Volvo Ocean Race: Brunel gewinnt vor Mapfre – Dongfeng verliert dramatisches Duell

Hai zerstört Hoffnungen

Brunel hat die siebte Etappe des Volvo Ocean Races gewonnen und in der Gesamtwertung den Kampf um Platz zwei noch einmal spannend gemacht. Dongfeng kann die Steilvorlage nicht nutzen und verliert noch einen Platz.

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Brunel auf dem Weg zur Ziellinie. © Ricardo Pinto / Volvo Ocean Race

“Das ist schrecklich. Jetzt verlieren wir das ganze Rennen”. Yann Riou an Bord von Dongfeng ist verzweifelt. Er berichtet live von Bord. Es sind die letzten Meter vor der Ziellinie. Die Franzosen befinden sich in einem echten Match Race mit Alvimedica, die in der Nacht vorbeigezogen sind. Jetzt könnte Charles Caudrelier diese Etappe der verpassten Chancen doch noch in eine positive Richtung lenken.

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Bouwe Bekking erwischt eine Böe kurz vor dem Ziel in Lissabon. © Ricardo Pinto / Volvo Ocean Race

Er hat sich in eine starke Position zum Überholen manövriert. Zwei schnelle Wenden, die auf den VO65 mit den Code Zeros immer schrecklich unbeholfen aussehen, und die enge Deckung von Alvimedica ist durchbrochen. Dann passt die starke Linksdrehung perfekt, um den entscheidenden Cross auf der Anliegelinie zu schaffen. Eine letzte Wende und Platz drei wäre gesichert.

“Merde, Merde, Merde!!” schreit es über das Schiff. Die Schot des großen Vorsegel hat sich verhakt. Die Männer kurbeln und kurbeln, aber Caudrelier muss die Wende abbrechen und wieder zurück schwingen. Kurze Zeit später treibt Dongfeng beim nächsten Wendeversuch sogar rückwärts. Schlimmer geht es nicht. Ein weiterer Punkt ist verloren.

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Die Genuaschot scheint blockiert. der Code Zero drückt den Bug wieder auf die alte Seite. Der Zweikampf ist verloren.

Das französischchinesische Team ist der gefühlte Verlierer dieser Etappe. Vor zwei Tagen noch lief alles so perfekt. Dongfeng hatte nach dem komplizierten Umfahren des Azoren-Hochs eine sieben Meilen Führung von übernommen, der Wind setzte von vorne ein und sollte den Reichen noch reicher machen. Die Etappe schien entschieden.

Hai verhakt sich am Ruder

Außerdem lag Abu Dhabi auf dem vorletzten Platz und hätte in der Gesamtwertung nur noch zwei Punkte voraus gelegen. Plötzlich schien für Dongfeng sogar der Gesamtsieg wieder möglich.

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Die Wende geht völlig daneben. Caudrelier muss wieder zurückwenden. der Code Zero steht back.

Dann raste Dongfeng in ein Windloch und in sechs Stunden war Brunel durchgewunken. Später auch Mapfre. “Brunle segelte uns nur wenige Meter an uns vorbei und entschwand mit einer Böe”, ärgert sich Caudrelier. “Dann kämpften wir uns wieder heran, aber ein Hai zerstörte die Hoffnungen.”

Der Fisch verhakte sich erst am Schwert, dann am Ruder. “Wir verloren viele Minuten, um das arme Tier zu entfernen. Danach fanden wir unseren Speed nicht wieder.” In der Flaute unter Land rauschte dann auch noch Alvimedica vorbei, die sich überraschend von Abu Dhabi hatten lösen können.

Verflixte Wende

Dann diese verflixte Wende. “Ich bin so sauer auf mich”, sagt Caudrelier. “Ich war so nervös. Das Team hat einen tollen Job gemacht, aber ich bin so genervt. Ich freue mich auf meine Familie, und dann muss ich das ganz schnell vergessen.”

Der Skipper ärgert sich, dass er das Schiff zu schnell in die entscheidende Wende gedreht hat. Das Happy End wäre möglich gewesen. Zumal kurz danach Alvimedica bei der Wende ein Problem mit den Backstagen hatte und deutlich verlor. Aber dieser Fehler war nicht mehr entscheidend.

So ist besonders Abu Dhabi trotz einer verkorksten Etappe noch mit einem blauen Auge davongekommen. Die Führung von Ian Walker beträgt trotz des vorletzten Platzes immer noch beruhigende fünf Punkte. Aber auf den verbleibenden beiden Sprint-Etappen ist noch vieles möglich.

Auch das bisher enttäuschende Brunel Team von Bouwe Bekking ist jetzt bis auf einen Punkt an Dongfeng heran gerutscht. Der neu an Bord gekommene Match Race Weltmeister und Camper Volvo Ocean Race Zweite Adam Minoprio aus Neuseeland mag den Unterschied ausmachen, der gefehlt hat, um aus Brunel ein Siegerteam zu formen.

Proteste müssen entschieden werden

Auf den letzen beiden Etappen kommt dann auch noch Vestas ins Spiel, die nichts zu verlieren haben und das Zünglein an der Waage spielen könnten.

Offen ist auch noch der Ausgang der Proteste vom ersten Tag der Etappe. Die Jury hat bekannt gegeben, dass vier Vorfälle untersucht werden, bei denen die Vorgaben für das Verkehrstrennungsgebiet missachtet worden seien.

SCA soll zweimal die Regeln verletzt haben, Dongfeng und Mapfre je einmal. Mögliche Strafen könnten großen Einfluss auf den weiteren Verlauf des Rennens haben. Besonders Mapfre hat schon zwei schmerzliche Punktstrafen zu verkraften.

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Alvimedica liegt beim Eingang in die Bucht von Lissabon knapp vor Dongfeng. © Ricardo Pinto / Volvo Ocean Race

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Dongfeng initiiert ein Wendeduell, bei dem jeweils der große Code Zero weggerollt werden muss. © Ainhoa Sanchez / Volvo Ocean Race

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Die Boote liegen teilweise nur eine Länge voneinander entfernt. © Ainhoa Sanchez / Volvo Ocean Race

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Dongfeng wedet und scheint die Möglichkeit zu haben links durchzubrechen. © Ainhoa Sanchez / Volvo Ocean Race

 

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Carsten Kemmling

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Ein Kommentar „Volvo Ocean Race: Brunel gewinnt vor Mapfre – Dongfeng verliert dramatisches Duell“

  1. avatar wet rabbit sagt:

    wo ist denn jetzt der Supergau für Abu Dhabi abgeblieben?

    Like or Dislike: Daumen hoch 1 Daumen runter 4

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