Volvo Ocean Race: Die Halsenduelle an der Eiszone – Warum Scallywag am Tampen hängt

Immer an der Wand lang

Beim Volvo Ocean Race hat auf der 6. Etappe das bekannte Halsen-Spiel entlang der virtuellen Eisgrenze begonnen. Brunel filmt sich beim wilden Ritt mit der Drohne.

Für die Volvo-Ocean-Race-Teams hat im Southern Ocean die harte Arbeit begonnen. Mit dem Wind aus südwestlicher Richtung in einer Stärke von nahezu 30 Knoten ist an schlafen kaum zu denken. Denn durch die Nähe zur Eiszone müssen die Crew etwa jede Stunde einmal halsen.

Das Halsen-Muster entlang der Eiszone. Bei jedem Cross liegt ein anderes Team vorne. Zuletzt war es AkzoNobel (blau)

Und was dabei passieren kann, hat AkzoNobel auf der dritten Etappe gezeigt, als im Southern Ocean bei einer schlecht ausgeführten Halse Latten brachen und die Mastspur herausriss. Der letzte Platz war damit besiegelt. Mapfre hat dagegen beim Segeln “immer an der Wand lang” mit deutlich mehr Halsen als die Konkurrenz gezeigt, den Grundstein für den Etappensieg und die Gesamtführung gelegt.

Die rote Zone soll vor Eisberg-Kollisionen schützen. Zuletzt wurde sie am Kap Hoorn weiter nach Süden geschoben.

Diesmal hält sich das blaue Boot gut. Es hatte das Rennen zur virtuellen Ausschlusszone gewonnen, war dann auf Platz fünf zurückgefallen, als es die Tiefe der Konkurrenz nicht halten konnte, punktete danach aber mit einem nördlicheren Kurs, der schließlich die Linksdrehung des Windes gut ausnutzte.

Gegner auf Augenhöhe

Aber die ersten fünf Boote liegen nur wenige Meilen auseinander. Bei den harten Vorwind-Bedingungen waren zuvor Mapfre und Dongfeng deutlich schneller, nun müssen sie sich mit Gegnern auf Augenhöhe herumschlagen, die offenbar viel dazu gelernt haben.

Brunel hangelt sich entlang der unsichtbaren Eisgrenze. © Yann Riou/Volvo Ocean Race

Turn The Tide kann noch einigermaßen mithalten, aber Scallywag ist inzwischen schon fast 100 Meilen zurückgefallen. Navigatorin Libby Greenhalgh erklärt: “Ich bin sicher, dass man genau beobachtet, wie wir uns wieder von der Flotte entfernt haben, und dass man glaubt, wir würden wieder einmal ein großes Risiko auf uns nehmen, das zu hohen Meilenverlusten führt. Und es mag mutig aussehen. Aber wir können das nicht kontrollieren.”

“Another day in the office” auf Scallywag. © Konrad Frost/Volvo Ocean Race

Der große Split habe mit Segelwechseln zu tun. Der fractional Code Zero schien gut zu laufen, und wir dachten aufzuholen. Aber dadurch sei man in eine etwa acht Meilen nördlichere Position geraten, die zu nahe am Hoch waren. Der Wind drehte nachteilig und wurde leichter. So kamen die verlorenen Meilen zustande.

Man hätte halsen können, um die Verluste zu minimieren. Aber schließlich habe man es doch nicht getan. “Egal, es gibt immer wieder Möglichkeiten. Und am Kap Hoorn stehen die Türen weit offen.”

Das Leben an Bord von AkzoNobel

Volvo Ocean Race Tracker

49er FX Olympiasiegerin Martine Grael freut sich auf die Heimat in Brasilien. © James Blake/Volvo Ocean Race

Permanent schwappt das Eiswasser durchs Cockpit. © Yann Riou/Volvo Ocean Race

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Carsten Kemmling

Der Mann von der vordersten Front. Mehr zu ihm findest Du hier.
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