Solidaire du Chocolat: Riechers siegt, mare-Chef Nikolaus Gelpke erklärt Erfolg

Sieg im Wohnzimmer der Franzosen

Jörg Riechers und Marc Lepesqueux zünden nach dem Zieleinlauf in Pregreso die Siegerfackeln. © B.Bouvry/imagesdemer.com

Heiß und rot brennt die Fackel in der Hand des Hamburger Hochseeseglers Jörg Riechers vor dem mexikanischen Nachthimmel. Eigentlich ist es die Geste des Hilferufs in der maritimen Branche, aber unter Offshore-Profis heißt sie Ankunft, Sieg, Triumph.

Für Riechers ist es sogar weitaus mehr. Er ist der erste Deutsche, der je ein Shorthand-Transatlantik Rennen gewonnen hat. Ihm gelingt ein Außenseiter-Erfolg gegen die übermächtigen Franzosen, die den Atlantik als ihr Wohnzimmer betrachten.

Übermütig hüpft der 44-Jährige auf der drei Monate jungen Yacht “mare”, schwenkt das Feuer durch die Luft vor tausenden applaudierenden Mexikanern am Ufer. Er nimmt seinen französischen Partner Marc Lepesqueux in den Arm. Zusammen bewältigten sie die 5000 Meilen beim Solidaire du Chocolat Rennen von Saint Nazaire in der Bretagne nach Progreso in Mexiko in 24 Tagen und rund acht Stunden.

Der Vorsprung auf das Franzosen-Trio, das sie Tage lang hetzte und auf den entscheidenden Fehler wartete, beträgt gute fünf Stunden. Der Durchschnitt Speed liegt bei 8,56 Knoten. Sie unterbieten die Referenzzeit der ersten Auflage um zwei Tage und neun Stunden.

Favoriten belauern sich im Süden

Das deutschfranzösische "mare"-Duo segelte auf dem Atlantik das fast perfekte Rennen. © Banque images La trinité sur mer

Schon am zweiten Tag der Marathon-Regatta hatte “mare” kurz die Führung im Feld der elf besten Class40 Yachten übernommen, war dann aber nach einer nördlichen Kurswahl auf Platz sieben zurückgefallen. Das deutsche Schiff schien die ihm von den Franzosen zugedachte Position im Mittelfeld einzunehmen.

Die Favoriten belauerten sich im Süden, aber der Wind kam dann doch aus Norden. Bei den Azoren lag Riechers schon wieder vorne, bis es plötzlich tatsächlich im Süden schneller lief. “mare”purzelte im Ranking auf Platz fünf und wurde mit über 30 Meilen Rückstand geführt. War es das?

Die Interpretation der Wetterinformationen wurde entscheidend. Riechers hatte vor dem Rennen intensiv mit dem Kieler Wetterfrosch Meeno Schrader die Strategie diskutiert. Er beharrte auf der Nordroute und gewann. Der Vorsprung wuchs auf gut 90 Meilen. Es schien eine Demütigung für die Franzosen zu werden.

Aber bei der Karibikinsel St. Barth waren sie plötzlich wieder dran. “mare” steckte in einer Flaute und die drei nächsten Kontrahenten rückten bis auf 27 Meilen auf. Ging dem frankogermanischen Duo, das in dieser Konstellation noch nie zusammen einen Wettkampf bestritten hatte, nun die Luft aus?

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Carsten Kemmling

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13 Kommentare zu „Solidaire du Chocolat: Riechers siegt, mare-Chef Nikolaus Gelpke erklärt Erfolg“

  1. avatar Axel sagt:

    Jörg und Marc! Bravo!!! Eine beindruckende Leistung, ein Super Team auf einem schnellen Boot. Das perfekte Rennen! Ich freue mich für Euch Beide!

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  2. avatar Ole H. sagt:

    Jörg und Marc – einfach klasse, super Leistung; Gratulation. Unglaublich gut, den Vorsprung so ins Ziel mitzunehmen, ihr habt klug verteidigt.

    Vive la Merkozy! Und Chapeau an den Sponsor, der mehr ist als eine reine Gelddruckmaschine.

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  3. avatar thomas sagt:

    Grandios, Glückwunsch!!!!

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  4. avatar Hurghamann sagt:

    Respekt meine Herren, Respekt.

    Das habt ihr super gemacht – jetzt ist es egal ob Ihr von einem halben Bier angeschossen seid. Das habt Ihr Euch verdient!!!!

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  5. avatar Matze sagt:

    Jupp, große Klasse! Kompliment an euch, an Mare, und die Berichterstattung bei SegelReporter!

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  6. avatar Andreas sagt:

    Super, Jörg, ein tolles Rennen. Alles richtig gemacht, es war spannend bis zuletzt. Viel Glück für deine nächsten Projekte!

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  7. avatar T.K. sagt:

    Super gemacht mein höchster Respekt.

    Vor allem, da hier die Konkurrenz nicht zu 80% rumhumpelt oder zu Reparturzwecken an Land geht sondern bis ins Ziel Druck machte. Das ist viel mehr wert als ein Sieg beim VOR wo eh kein kompletter 2. ins Ziel kommt 😉 sondern nur waidwunde Gegener rumdümpeln.

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  8. avatar wooling sagt:

    Große Verbeugung vor Jörg, großer Respekt für den mutigen Sponsor Mare (die ich natürlich auch abonniert habe)

    Endlich mal ein Erfolg für die ansonsten wenig auffallenden Deutschen.

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  9. avatar Marc sagt:

    gute gemacht 😉

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  10. avatar Uwe (Finn) sagt:

    Herzlichen Glückwunsch zu dem tollen Erfolg und auch zu dem sehr interessanmten Bericht.

    Mich interessiert ja vor allem die Technik der “mare”, d.h. u.a das verstellbare Vorstag, mit dem der Mast vorm Wind bis zu 10 Grad nach achtern fallen gelassen werden kann. Carsten schreibt. “Besonders am Wind soll die Mimik bis zu einem halben Knoten bringen.”
    In dem Video “Jörg Richers und seine neue mare” erklärt Jörg:
    Das Problem mit den grossen Spis … wenn man den Mast zu weit vorn hat .. fängt das Boot an zu unterschneiden… Je weiter hinten der Mast ist …. bekommt man das Gewicht nach hinten … desto mehr bekommt man Lift ins Grossegel und … den Spinnaker … und dann bringt man den Bug aus dem Wasser ..
    Auf Reach-Kursen sei das neue Boot 1 – 1 1/2 Knoten schneller als die alte mare.
    Der Vorteil des grossen Mastfalls scheint sich also nicht am Wind sondern auf Raum und Vorwindkursen zu ergeben.

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  11. avatar hanseatic sagt:

    Herzlichen Glückwunsch an Jörg und Marc! Saubere Leistung, sowohl taktisch wie auch seglerisch! Freue mich schon auf den Atlantic Cup und Quebec-St. Malo!

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  12. avatar hanseatic sagt:

    Noch eine kleine Schmonzette. Bildunterschrift im Hamburger Abendblatt von heute: “Segler Jochen Reimers hat als erster Deutscher die Regatta von der Bretagne bis nach Mexiko gewonnen”. Wer zum Teufel ist Jochen Reimers? 😀

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  13. avatar almsegler sagt:

    Tolle Leistung und top Bericht. Hat mich auch kräftig infiziert. Allerdings auch irritiert – die Rede ist in diesem Kontext immer wieder von Einhand-Segeln. Das war hier aber doch ein Duo. Wie ist denn das nun? Kann mir das jemand erklären?

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