Vendée Globe: Morgan Lagravière mit seiner “Safran” ist das nächste Opfer

Der Nächste Ausfall

Der Viertplazierte Morgan Lagravière (29) muss die Vendée Globe aufgeben. Der ehemalige 49er-Segler hat sich nach einer Kollision das Ruder an seiner “Safran” abgerissen. 

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IMOCA Safran wird überspült. Der Beweis, dass die Flügel die 60-Fußer nicht permanent über Wasser halten. © Jean-Marie Liot

Es ist wohl eine besondere Wendung des Schicksals, dass das Boot mit dem Namen Safran, was auf Französisch Ruderblatt heißt, durch einen Schaden an genau diesem zum Abbruch gezwungen wird. “Safran” segelte 18-19 Knoten schnell, als sie aus dem Ruder lief. Das Blatt in Lee war hochgeklappt und dann stellte der Skipper Morgan Lagravière fest, dass ein großes Stück des Profils abgebrochen ist.

“Ich hatte eine harte Nacht mit Autopilot-Problemen”, sagt der Franzose. “Bei bis zu 25 Knoten Wind was es unmöglich, das Schiff zu kontrollieren. Ich bin vier- oder fünfmal aus dem Ruder gelaufen. Dann habe ich am Nachmittag kurz geschlafen, bis ich fühlte, dass wir wieder abschmieren. Draußen konnte ich dann sehen, dass das Ruder aus seiner Halterung gerissen war. Zwei Drittel des Blatts sind abgebrochen.  Wir sind mit irgendetwas kollidiert.  Leider kann ich einen Solchen Schaden mit Bordmitteln nicht reparieren. Das ist das Aus für mich.”

Lagravière erwog zu Beginn des Vorfalls doch noch eine mögliche Reparatur. Aber nach der genaueren Untersuchung und Rücksprache mit seinem Team hat er sich entschlossen, das Rennen aufzugeben.

Morgan Lagravière Safran

Morgan Lagravière muss die Vendée Globe nach einem Ruderbruch aufgeben. © Safran

Die Enttäuschung ist groß, denn Lagravière, der auf Rang vier lag, konnte sich vor zwei Tagen mit einem Rückstand von knapp 200 Meilen noch Sieg-Chancen ausrechnen. Er war eine Zeitlang bei Power-Bedingungen das schnellste Schiff der Spitzengruppe und puschte hart, um die Front nicht zu verpassen.

Aber dann rutschte er doch raus und verlor in den vergangenen beiden Tagen mehr als 200 Meilen auf den führenden Thomson. “Ich muss jetzt die positiven Dinge dieses Abenteuers im Kopf behalten”, sagt Lagravière. “Das waren 18 sehr besondere Renntage mit einem sehr kraftvollen Boot, das immer vorne dran blieb. Dieses Einhandrennen war eine gute Möglickeit, viel über mich selbst zu lernen und darüber, was wichtig ist im Leben.”

IMOCA Safran

Neue Ausreittechnik auf dem Luvschwert? Die Ruderanlage ist gut zu sehen. © Olivier Blanchet/DPPI

Lagravière ist mit 29 Jahren der jüngste Skipper aus der Spitzengruppe, und er war lange Zeit Alex Thomson auf den Fersen. Kurz vor der Kapverden Passage lag er nur zwei Meilen hinter dem Briten zurück, folgte ihm aber nicht auf dem Kurs durch die Inseln, sondern halste weg. Gut einen Tag später hatte er fast 100 Meilen auf “Hugo Boss” verloren und wird sich mächtig geärgert haben.

Aber er hielt den Anschluss, rang bei den harten Power-Reach-Bedingungen die Nicht-Foiler nieder und machte auch auf die Spitze wieder Boden gut.  Er hatte sein Pulver noch nicht verschossen.

Technisch gibt es zu dem Ruderbruch noch keine Einzelheiten. Schließlich sind die Systeme eigentlich so konstruiert, dass sie im Falle einer Kollision hochklappen. Aber der Schlag muss so heftig gewesen sein, dass die Mechanik nicht rechtzeitig auslöste.

Morgan Lagravière hat eine andere Vita als der klassische französische Einhand-Spezialist. Er segelte nach zwei WM-Bronze-Medaillen in der starken 420er Klasse sechs Jahre auf höchstem Niveau 49er. 2010 belegte er als Steuermann Rang vier in der Weltrangliste und hat einen siebten WM-Rang vorzuweisen.

Aber 2010 verliefen seine ersten Einhand-Auftritte in der Figaro-Klasse so vielversprechend, dass er in das Offshore-Lager wechselte. Er setzte sich bei einer Qualifikation um einen Sponsor-Vertrag der Vendée Region gegen sieben weitere Kandidaten durch und landete zweimal auf dem Podium der hochklassigsten Offshore-Einhand-Regatta der Welt, Solitaire de Figaro. 2013 ersetzte er schließlich überraschend nach einem intensiven Auswahlprozess den erfahrenen Skipper Marc Guillemot beim Sponsor Safran.

Tracker Vendee Globe

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Carsten Kemmling

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2 Kommentare zu „Vendée Globe: Morgan Lagravière mit seiner “Safran” ist das nächste Opfer“

  1. avatar dubblebubble sagt:

    Ausser den Seglern die sich in der Flaute langweilen macht wohl niemand Fotos? Die Bilder in den Artikeln sind ja fast alle aus dem Archiv und haben keinen Bezug zur aktuellen Situation.

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  2. avatar Friedrich sagt:

    Wenn man alleine 60 ft beherrschen muss, hat man verdammt wenig Zeit und Energie dafür übrig, ständig Fotos zu machen. Zumal, wenn man in der Ausfall-Depri steckt.

    Glaubt Ihr das, dass ständig der Zusammenstoß mit UFOs dafür herhalten muss, dass etwas kaputt geht? Ich habe da meine Zweifel. Alex’ Foil könnte auch einfach so abgebrochen sein, auch dann krachts und das Boot dürfte zugleich wie beschrieben aus dem Kurs gerauscht sein; Lagraviere berichtet vom kaum kontrollierbaren Boot bei 25 kn Wind vor dem Crash, wegen seines Autopiloten, da kann bei einem Broach auch mal das Ruder abbrechen, wenn man es zu leicht gebaut hat; Rious Kiel-Achse kann sich auch beim Aufprall ins Wellental verbogen haben. Etc. Irgendwie scheint mir da ein bischen zu viel Zeugs im Meer oder Mondfische herhalten zu müssen dafür, dass bestimmte Dinge einfach kaputt gehen…

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