Volvo Ocean Race: Der irre Inport-Race-Start von David Witt – Burling wollte es allen zeigen

Unabsichtlich die Türe geöffnet

Nach dem Volvo Ocean Inport Race am Wochenende wird immer noch die turbulente Startphase diskutiert. Ein Wunder, dass es keinen ernsten Crash gab. Peter Burling schien der große Gewinner sein zu können, griff aber doch daneben.

Dongfeng überholt AkzoNobel auf direktem Kurs vor dem Auckland Fensehturm. © Ainhoa Sanchez / Volvo Ocean Race

Das Inport Race in Auckland hat gezeigt, warum diese Rennen zurecht bei der Bewertung des Gesamtergebnisses nur noch eine untergeordnete Rolle spielen – sie entscheiden nur bei einem Gleichstand. Mangels Platz konnte bei einer unpassenden Windrichtung in der Bucht von Auckland nur ein Straßenbahnkurs auf direktem Weg um die Tonnen ausgelegt werden, der normalerweise keine Überholmanöver zugelassen hätte.

Deshalb war der Start entscheidend und die Teams kämpften ungewöhnlich agressiv um die Positionen. Es konnte ja keiner wissen, dass zwischenzeitlich der ausbleibende Wind einen kompletten Stillstand des Feldes verursachte, die sportliche Hackordnung völlig veränderte und die Letzten zu den Ersten machen würde.

Burling wollte glänzen

So zeigte diese Renneröffnung, wer besonders glänzen wollte. Und das war natürlich America’s Cup und Olympiasieger Peter Burling, der sich in ungewöhnlicher Situation befindet – mit Brunel auf der Verlierer-Straße.

Ungewöhnlicher Steuerbord-Start vom Feld ist nötig. Der Platz in Auckland reicht nicht für einen ausgewogenen Am-Wind-Start gegen den Wind…

…Brunel befindet sich schon über der Anliegelinie zur Starttonne und entgeht der Gefahr mit einem Abtauchen vor dem Bug von Dongfeng vorbei in die Leeposition…

…Scallywag hat eigentlich die schlechteste Position in Luv, gibt aber einfach Gas

…und profitiert davon, dass Brunel, zu spät beschleunigt und die Türe zwischen sich und der Starttonne offen lässt…

…So gelingt ein starker Start, während Brunel sein Luvrecht nutzt, um drei Boote in Luv an der Tonne vorbeizuschieben, um dann selber frei zu starten.

So bemühte er sich, vor heimischem Publikum seine Qualitäten zu zeigen, die eigentlich nicht gerade beim Starten mit großen, schweren Booten liegen. Aber am Steuer des Volvo 65 kann er nun genau das üben. Und vielleicht mag das mit den neuen America’s Cuppern in Zukunft noch eine größere Rolle spielen.

Jedenfalls zeigte der Kiwi auf seinem Revier, das er schon unzählige Male auf Tragflächen mit bis zu viereinhalbfacher Sindgeschwindigkeit durchquert hat, eine starke Vorstartphase. Ein Schlenker vor dem Dongfeng-Bug brachte ihn in die Pole-Position. Eigentlich. Dann missglückte die Beschleunigung zur Startlinie.

Unkontrolliert durch die Startflotte

Das ist kaum verwunderlich. Viele Teststarts am Lenker dieser Yachten hat er nicht gefahren. Das hat einfach keine Priorität. Aber dennoch wird er sich über die verpasste Chance ärgern. Besonders, weil er David Witt die Tür zum Start geöffnet hat, die eigentlich längst geschlossen war.

Aber wie konnte er auch damit rechnen, dass der David Witt mit seiner Scallywag – ein wenig irre – tatsächlich in diese Lücke hinein schießt? Der Australier ist zuvor bei den Inport Races schon aufgefallen, wie er unkontrolliert durch die Startflotte stößt.

Auch diesmal positioniert er sich über der Anliegelinie in einer eigentlich aussichtslosen Position. Aber er sucht sein Heil in der Flucht, fährt einfach los und hat das Glück auf seiner Seite, weil Burling das Timing zur Linie verpatzt. Witt schlüpft durch das Fenster und legt einen perfekten Start hin.

Mapfre zeigt, wie es geht

Mit dieser Art von Unbekümmertheit und Unberechenbarkeit konnte Scallywag auch bei den vergangenen Etappen erstaunlich weit vorne punkten. Und Witt tut diesem Rennen im Kontrast zu den geschliffenen Profis gut. Aber wie man dauerhaft Erfolg hat, zeigt wieder einmal Mapfre. Starkes Timing an der Linie, wenig Risiko durch den Verzicht auf den Kampf um die Poleposition an der Tonne, und trotzdem der beste Start.

Dass in diesem Rennen dann doch die glücklicheren Teams gewinnen, die beim Start nach dem agressiven Burling-Move hinterher dümpeln, ist irrelevant. Die Spanier führen nach Platz drei nicht nur durch Zufall auch das Inport-Leaderboard an.

Auch für Peter Burling wäre auf dem Heimrevier mehr möglich gewesen. Aber er wird noch durch einen Penalty später auf dem Kurs zurückgeworfen, weil er der entgegenkommenden Scallywag nicht genügend auswich. Ein ärgerlichter Fauxpas, von dem er sagt: “Ich bin mir nicht sicher was genau passiert ist.” Aber er gibt seine Enttäuschung zu. “Definitiv steht uns im Moment das Glück nicht zur Seite.”

New Zealand Herald In Port Race Results

  1. Dongfeng Race Team
  2. team AkzoNobel
  3. Mapfre
  4. Team Vestas 11th Hour Racing
  5. Team Brunel
  6. Sun Hung Kai / Scallywag
  7. Turn the Tide on Plastic

Gesamtstand In Port Race Series

  1. MAPFRE – 37 points

  2. Dongfeng Race Team – 34 points

  3. team AkzoNobel – 27 points

  4. Team Brunel – 26 points

  5. Vestas 11th Hour Racing – 18 points

  6. Sun Hung Kai / Scallywag – 15 points

  7. Turn the Tide on Plastic – 11 points

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Carsten Kemmling

Der Mann von der vordersten Front. Mehr zu ihm findest Du hier.
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