Segel-Bundesliga: Heimsieg für DTYC – HSC-Hamburg-Frauen mit Zweitliga Sieg

Nasse Flautenspiele

Die Highlights vom Starnberger See:

Der erste Spieltag der Deutschen Segel-Bundesliga stand am Starnberger See unter keinem guten Stern mit drei Tagen Regen und Flaute. Aber es wurden würdige Sieger ermittelt.

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Das Bundesliga Feld beim Start vor dem DTYC. © Lars Wehrmann

Besonders der Deutsche Touring Yacht Club, Vizemeister von 2014, fand sich sehr gut mit den widrigen Bedingungen zurecht. Die ehemaligen 470er Spitzensegler Julian Stückl und Patrick Follmann legten für ihren gastgebenden Verein mit Luis Tarabochia und Jonas Vogt eine überragende Serie hin.

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Auf der Flucht I. Itzehoe (r.) war noch nie auf dem Treppchen und hat keine wasserfeste Klamotte für die Sekt-Dusche dabei. © Lars Wehrmann

Mit 2/2/4/2 /1 /1 leisteten sich die Bayern keinen ernsthaften Ausrutscher, was besonders wichtig war, da mangels Wind nur 19 von geplanten 45 Rennen in die Wertung eingingen. Mit dem DTYC steht aber auch das Team vorne, das sich mit am professionellsten auf die Saison vorbereitet hat und deutliche Titel-Ambitionen anmeldet.

Der Flensburger Segel Club hatte 2014 beim Starkwind-Event in Travemünde mit Platz zwei Aufsehen erregt und war deshalb eher als Schwerwetter-Team eingestuft worden. Skipper Michael Ilgenstein und seine Mannen präsentierten sich für den Tabellen-Zehnten des Vorjahres aber nun auch bei Leichtwind auf der Höhe.

Das FSC Team gehört zur Trainingsgruppe, die an mehreren Wochenenden mit dem NRV auf der Alster trainiert hatte. Mit dabei war auch die Seglervereinigung Itzehoe, die schließlich auf Platz drei landete.

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Auch bei Flaute in Aktion. Die ersten Tabellenführer vom DTYC. © Lars Wehrmann

Dabei verpasste die Crew von Steuermann Christian Soyka sogar nur denkbar knapp den Gesamtsieg. Die überraschenden Tabellen Vierten von 2014 setzten ihren fortwährenden Aufstieg mit permanenten Podiumsplätzen in sechs Rennen fort und lagen in Führung.

Aber dann wurde das letzte Rennen des siebten Flights angeschossen. Einmal die falsche rechte Seite auf der Startkreuz erwischt, und plötzlich war das Rennen verloren. Durch Rang sechs rutschte die SVI auf Platz drei zurück. Die direkte Konkurrenz musste nicht mehr segeln, weil der Wind komplett zusammenbrach. Sie erhielt für Flight sieben das Mittel der bisherigen Punktzahl.

Nutznießer dieses letzten Rennens war der Titelverteidiger NRV, der nach einer äußerst mühsamen Serie noch durch Platz zwei drei Konkurrenten in der Gesamtwertung überholte. Er kam mit einem blauen Auge davon.

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Die J/70 Flotte im neuen Branding. © Lars Wehrmann

Sehr ärgerlich verlief das Finale für den Konstanzer Yacht Club um Steuermann Tino Ellegast und Laser Nachwuchs-Hoffnung Julia Kühn. Klar in Führung liegend bekamen sie einen Penalty verpasst, weil der Bugspriet offenbar nicht vollständig für die Kreuz eingezogen war. Die Folge: letzter Platz.

Unter den Seglern wurde diskutiert, ob solche sachlich wohl richtigen aber unverhältnismäßig harten Strafen, wie auch für das versehentliche Ausreiten auf der Reling, eher mit gelben Karten als Warnung belegt werden könnten. Ein Wettbewerbsvorteil kann niemand daraus ziehen.

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Krängen tut Not an eine Wochenende ohne viel Wind. © Lars Wehrmann

Einen harten Bruch in der Serie gab es auch für die Segelkameradschaft Wappen von Bremen. Sie hatte sensationell nach den ersten drei Rennen in Führung gelegen, rutschte aber nach zwei letzten und einem vorletzten Platz noch auf rang elf ab. Es wird gemunkelt, dass die Performance bei der großen Seglerparty, zu der auch im Umland per Facebook eingeladen worden war, ein wenig dazu beigetragen haben könnte.

Überraschend schwach ist der Vorjahres-Vierte vom Württembergischen Yacht-Club aus dem Startblock gekommen. Ein neu zusammengestelltes Team landete auf Rang 16 knapp vor den beiden Aufsteigern vom Münchener Yacht-Club mit H-Boot Segler Michael Liebl am Lenker und dem Segelklub Bayer-Uerdingen, wo Finn Dinghy Olympionike Lennart Luttkus das Kommando führt, der erst vor kurzer Zeit seine Olympia-Kampagne beendet hat.

Ergebnisse 1. Liga

Die Rennen im Tracker Replay

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Auf der Flucht II. Die Hahlbrock Schwestern versuchen, den gezielten Champagner-Attacken zu entgehen. © Lars Wehrmann

Der parallel ausgetragene erste Spieltag der zweiten Liga wurde von einer Frauencrew dominiert. Silke Hahlbrock ist für den Hamburger Segel-Club mit ihrem Team an den Start gegangen, das knapp an der Olympiaqualifikation im Frauen Match Race für 2012 gescheitert war.

Die Hahlbrock Schwestern und Marion Rommel nahmen Karl Gurgel an die Vorschot und gaben an, das mit Abstand leichteste Team gewesen zu sein. Aber die Fähigkeiten, ein Kielboot über den Parcours zu bewegen, dürften auch geholfen haben.

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Der Lindauer Laser Segler Fabian Gielen sucht nach festem Halt auf dem b/one Vorschiff. © Lars Wehrmann

Dahinter zeigte der Lindauer Segler-Club endlich einmal sein Potenzial, das man beim Gründungsmitglied der Bundesliga schon früher erwartet hatte. Selten konnte das beste Team aufgestellt werden, und so waren die Lindauer im freien Fall abgestiegen.

Erst als Zweite der Relegation dürfen sie jetzt wieder in der zweiten Liga mitspielen und mit dem Katamaran As Veit Hemmeter seiner Schwester Teresa Hemmeter, Martin Hostenkamp und dem deutschen Laser Junioren Meister Fabian Gielen gelang auf Anhieb Rang zwei.

Knapp dahinter auf dem Podium landeten die Freunde vom Bodensee vom Yacht-Club Langenargen mit Max Stein am Steuer, der vor fünf Jahren den EM Titel im Laser 4.7 gefeiert hatte.

Die große Überraschung in der zweiten Liga war Rang 16 des Blankeneser Segel Clubs, der nach dem Sieg bei der Relegation als einer der großen Favoriten für den Aufstieg gehandelt worden war. Aber 505er Weltmeister Claas Lehmann hatte große Probleme beim Liga Auftakt.

Neben Silke Hahlbrock kamen zwei weitere Steuerfrauen in der zweiten Liga sehr gut zurecht. Die ehemalige 470er Weltklasse-Seglerin Tanja Jacobsohn (geb Stemmler) segelte den abgestiegenen Lübecker Yacht-Club auf Rang fünf. Und Juliane Zepp (geb. Wolf) segelte für den Schweriner Yacht-Club nach der Führung am ersten Tag auf Platz sieben.

Ergebnisse zweite Liga

Die nächste Erstliga Veranstaltung von sieben startet in der Kieler Innenförde (5. bis 07.06.). Das folgende gemeinsame Event der ersten und zweiten Liga (fünf Veranstaltungen) wird in Warnemünde ausgesegelt.

Für große Diskussionen sorgte eine Situation an der Luvtonne. Wer hat in diesem Fall Recht?

 

 

 

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Carsten Kemmling

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17 Kommentare zu „Segel-Bundesliga: Heimsieg für DTYC – HSC-Hamburg-Frauen mit Zweitliga Sieg“

  1. avatar Florian Weser sagt:

    Toll geschrieben!!

    Super Beitrag, mehr davon! Like or Dislike: Daumen hoch 7 Daumen runter 2

  2. avatar sasasoso sagt:

    und was war jetzt der Schluß zu der gezeigten diskussionswürdigen Situation an der Luvtonne?

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    • avatar sasasoso sagt:

      meine Vermutung wäre, soweit man das im Video erkennen kann, Verletzung von Regel 13 und zusätzlich 18a.

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  3. avatar Lyr sagt:

    Moin Carsten,

    zu Deiner letzten Frage mit dem verlinkten Video:
    Auch wenn Boot 1 in meinen Augen etwas zu früh und übertrieben reagiert, ist es doch ziemlich deutlich, dass Boot 2 gegen 18.3. verstößt… Es wendet in der Bahnmarken-Zone und zwingt Boot 1 höher als Abwind zu segeln.
    Das sieht man schon allein daran, dass Boot 2 es auch nur durch anluven schafft um die Tonne zu kommen.
    Boot 1 musste also so reagieren (auch wenn etwas frühzeitig) um den nötigen Platz für Boot 2 zu schaffen und eine Kollision zu verhindern.

    Liege ich da richtig?? 🙂

    Grüße Jan

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    • avatar Carsten Kemmling sagt:

      also die jury hat grünweiß gezogen. der abstand zwischen den booten habe ausgereicht. bestimmt sehr schwierig live zu entscheiden. kann man wohl so sehen. aber dennoch wohl auch ziemlich mutig, so von links in die zone zu wenden.

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      • avatar Lyr sagt:

        Hallo Carsten,

        ich hatte meine Antwort unten ja auch noch mal auf grünweiß korrigiert. (hatte das abfallen von boot1 übersehen.)
        -mutig war es aber definitiv, dass stimmt! 🙂

        grüße jan

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  4. avatar thorsten sagt:

    hallo zusammen,

    ohne vor ort gewesen zu sein und ohne zu wissen, um was die frage genau geht, greife ich mal lyrs erklärung auf.
    nur von dem video sieht es für mich wie folgt aus:

    – schwarz klar voraus von blau, leicht in luv, beide mit wind von steuerbord und zumindest schwarz mit einem leichten schrick in den schoten
    – grau mit wind von backbord
    – über die zone kann man aus dem winkel nichts sagen

    – schwarz fällt deutlich auf grau ab
    – im abstand von etwa einer halben bootslänge luvt und wendet grau, aufgrund des zeitlichen ablaufs gehe ich davon aus, dass dies in der zone passiert
    – schwarz luvt über einen amwindkurs hinaus, nicht bis in den wind
    – blau luvt ebenfalls. ob eine überlappung zwischen blau und grau entsteht, ist aus dem winkel nicht zu sehen. aufgrund des weiteren verlaufs gehe ich davon aus, dass grau klar voraus von blau blieb.
    – geringster abstand zwischen grau und schwarz ist etwa eine halbe bootslänge (die marke und freies wasser ist konstant zwischen den booten sichtbar)

    –> grau wendet in der zone, hält sich jedoch während der wende von anderen booten frei, alles gut.
    –> schwarz fällt auf grau ab, gibt grau jedoch raum zum freihalten während der wende, alles gut.
    –> schwarz luvt zwar über einen amwindkurs hinaus, hätte das allerdings nicht gemusst, um grau zu vermeiden, alles gut.

    die frage, die sich bei 18.3 immer stellt, ist nicht so sehr, OB das boot mit wind von steuerbord über amwind angeluvt hat, sondern ob es das auch tatsächlich MUSSTE, um dem boot, das gewendet hat auszuweichen.
    hier sieht es nach deutlich genug platz aus – schwarz hätte nicht über amwind gemusst.

    in der gezeigten situation sehe ich nichts, was ich bestraft hätte – für mich alles grün/weiss.

    worum genau ging die frage denn? gabs ne strafe?

    gruss

    thorsten

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    • avatar Lyr sagt:

      Hallo Rodeo! 🙂

      Nach nochmaligem betrachten des Videos muss ich Dir recht geben. Habe das vorherige Abfallen von Schiff 1 (schwarz) beim ersten Betrachten des Videos nicht wahr genommen. Außerdem sieht man auch an Schiff 3(blau), welches sogar etwas tiefer liegt als Schiff 1, dass ein Anluven über den Amwindkurs nicht nötig war.
      Also kein 18.3. (13 imo sowieso nicht) – grün/weiß

      noch mehr Meinungen??
      Ach die guten alten Zeiten, an denen wir Nächte lang diskutiert haben 😉

      beste Grüße

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      • avatar thorsten sagt:

        viele grüsse zurück – evtl sieht man sich ja wenigstens mal wieder auf dem wasser 😉

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  5. avatar Heiko Falch sagt:

    Hallo Carsten,
    Juhuu, Regeldiskussionen im Internet sind grossartig.

    Allerdings fehlen mir noch einige Details, die zur richtigen Beurteilung nötig sind.
    Z.B. der Abstand während der Wende, die Überhöhe die die Starboard Tacker hatten, Amwind Kurs, Überlappung, Zeitpunkt Wende beendet, das Ansteuern von Boot 1 an die Tonne, Lateraler Abstand usw…..

    Aber das gute ist ja: Ich war dabei.
    Also noch ein paar Facts vom Umpire Boot:
    -Schwarz segelt mit einer Bootslänge Überhöhe oberhalb der Layline tiefer als Am Wind
    -Grau beendet seine Wende klar voraus zu Schwarz
    -kurz danach stellt Schwarz eine luvwärtige Überlappung zu Grau mit 2m seitlichem Abstand her
    -Schwarz luvt weiter bis auf einen Amwind Kurs an

    Zugegeben: Auf dem Video es so aus als ob Schwarz über am Wind anluvt. Das haben wir zwar anders gesehen, am Call würde sich dadurch aber nichts ändern, da der seitliche Abstand mehr als anderthalb Bootsbreiten war.

    Den Call haben ja dann auch fast alle irgendwann akzeptiert, bis auf das eigentlich unbeteiligte blaue Boot, dass n bissi über Normallautstärke seine Einschätzung kundgetan hat. Selbst im Nachgang liess sich deren Skipper durch die Jury nicht überzeugen.Schade.

    Aber BTW: Blau war klar achteraus zu Schwarz beim Erreichen der Zone. Wenn ich mir das Video so anschaue, frag ich mich ob das nicht ein wenig riskant ist, die Nase danach innen rein zu stecken. Nur wegen 18.2.b und 18.2.c)2 und so. Hatte der ein Glück, dass schwarz so beschäftigt war sich über Grau (und die Umps) zu ärgern 😉

    Cheers

    Heiko

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    • avatar Heiko Falch sagt:

      Achso ja der Call war grün-weiss und ja, Grau “passed HTW in the Zone”.

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    • avatar Carsten Kemmling sagt:

      heiko, da hast du irgendetwas falsch verstanden. das posten der szene beinhaltet keine wertung. ich finde es toll, dass diese spannende, in starnberg viel diskutierte szene im video zu sehen ist. sie birgt interessanten content. und ich finde es noch besser, dass sie sogar von dir erklärt wird. da macht ein solches forum hier sinn. so können alle leser daraus lernen wie die regeln funktionieren.

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      • avatar Heiko Falch sagt:

        Hallo Carsten,
        vielen Dank für Deine Antwort. Dass ich solche Szenen gerne im Internet diskutiere meine ich wirklich ernst. Ich wollte sogar ein Boat-Scenario Bild machen, kann es aber leider nicht hochladen. Das ist wirklich frei von Ironie und ich habe das Posten auch nicht als Wertung der Entscheidung aufgefasst.
        Gerade was die Regelsituation mit 18.3 angeht, gibt es offensichtlich viele Missverständnisse und so eine Diskussion fördert das Verständnis von Allen.

        Meinen leicht ironischen Unterton im letzten Teil meines Posts hingegen, hätte ich mir aber tatsächlich verkneifen können. Sorry.

        Wenn ichs bis zum Fussballspiel schaffe versuch ich noch ein Bild zu schicken.

        Cheers

        Heiko

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  6. avatar thorsten sagt:

    Na, da lagen wir ja mit den ‘Videomassen’ nicht so weit daneben 😉

    Gruss
    Thorsten

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    • avatar Heiko Falch sagt:

      Absolut.
      Speziell der Seitenabstand sieht im Video sogar noch größer aus als wir das gecallt haben. Aber wir hatten auch kein Replay….

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  7. avatar Jörg sagt:

    Wie ändere ich die Kameraposition? 🙂

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