Vendée Globe: Schotten dicht bei 10 Windstärken – Le Cleac’h zieht an der Spitze weg

Im Auge des Sturms

Die drei Vendée-Globe-Skipper vor Australien wettern den heftigsten Sturm der bisherigen Regatta ab. Yann Eliès lässt sich treiben. Techniken beim Umgang mit den Urgewalten.

Yann Eliès hat den Speed verlangsamt, um nahe dem Auge des Sturms weniger Wind zu bekommen. Dick gibt Gas Richrung Tasmanien.

Yann Eliès hat den Speed verlangsamt, um nahe dem Auge des Sturms weniger Wind zu bekommen. Dick gibt Gas Richtung Tasmanien.

Es gibt nicht wenige Salzbuckel, die ob der Augen-zu-und-durch-Mentalität aktueller Hochsee-Regattasegler die Nase rümpfen. Sie sprechen den Profis gerne das Verständnis über Seemannschaft ab. Und sicher dürfte beim Kampf um große Siege der Umgang mit Sturm und Gefahren etwas anders sein, als auf einem Erholungstörn.

Der Natur Tribut zollen

Aber zurzeit kommen drei Vendée-Skipper nicht umhin, der Natur Tribut zu zollen. Normalerweise hilft Wind beim Beschleunigen eines Segelbootes, aber für Jean-Pierre Dick, Yann Eliès und Jean Le Cam bedeuten die extremen Bedingungen weise Entscheidungen, um über Wasser zu bleiben.

Man muss zittern um die Skipper, wenn man die tiefrote Färbung der Wind-Wetterkarte sieht. Und auch auf der Wellen-Karte sind sieben Meter Brecher verzeichnet, die laut Vorhersage im Peak zehn Meter erreichen sollen.

Die aktuellen Wellenhöhen im Renngebiet. Rot/orange sind 7 Meter

Die aktuellen Wellenhöhen im Renngebiet. Rot/orange sind 7 Meter

Jean-Pierre Dick gibt nach wie vor Gas, um weit im Norden der Route das Schlimmste zu verhindern. Er hat angekündigt, zwischen Tasmanien und Australien zu passieren, aber das Tief bewegt sich etwas schneller als vorhergesagt, und so könnte es sein, dass er nicht den gesamten Umweg in Kauf nehmen muss.

Sich treiben lassen

Für Yann Eliès war die Flucht nach Norden offenbar keine Option. Er wettert den Sturm auf klassische Weise ab. In den vergangenen 24 Stunden war er mit Abstand das langsamste Schiff im Feld und hat im Schnitt nur fünf Knoten erreicht. Offenbar hat er die Schotten dicht gemacht und lässt sich treiben. Er ist im Begriff, seinen fünften Platz an Dick zu verlieren. Aber das hat für ihn im Moment keine Bedeutung.

Auch Jean Le Cam hat abgestoppt, um den schlimmsten Teil des Sturms nördlich passieren zu lassen. Aber er kann im Gegensatz zu den beiden direkten Konkurrenten immerhin einigermaßen auf Kurs bleiben und könnte der Gewinner der aktuellen Situation sein, wenn den alles heil bleibt.

Derweil hat sich Armel Le Cleac’h wie schon von Alex Thomson befürchtet an der Spitze weiter absetzen können. Ihm ist die Umfahrung des Tiefs mit seinem südlicheren Kurs deutlich besser gelungen und der aktuelle Vorsprung beträgt schon 184 Meilen. Der Franzose segelte in den vergangenen 24 Stunden gut 400 Meilen im Vergleich zu Thomsons 325. Mit Wind von Backbord ist der Brite auch wieder gehandicapt und ohne Foil unterwegs.

Le Cleac'h setzt sich von Thomson ab. Dahinter rückt Beyou Meilhat auf den Pelz.

Le Cleac’h setzt sich von Thomson ab. Dahinter rückt Beyou Meilhat auf den Pelz.

Gut 1400 Meilen dahinter spitzt sich der Zweikampf um Rang drei zu zwischen Paul Meilhat, mit dem Siegerboot der vergangenen Vendée Globe ohne Foils und Jérémy Beyou auf der mit Tragflächen nachgerüsteten “Maitre Coq”. In den vergangenen 24 Stunden holte Beyou mehr als 50 Meilen auf. Der Rückstand beträgt nur noch knapp über 60 Meilen.

Vendée Globe Tracker

 

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Carsten Kemmling

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