Vendée Globe: Thomson verliert in der Flaute – Neuer Skipper kündigt Pit-Stopp an

Glück aufgebraucht?

Alex Thomson hat seinen Angriff auf die Spitze schulbuchmäßig angesetzt. Aber das Blatt scheint sich wieder zu wenden. Bekommt er noch eine Chance?

Es gibt viele Rennsegler, die glauben, dass  eine höhere Macht ihren Wettkampf beeinflusst. Diese Sichtweise basiert auf der Überzeugung, dass sich Glück und Pech irgendwie immer ausgleichen. Man muss also nur hart genug arbeiten, und wird am Ende dafür belohnt.

Thomson steckt in der Flaute, Le Cleac'h zieht davon.

Thomson steckt in der Flaute, Le Cleac’h zieht davon.

Die Story von Alex Thomsons Vendée Globe mag diese Regel bestätigen. Zuerst ging es noch um Taktik und seglerische Fähigkeiten. Der Brite machte einen schweren Fehler mit einem Schlag nach Portugal, zeigte aber mit der folgenden starken Kapverden-Passage, dass er es besser kann.

Quasi zur Belohnung bescherte ihm das Wetter im Atlantik länger perfekte Foiling-Bedingunge, als er erhoffen konnte. Und es zeigte sich, dass sein Team technisch die Hausaufgaben gemacht hat. Es beherrschte das große Spiel der Konstrukteure bestehend aus Bluffs, Finten und Täuschungen zum Verschleiern der wichtigen Design-Entscheidungen, hielt die potenzielle Leistungsfähigkeit von “Hugo Boss” ziemlich geheim und ist stellte dem Skipper eine potenzielle Sieger-Maschine hin.

Das Spiel der Sieger

Thomson war mit dieser Vorgabe nicht groß vom Glück abhängig. Er konnte das Spiel der Sieger spielen: Mit kontrolliertem Risiko die Konkurrenz in Schach halten und durch besseren Speed distanzieren. Dabei half ihm auch die radikale Spielfeld-Begrenzung im Süden, die den Gegnern wenige Möglichkeiten zum Ausscheren lässt.

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Thomson bei der Arbeit. © jean-marie-liot-dppi-vendee-globe

Aber die Situation hat sich geändert, seit bei “Hugo Boss” das Steuerbord-Foil brach. Seitdem besitzt er kein Allround-Boot mehr, muss auf Wind von der Steuerbord hoffen und bekam ihn selten geschenkt. Es war Pech. Das führte zum Verpassen des Wettersystems. Die Bedingungen im Süd-Pazifik waren für Thomson deutlich schwieriger als für Le Cleac’h.

Mehr als 800 Meilen fiel er zurück. Das war eigentlich das Ende seiner Sieg-Träume. Die Video-Blogs von Bord häuften sich, der Fokus schien sich zu verändern. Der Brite konnte nur noch auf ein Wunder hoffen, auf Glück, auf die zweite Chance.

Potenzielles Überholmanöver

Und tatsächlich passierte das Unglaubliche. Le Cleac’h wurde ausgebremst, und Thomson holte in sechs Tagen fast 800 Meilen auf. Er brachte sich mit einem 120 Meilen-Split nach Osten auch in die taktische Position für ein potentielles Überholmanöver. Er musste das Risiko eines größeren Querabstandes eingehen, um vielleicht schneller durch die Flaute zu kommen als sein Widersacher. Aber nun scheint das Glück dann doch aufgebraucht zu sein.

“Hugo Boss” steckt tief in der Flaute fest und Le Cleac’h zieht mit frischem Wind wieder davon. Gut 100 Meilen ist er wieder weg. War es das schon? Dieses Rennen macht vorsichtig. Bisher geltende Gesetze scheinen kaum noch eine Bedeutung zu haben. Und es ist nicht klar, ob sich für Alex Thomson Glück und Pech wirklich schon ausgeglichen haben.

Vendée Globe Tracker

Sébastien Destremeau kündigt einen Pit-Stop in Neuseeland an und wartet darauf, dass der Trimaran “IDEC” bei seinem Rekordversuch zurzeit mit einem Meilen-Schnitt von über 36 Knoten von hinten heran rauscht:

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Carsten Kemmling

Der Mann von der vordersten Front. Mehr zu ihm findest Du hier.
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