Volvo Ocean Race: Brunel schwer unter Druck auf letzten Meilen – Feld schiebt sich zusammen

Dramatisches Finish

Beim Volvo Ocean Race mobilisieren die Teams zwei Tage vor dem erwarteten Zieleinlauf alle Kräfte. Im Sturm vor Newport wirbelt das Feld auf den letzten Meilen noch einmal überraschend durcheinander.

Was für eine Tortour. Der ex Oracle Wing-Trimmer Kyle Langford beginnt auf Brunel seine Wache. Das Team von Bouwe Bekking liegt nur noch knapp in Führung, die letzten Meilen der achten Etappe liegen vor dem Bug und es hämmert noch einmal mit gut 40 Knoten Wind.

Vestas auf dem Weg nach vorne. © Martin Keruzore/Volvo Ocean Race

Mit müdem, glasigem Blick legt der Australier in der Dunkelheit unter Deck sein Rettungsgeschirr an. Das ohrenbetäubende Rauschen lässt vermuten, was ihn draußen erwartet. Dann steht er am Grinder. Kaltes Wasser klatscht die Erschöpfung aus dem Gesicht. Der ins Cockpit gerichtete Strahl reißt nicht ab. Aber die Segel müssen dicht. Kurbeln, was das Zeug hält.

Dongfeng sitzt im Nacken. Und für die Franzosen geht es um einen echten Bigpoint auf dieser Etappe. Charles Caudrelier möchte endlich mit dem roten Boot seine erste Etappe gewinnen. Er führt zwar mit einem Punkt die Gesamtwertung an, aber bei diesem Volvo Ocean Race durfte er noch nie als erster im Hafen gefeiert werden. Kann er sich jetzt den Bonus-Punkt holen?

Helmpflicht auf Vestas im Sturm. © Martin Keruzore/Volvo Ocean Race

Gegner Mapfre gibt sich wieder einmal eine Blöße, holt zum Finale aber Platz um Platz auf. Erst war Xabier Fernandez vor Brasiliens Küste nach schwierigen Wolken-Passagen ins Hintertreffen geraten. Dann hatte Probleme mit der Elektrik für Leistungsverluste gesorgt. Aber nun gibt der Favorit noch einmal Gas. Erst zwingt er AkoNobel ins Kielwasser, dann die lange Zeit führende Dee Caffari. Ihrem Team geht wie schon bei der vorherigen Etappe kurz vor dem Ziel die Luft aus. Turn The Tide ist auf Rang fünf zurückgefallen.

“Ich bin sicher, sie ärgern sich”

Aber für Brunel wird es eng. Der letzte Postitionsreport führte den Holländer schon hinter Dongfeng. Und auch Vestas scheint vorbei zu ziehen. Dabei hatte sich Bekking gerade noch über einen Coup gefreut:

“Die Verringerung unseres Vorsprungs durch Dongfeng ist gestoppt. Sie sind bis auf   2.6 Meilen herangekommen und wir konnten die Schrift in ihren Segeln sehen. Aber wir wollten nicht ihren Kurswinkel steuern. Sie segelten höher, schneller und mit stärkerem Wind.” Dongfeng kreuzte das Kielwasser von Brunel und wechselte aus der westlichen Position in eine östlichere.

“Alle unsere Vorhersagen wiesen darauf hin, dass wir auf lange Sicht weiter Richtung Westen segeln sollten”, sagt Bekking. “Und dann zahlte es sich auch langsam aus. Wir sind bis auf 8 Meilen davon gefahren. Ich bin sicher, sie ärgern sich. Denn 24 Stunden früher lagen sie noch weiter westlich als wir.”

Aber der Dongfeng-Ärger dürfte sich in Grenzen gehalten haben. Denn kurz danach hat sich die West-Option als schwach dargestellt. Bei Brunel ließ den Wind zuerst von 30 Knoten auf 6 bis 8 Knoten nach, Bekking musste halsen, und in nur einer Stunde war der 12 Meilen Vorsprung zu Dongfeng dahin. Selbst Vestas ist vorbei gezogen.

Brunel (gelb) ist zuerst in die Flaute gesegelt, musste halsen und ist in eine schwierige Situation geraten…

…Vestas (orange) scheint gerade die besten Karten zu haben. Brunel hat setzt jetzt alles auf eine Karte und forciert ein Split.

Aber nun beginnt das Spiel mit dem Leichtwind. Dongfeng und Vestas investieren in eine östliche Position, Brunel sucht sein Glück im Westen und macht die Schere zu den Gegnern auf. Tatsächlich hat Bekking nichts zu verlieren. Nur wenn er diese Etappe gewinnt, kann er dieses Volvo Ocean Race für ihn noch erträglich gestalten, und vielleicht sogar noch einmal ganz vorne angreifen. Das Comeback von Vestas kann dabei helfen.

Volvo Ocean Race Tracker

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Carsten Kemmling

Der Mann von der vordersten Front. Mehr zu ihm findest Du hier.
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