Foiler F1: Hydrofoil-Katamaran von Topcat-“Erfinder” Klaus J. Enzmann

Flügelkat für jedermann

Der Foiler F1 von Klaus J. Enzmann (71) aus Planegg. © Enzmann

Wer wirklich schnell segeln will, darf das Wasser so wenig wie möglich berühren. Minimalen Widerstand garantieren Tragflächenboote. Kommen so genannte Hydrofoils auf Mehrrümpfern zum Einsatz, sind rekordverdächtige Geschwindigkeiten drin. All dies vereint Diplom-Ingenieur Klaus J. Enzmann (71) aus Planegg in seinem futuristischen Prototyp foiler F1, den der bekannte bayerische Katamarankonstrukteur am Montag (23. Januar) auf der 43. Internationalen Wassersportmesse boot in Düsseldorf (Halle 15, Stand 15/B25) vorstellte.

Der 5,50 Meter lange Tragflächen-Kat mit Mittelcockpit für ein oder zwei Personen soll schon bei Leichtwind abheben und bei starkem Wind mehr als 70 km/h (mehr als 40 Knoten) schnell werden, dabei jedoch einfach und sicher zu segeln sein. Denn seine Hydrofoils werden per Computer gesteuert und je nach Wind- und Wellenbedingungen optimal eingestellt.

Die Foils des Highspeed-Katamarans werden von einer Computereinheit gesteuert. © Enzmann

„Die Zukunft liegt über dem Wasser“, sagt Enzmann, der seit Ende der 60er-Jahre erfolgreich A-Cats und später die schwertlosen Modelle der Marke TOPCAT gezeichnet hat, „die nächste Generation segelt auf Tragflächen.“ Ähnlich spektakulär wie schon die Moth-Jollen auf einer Mittelflosse soll auch der F1 eher fliegen, denn fahren.

Spätestens seit dem Geschwindigkeitsweltrekord 2009 des dreimal so großen Trimarans „Hydroptère“, der auf einer 500-Meter-Strecke durchschnittlich 51,36 Knoten (fast 95 km/h) und in der Spitze mehr als 100 km/h schnell war, sorgen Tragflächenkonstruktionen im Wassersport weltweit für Aufsehen.

Die Catlift GmbH & Co. Entwicklungs KG von Enzmann beschäftigt sich schon seit mehr als 20 Jahren mit diesem Prinzip und bringt nun mit dem foiler F1 eine schon an den ersten Messetagen viel beachtete Weltneuheit auf den Markt, deren bahnbrechende Technologien zum Patent angemeldet wurden.

Sein Potential verdankt das Boot konsequenter Leichtbauweise aller Komponenten in Epoxid-Karbon-Technologie bei gleichzeitig höchster Festigkeit. Komplett ausgerüstet mit Instrumenten und Lithium-Ionen-Akku, der vier bis sechs Stunden hält, wiegt der Tragflächen-Kat weniger als 140 Kilogramm.

Wegen der hohen Fahrtgeschwindigkeiten wurde auch der Aerodynamik große Bedeutung beigemessen.  Das Cockpit wurde ergonomisch gestaltet und verspricht trockenes, komfortables Segeln. Angetrieben wird der Kat allein von einem 14-Quadratmeter-Folien-Großsegel. Auf den weiteren Turbo eines Flügelriggs verzichtete der Projektinitiator wegen zu aufwändiger Handhabung. Sein Boot soll in wenigen Minuten zusammengebaut und segelklar sein.

Die T-Profil Tragflächen können bei Bedarf zum Anlegen oder bei Flaute weggeklappt werden. © Enzmann

Der Clou des foiler F1 sind seine T-förmigen Tragflächenschwerter, die seitlich hochgeklappt werden können, damit der Vorteil eines Kats, das Ablegen und Anlegen im flachen Wasser, erhalten bleibt. Die beiden Seitenschwerter sind nicht starr senkrecht angeordnet, sondern zur Seite nach außen gespreizt.

Dadurch entsteht an der Lee-Tragfläche nicht nur der erforderliche Auftrieb, um die „Flughöhe“ zu gewährleisten, sondern gleichzeitig Druck nach Luv, was die Abdrift mehr als halbiert. Den „Luff-Push-Effekt“ unterstützt die Luv-Tragfläche, die automatisch negativ angestellt wird, wenn die Flughöhe nach oben zunimmt, und dann nicht nur Sog nach unten sondern auch nach Luv erzeugt. Durch das enorme aufrichtende Moment wird der Kat hoch am Wind noch schneller und kreuzt mit wenig Abdrift besonders gut.

Das technische Herzstück an Bord ist die digitale Steuerung der „Flughöhe“ über den Wellen bei allen Bedingungen. Sie sollte sowohl bei Beschleunigung und Abbremsen des Kats immer gleich sein, aber auch in einer Bö und einem Flautenloch, bei hoher Querkraft auf Kreuzkurs genauso wie bei schädlichen Nickbewegungen vor dem Wind, – und das alles in unterschiedlichem Wellengang.

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24 Kommentare zu „Foiler F1: Hydrofoil-Katamaran von Topcat-“Erfinder” Klaus J. Enzmann“

  1. avatar uli_sued sagt:

    Scharf! Aber is der Mast nicht etwas arg weit vorn, Steckergefahr downwind? …auch wenn es gleich, heißt das Teil fliegt und kann nicht einstechen.

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  2. avatar Thomas sagt:

    …und wenn es nix wird mit dem fliegen, kann man den F1 bestimmt in 3 Minuten wahlweise in einen Eissegler oder in eine Schubkarre umbauen. (Dank innovativem Steck- und Schnürsystem)

    Super Beitrag, mehr davon! Like or Dislike: Daumen hoch 7 Daumen runter 2

  3. avatar Andreas Ju sagt:

    Dieser Beitrag liest sich für mich wie eine abgeschriebene Pressemitteilung. Oder täuscht mich mein Eindruck?

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    • avatar Jens sagt:

      Es ist 1 zu 1 die Pressemitteilung, die von Andreas Kling gestern auf der Boot verteilt wurde.

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      • avatar Carsten Kemmling sagt:

        yepp, ist die PM als Schnellschuss. Normalerweise ist dafür unsere Litfaßsäule vorgesehen. Die Qualität der PMs von AK halte ich aber für gut genug, dass sie auch schon mal auf home erscheinen können.

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  4. avatar Hannes sagt:

    gesteuert von elektronik????????? dann kann ich auch vsk spielen 😀
    das ist doch langweilig, wenn es sich steuert, und man nichts lernen muss…..dann kann ich auch gleich ein jetski kaufen….

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    • avatar Andreas Ju sagt:

      Dann doch notfalls sogar lieber einen Topcat, oder? 😉

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    • avatar Christian sagt:

      „Es wird ab Windstärke drei das schnellste Segelboot überhaupt sein, das käuflich erworben werden kann.“

      Nun, wer sich so aus dem Fenster lehnt, wird daran gemessen werden. Die Fallhöhe ist beträchtlich. Aber lassen wir uns überraschen, ausgeschlossen ist ja nicht, dass das Ding ganz ordentlich fährt.

      Mich erinnert das Projekt allerdings stark an das letzte Stöberl-Design (“Vision”). Da wurde auch viel Wind um das angeblich ultimative Konzept gemacht und dann hat man nie wieder groß was gehört, weil es nicht richtig funktionierte.

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  5. avatar T.K. sagt:

    Ich habe das Ding auf der Bootsmesse Düsseldorf gesehen. Hat mich nicht überzeugt.
    Irgendwie sprang der Funke nicht über.
    Die Rümpfe sahen überdimensioniert aus. Ich kann mir die Speedangaben einfach nicht vorstellen, lasse mich aber gerne eines besseren belehren.

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  6. avatar Ketzer sagt:

    Also ob man für so ein Boot unbedingt mit dem Namen des Tpcat-Designers hausieren gehen muss?

    Und dann diese elektrische Regelung… Das stelle ich mir ganz schön frustrierend vor, wenn man weit weg vom Ufer dahin fliegt und auf dem Display das “Akku leer” Symbol aufleuchtet… Hobie hat’s mit diesem Paddelflosser (Name fällt mir nicht ein) ja schon vor gemacht, wie man sowas robus umsetzt.

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    • avatar uli_sued sagt:

      “Also ob man für so ein Boot unbedingt mit dem Namen des Topcat-Designers hausieren gehen muss?”

      Zumal Topcat eher für stures Festhalten an alten Konzepten steht als für Innovation. Vielleicht ist das Teil der Versuch aus der 80er-Jahre-Zeitschleife auszubrechen.

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  7. avatar T.B. sagt:

    Paddelflosser???
    http://www.hobiecat.com/sailboats/trifoiler/

    Bis auf die computergesteuerten und abklappbaren Foils sehe ich jetzt auch keinen grvierenden Unterschied. Die Catrümpfe + Mittelcockpit erscheinen mir auch ziehmlich schwer.

    Der Trifoiler hat recht gut funktioniert, es gab sogar Regatten. Allerdings wurde das Produkt/Projekt 2005 eingestellt.
    Auch wenn sichs komisch anhört, einfach nur so schnell wie ein Wind/Kitesurfer und dabei stumpf sitzen stelle ich mir auf Dauer auch langweilig vor.

    Hobie wird schon gewusst haben warum Sie das Projekt eingestellt haben.

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  8. avatar jorgo sagt:

    Ein Topcat ist auch nicht mehr das, was er mal war!
    Ich bin sehr gespannt ob`s funktioniert. Ohne Elektronik wärs natürlich besser – das funzt auf den Motten doch auch… .
    Gibt es eigentlich auch Preisangaben? Hört sich teuer an… .

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    • avatar Jens sagt:

      Ich stand gestern auf der Boot an dem Teil, als Enzmann es vorstellte. Die Frage nach dem Kaufpreis kam dort auch auf: Er sagte, mit einem Preis von rund 50.000 Euro müsse man schon rechnen.

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  9. avatar sven sagt:

    haha, hat schon mal jemand versucht mit feuchten händen ein touch- handy zu bedienen? ich will übrigens auch nicht wissen was passiert wenn bei voller fahrt die software einen fehler macht und die foils falsch angesteuert werden oder wenn der strom plötzlich alle ist… da wirds wohl noch ein paar witzige videos zu geben 😀

    lg
    sven

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    • avatar Andreas Ju. sagt:

      Und bei 140 Knoten oder so – die Karre ist ja offenbar irre schnell – auf einem Touchscreen rumzufummeln, das würde noch nicht mal meine Frau schaffen. Und die kann echt alles parallel auf ihrem iPhone!

      Super Beitrag, mehr davon! Like or Dislike: Daumen hoch 8 Daumen runter 1

  10. avatar Uwe sagt:

    Die beidseitig angebrachten Tragflächen verleihen dem Teil die Stabilität, die bei den Foilermotten zu fehlen scheint 🙂

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    • avatar GüntherAhls sagt:

      Uwe, Du schon wieder!
      Warum nörgelst Du eigentlich ständig nur rum?
      Gekonnt gesegelt ist ne Moth der Hammer.

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      • avatar Uwe sagt:

        “Uwe, Du schon wieder!
        Warum nörgelst Du eigentlich ständig nur rum?”

        Das sollte doch bereits klargeworden sein: Es gibt bessere Lösungen für eine Foilermotte.

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  11. avatar Torsten sagt:

    Mich irritiert das Verhältnis Gewicht:Segelfläche. 14m² bei 140kg hört sich nicht gerade übertakelt an. Da ist ja mein Korsar leichter und hat größere Segel. Aber vielleicht ist hier ja dank High-Tech alles anders.

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    • avatar Wilfried sagt:

      bei der Konstruktion mit den drei Rümpfen wundert mich das Gewicht nicht wirklich. Außerdem sparst Du auf dem Korsar auch noch den Laptop. Was der allein wiegt ;-). Wenn das Ding wirklich so schnell ist, darf das Segel wahrscheinlich gar nicht größer ausfallen.

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  12. avatar Tramp sagt:

    ups – jetzt habe ich unter Realisation doch prompt “Cargolifter” gelesen …

    😉

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  13. avatar outlaw sagt:

    bis jetzt ist der Trifoiler immer noch das einzige Boot, das mit geringem Aufwand deutlich über 30 kn. schnell ist.
    Und meiner funktioniert seit 1994 und fährt immer noch 33,4 kn mit 20 qm und 150KG. Warum Enzmann die Schwerter mit den foils schräg gestellt haterscheint widersinnig , da sich das Gerät ja auch selbst stabilisieren soll und somit immer gerade im Wasser sein müßte. Bin auf den ersten Vergleich gespannt.

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  14. avatar Lurch sagt:

    Wer die Nase rümpft sieht die Entwiclung also negativ an? Warum denn keine weitere Entwicklung? Auch wenn das dann doch mehr Technik wie Segeln an sich betrifft, da freut man sich doch sehr über die Surfer Laird Hamilton, der die Foils ja überhaupt erst mit Dave Kalama entwickelt /nutzbar gemacht hat. Dass hier diese beiden außergwöhnlichen Surfer keine Rede oder mal genannt werden ist typisch für diesen Sportjournalismus. Und Enzmann …, naja, wer Ihn kennt … und weiß was er alles gegen ZB TomCat unternommen hat, der weiß wie sehr er gegen andere ist und selbst gerne abgreift. Sorry Klaus E., aber das ist eben die Erfahrung die man in 20 Jahren gemacht hat. Nun aber zu den Foils, ist wie gesagt nicht neu, schaut einfach mal Laird Hamilton, dann findet Ihr den Ursprung zu den Foils. Und warum denn nicht? Jedem das Seine, ich freue mich schon drauf auf einen der Cats zu segeln, heute Abend kommt das Finale im Admirals Cup, da kann jeder sich das mal anschauen, also Hydrofoils – auf servus-TV um 22 Uhr.

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