Kein Interesse an den beiden Klassen? Kein (Reise)Geld in den Kassen? Keine förderungswürdigen Athleten unter deutscher Flagge? Oder einfach nur Schlafmützigkeit? Was soll man davon halten?

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    • avatar Kopfschütteln sagt:

      die nächsten beiden Beiträge geben dann ja doch ein informierteres Bild wieder. Aber erstmal ordentlich auf alles und jeden schimpfen, obwohl man nicht mal halb richtige Informationen hat, ist natürlich erstmal schick und passt bestens zu den üblichen (mehrheitlichen) Beiträgen in diesem Forum.

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      • avatar hanseatic sagt:

        “Draufschlagen” war mitnichten beabsichtigt. Die vielen Fragezeichen sollten doch eine deutliche Sprache sprechen und haben ja nun auch teilweise Wirkung gezeigt. Glücklicherweise hat Max die Sache mit den deutschen Testseglern nun richtig gestellt. Nichtsdestotrotz frage ich mich aber immer noch warum der DSV dann nicht mehr deutsche Segler zu den trials “geschickt” hat? Je mehr deutsche Tester umso mehr “deutscher” Einfluss auf die ISAF-Entscheidung – oder nicht? Vielleicht kann Nadine dazu ja mal befragt werden?

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  6. avatar Michael Walther sagt:

    So ganz stimmt das mit dem Desinteresse des DSV nicht. Ich war ebenfalls eingeladen und hätte sowohl von der ISAF wie auch des DSV eine entsprechende Unterstützung bekommen, genau wie Max. An- und Abreise sowie die Unterkunft in Santader wäre bezahlt gewesen.

    Ich hatte nur leider einfach keine Zeit…

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  7. avatar Maximilian Said sagt:

    Moin, wir sind insgesamt drei deutsche Testsegler hier unten, zwei Mädels und ich. Henriette Gruse, unter anderem 49er Seglerin, nimmt mich auf den verschiedenen Kats mit. Meike Schomäker, steuert normalerweise einen 505er, ist eigentlich für die Skiffs hier unten, fährt aber bisher auch auf den Kats und auch Frau Stegenwalner (DSV, Sportdirektorin) ist hier in ihrer Funktion als Member of Mixed Catamaran Trials Committee hier.
    Ich bin irgendwann nach der Boot angesprochen worden/bzw wurde darauf aufmerksam das niemand aus Deutschland für uns hier hinfahren wollte, also habe ich mich bemüht einen Partner zu finden der die Zeit hat. Der DSV übernimmt die reinen Reisekosten solange in Maßen. Im Vergleich zu anderen europäischen Ländern ist das sogar noch gut.
    Die ISAF hat sich aber keine Gedanken wie die Segler mit Essen zu versorgen sind. So müssen die Tester, die große Mehrheit studiert, 2-3 Mahlzeiten pro Tag aus eigener Tasche bezahlen, das ist extrem ärgerlich.

    Sieht sehr flau aus hier im Moment, mal schauen was der Tag noch so bringt.

    Gruß von Meike, Henriette und Max

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    • avatar Christian sagt:

      Hallo ihr drei, vielen Dank für eure Infos. Haltet uns auf dem Laufenden, wir wissen es sehr zu schätzen!

      So toll es ist, dass ihr drei in Santander seid, ist es schon ein bisschen schade, dass hierzulande bei potenziellen Olympiakandidatinnen nicht mehr Interesse an den Trials herrscht. Da zeichnet sich ab, wie es 2016 aussehen wird mit der deutschen Beteiligung… naja, hoffentlich hab ich Unrecht.

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    • avatar Kiel sagt:

      sehr flau? soll heissen Stadion Segeln mit einem fliegenden Rumpf bei Glatze… find ich grossartig. Dann kann man ja zumindest mal ein Versprechen der neuen Klasse(n) test: puenktlicher Start bei jedem Wetter.

      Oder sollte das auch schon wieder relativiert werden?

      Viel Spass noch beim Testen, ich bin sicher der DSV und alle potentiellen Kader Segler fuer 2016 sind stolz darauf, den Adler auf dem Boot, das in Santander ausgewaehlt wird unter dem Zuckerhut zu praesentieren. Also, feuer frei und das mit der Verpflegung bekommt Fr. Stegenwalner auch noch hin.

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  8. avatar uli_s sagt:

    Wenn man die Domain exploder.info auf dem Mast* des T aufruft, findet man dort mitnichten info zu dem schnellen und günstigen Dino.

    *auch von oben nach unten geschrieben *heul*

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