Transat Jacques Vabre: Riechers auf Platz zwei – weitere Ausfälle im Feld

"Wir puschen hart"

Jörg Riechers und Pierre Brasseur lauern beim Transat Jacques Vabre auf ihre Chance, die führenden Franzosen Rogues und Delahaye vom zweiten Platz aus anzugreifen. Ihr Rückstand blieb zuletzt stabil im Bereich von 35 Meilen.

mare, Riechers

Riechers und Brasseur puschen ihre “mare” an Madeira vorbei. © mare

Rogues, der nicht gerade zu den besten Freunden von Riechers gehört, hatte einen erstaunlichen 50 Minuten dauernden Boxenstopp  in Muxia beim Kap Finisterre hingelegt. Die günstige Wetterlage hielt die Konkurrenten mit schwachem Wind gefangen und kostete die Franzosen nur fünf Meilen ihres Vorsprungs, nachdem dem sie zwei neue Antennen am Masttopp montiert hatten.

Seitdem haben sich die beiden Schwesterschiffe sich in der 26 Boote starken Class 40 Flotte einen kleinen Vorsprung vor dem Rest des  Feldes erarbeitet, der auch beim Raumschots-Surf an Madeira vorbei relativ gleichmäßig blieb.

34 Knoten, fünf Meter Welle

TGV, Karte

Das Class 40 Feld surft an Madeira vorbei. Riechers (rot) auf Platz zwei

Das letzte Etmal von “mare” lag mit 330 Meilen knapp zehn Meilen besser als das von  “GDF Suez”. Jörg Riechers bestätigt von Bord: “Wir puschen das Schiff hart. Wir haben den gereffte mittleren Gennaker im Morgengrauen gesetzt. Es ist besser diese Manöver mit etwas Tageslicht zu machen, denn es ist nicht einfach bei 34 Knoten Wind und fünf Meter hohen Wellen.

Das Manöver verlief sauber auch wenn ich zwischendurch von meinen Füßen gewaschen worden bin und meine dritte Stirnlampe verloren habe. Jetzt haben wir nur noch eine für den Rest des Rennen. Hoffentlich scheint der Mond ausreichend.”

“Überlebenskampf”

Für die Class 40 sind die vergangenen Tage harte Arbeit. So schreibt Riechers auch: “Das Wetter könnte sich langsam mal entspannen für ein besseres Segeln statt dem ständigen Überlebenskampf.”

So ist inzwischen das dritte Team aus dem Wettkampf ausgeschieden. Mit Bruno Jourdren und Thomas Ruyant erwischte es dabei die Mitfavoriten. Der Paralympics Vierte der Sonar Klasse und Weltmeister 2013 Jourdren verletzte sich bei einem Sturz im Cockpit so schwer am Knie, dass die Crew nach Cascais ablief und aufgab.

Zuvor waren schon die schnellen Briten Ned Collier Wakefield und Sam Goodchild mit ihrer neuen “Concise 8” dem Ausleseprozess zum Opfer gefallen. Ein Schaden am Ruder und “anderen wichtigen Beschlägen”, wie es in ihrer Stellungnahme heißt, führte zum Ausstieg.

Boxenstopp für führende “PRB”

incent Riou, Jean Le Cam

Vincent Riou und Jean Le Cam müssen ihre Führung durch einen Boxenstopp auf den Kapverden abgeben. © Riou

Auch bei den Open 60s gibt es erneut an der Spitze Probleme. Die großen Yachten, die annähernd schnell wie die 50 Fuß Trimarane unterwegs sind, haben die Kapverden erreicht und die führende “PRB” ist für einen Stopp aus dem Führungsduo ausgeschieden. Vincent Riou und Jean Le Cam müssen ein Ruder reparieren.

Das Problem habe ihre Geschwindigkeit bisher kaum beeinträchtigt, da das Ruder bei dem aktuellen Kurs mit Wind von Backbord nicht benutzt werde. Aber auf dem anderen Bug sei es eine starke Behinderung.

Das Shore Team von PRB ist schon auf den Kapverden angekommen und es wird erwartet, dass die Reparatur sehr schnell ausgeführt werden kann und nur wenige Meilen kosten soll. Sie müssen keinen Umweg in Kauf nehmen. Francois Gabart und Michel Desjoyeaux segeln auf direktem Weg auch mitten durch die Kapverden.

Sie werden wieder die Führung übernehmen, die sie nach ihrem Stopp bei Lissabon abgegeben hatten. Seitdem arbeiten sie sich aber permanent mit überlegenem Speed wieder heran. Kurze Zeit konnte zwar der Schweizer Bernhard Stamm wie schon bei der Vendee Globe glänzen. In einer Schwachwindphase verlor er aber gut 90 Meilen und fiel auf Platz fünf zurück.

Transat Jacques Vabre Race Tracker

Transat Jacques Vabre Event Seite

Jörg Riechers auf Facebook

avatar

Carsten Kemmling

Der Mann von der vordersten Front. Mehr zu ihm findest Du hier.

Spenden
http://blueocean.berlin/magicmarine-team-werden/

3 Kommentare zu „Transat Jacques Vabre: Riechers auf Platz zwei – weitere Ausfälle im Feld“

  1. avatar Tim sagt:

    Geil aufbereitet. Einfach die collsten Säue unter den Seglern, diese Franzosen. Und so unkompliziert/flexibel. Wir lagen 2007 in Las Palmas/Gran Canaria. Ganzer Hafen voll von ARC-Booten und wir mußten lange mit dem Hafenmeister verhandeln, bis wir noch irgendwo ein Plätzchen ergattern konnten (10×2,5m, also echt nicht groß). Der dreiköpfigen Shorecrew von Gitana 11 ging es ähnlich, der Hafenmeister schien gar nicht zu wissen, wer da vor ihm stand. Die segelten vermutlich auch den TJV und hatten ein Schwertproblem. Wir kamen ins Gespräch und am Ende liehen wir ihnen unsere Handfunke und Werkzeug. Ihre einzige Ausrüstung bestand aus einer Sackkarre mit dem Ersatzschwert. Nachmittags lief Gitana ein, dann improvisierten die da eine Stunde dran herum, bis das neue Schwert paßte und ab ging’s.
    War schön, zu sehen, dass das bei denen auch alles so improvisiert läuft wie auf irgend einer unbedeutenden Amateurregatta auf einem Baggersee.

    Super Beitrag, mehr davon! Like or Dislike: Daumen hoch 6 Daumen runter 0

  2. avatar stefan sagt:

    “Wir puschen hart”

    ….GDF puscht härter. Die sind heute über den Tag schon wieder 10% schneller gewesen. Das delta liegt jetzt bei 43 nm.

    …das wird ja noch richtig spannend in den nächsten Tagen, da es ja nun in die Regionen mit schwächeren und sehr wechselnden Winden geht. Da kann man Jörg nur die Daumen drücken.

    Like or Dislike: Daumen hoch 0 Daumen runter 0

    • avatar Robert sagt:

      Stimmt, das vermeintliche Starkwindsetup scheint auch im leichteren Wind schneller…

      Like or Dislike: Daumen hoch 0 Daumen runter 0

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Sicherheitsfrage (SPAM-Schutz): *