Volvo Ocean Race: Die neuen Features – Wie man sich von dem Rennen anstecken lassen kann

Schritt nach vorne

Das Volvo Ocean Race beeindruckt schon auf den ersten Meilen durch neue Features, die das Mitfiebern erleichtern. Die Favoriten machen langsam ernst. Aber der überraschende Spitzenreiter hält die Stellung.

Seit drei Tagen ist die Volvo-Ocean-Race-Flotte unterwegs, und schon jetzt zeigt sich, dass die Veranstaltung einen großen Schritt nach vorne gemacht hat. Dabei musste man sich Sorgen machen. Die Anzeichen zur Entwicklung der Regatta waren zuletzt wenig ermutigend.

Die Teilnehmer meldeten so spät wie noch nie und mit sieben Teams ( so viele wie zuvor) blieb das Ergebnis hinter den Erwartungen zurück. Zuerst war AkzoNobel am Start. Die Holländer sollen 15 Millionen Euro aufwenden und für 2 Millionen Euro den Neubau für die One Design-Flotte initiiert haben.

Generell heißt es, dass ein Budget zwischen 10 und 12 Millionen Euro ausreicht für eine konkurrenzfähige Kampagne. Aber trotz großer Preisnachlässe wollte schließlich niemand den freien VO65 besteigen.

AkzoNobel Volvo OCean Race

AkzoNobel Skipper Simeon Tienpont bei der nächtlichen Arbeit. © Konrad Frost/Volvo Ocean Race

Das Projekt mit dem ehemaligen SCA-Frauenboot wäre ein Schnäppchen gewesen. Nun aber steht das Schiff für umgerechnet knapp 1 Millionen Euro zum Verkauf. Der Wertverfall ist immens, denn das nächste Volvo Ocean Race soll mit anderen Sportgeräten betrieben werden.

CEO-Abgang schlechtes Zeichen

Auch der Abgang von CEO Mark Turner ist ein ganz schlechtes Signal für den Fortbestand der Regatta. Seine Visionen waren spannend. Er wollte schon 2019 wieder starten und die nächste Generation der Volvo-Racer einführen. Schließlich warf er das Handtuch, nachdem er nicht den erwarteten Rückhalt bekommen hatte. Er führt noch die Geschäfte gibt aber sein Amt ab sobald in den nächsten Monaten ein Nachfolger gefunden hat.

Mark Turner

Mark Turner, CEO Volvo Ocean Race. © VOR

Aber seine Handschrift ist erkennbar, und sie scheint dem Rennen gut zu tun. Schließlich ist die Positionierung schwieriger geworden. Die Vendée Globe nonstop und einhand um die Welt erlaubt es dem Volvo Ocean Race nicht mehr, sich härteste Hochsee-Regatta der Welt zu nennen. Und die fünf Fuß kürzeren IMOCA Racer sind sogar schneller. Beim Fastnet Race nahm der Klassensieger SMA auch ohne Foils dem schnellsten VO65 trotz nur zweiköpfiger Crew fast eine Stunde ab.

Und die neuen fliegenden 100 Fuß Maxi-Trimarane für das spektakulärste Einhand-Rennen um die Welt 2019 lassen einen VO65 im Vergleich auch mächtig alt aussehen.

Große Namen würden noch helfen, und die Last-Minute-Berufungen der Olympia- und America’s Cup Sieger Burling/Tuke auf unterschiedlichen Booten war sicher ein Coup. Aber die Zeiten, als ein Paul Cayard oder John Kostecki gut durchdachte Kampagnen führten, sind offenbar vorbei.

BouweBekking geht noch als Name durch, aber der Holländer hat das Brunel-Projekt mit sehr heißer Nadel gestrickt, und es schien dass er sich in dieser Saison mehr seinen J-Class-Aktivitäten (“Lionheart”) gewidmet hat.

Erfolgreiche Frauen-Quote

Mit der Frauen-Quote gelang Turner allerdings ein echter Coup. Damit hat das VOR ein spannendes Alleinstellungsmerkmal. Entgegen vorheriger Ankündigungen sind jetzt doch alle Teams mit mindestens einer Frau unterwegs.

Carollijn Brouwer

Carollijn Brouwer bei Dongfeng ist die erfahrenste und vielleicht beste Volvo Ocean Race Seglerin. © Rich Edwards

Ein weiterer wichtiger Aspekt, der die Regatta von anderen unterscheidet, ist die Von-Bord-Berichterstattung. Nach den ersten Tagen im Rennen ist erkennbar, dass die Organisatoren diesen Aspekt noch einmal mächtig aufgewertet haben. Die wichtigste Änderung bezieht sich auf den  Medien-Vertreter, der als zusätzliche Person auf jedem Boot dabei ist. Er gehört diesmal nicht fest zum Team, sondern rotiert bei den verschiedenen Etappen jeweils zu anderen Booten. Dadurch soll eine objektivere Berichterstattung möglich sein und eben auch Unangenehmes zu Tage kommen.

Die Reporter sind aufgefordert permanent Blogs, Videos, Fotos und Social-Media-Einträge von Bord liefern. Dabei muss nicht vor der Veröffentlichung umständlich und zeitraubend ein professioneller Beitrag geschnitten werden, die Inhalte fließen direkt in den sogenannten “Raw Content” ein und können sofort vom Fan abgerufen werden.

Die Genua kommt von oben

So ist Mapfre gerade beim Arbeiten in der Nacht zu sehen oder die führende Vestas beim Runden der Insel Porto Santo. Aufgezeichnet wurde zum Beispiel  kürzlich, als bei Scallywag die Genua von oben kam:

Dazu wird im “Race Blog” jeweils die aktuelle Lage aus dem Studio in Alicante von Experten kurz moderiert und kommentiert. Manchmal reichen schon Bilder im Twitter-Feed, um die Lage zu erklären:

Die taktischen Überlegungen an der Wendemarke Porto Santo.

In einer kürzeren Live Show (Quick Fix) auf Facebook und der längeren etwa 20 Minütigen Version jeweils um 13 Uhr (Show vom 25.10.) werden die aktuellen Entwicklungen moderiert.

Der Stand im Rennen

Die erste Etappe entwickelt sich auch spannender als zuvor befürchtet. Schließlich sind Mapfre und Dongfeng deutlich für den Rennsieg favorisiert. Dass Vestas seit einer schlauen Entscheidung im Mittelmeer die Führung behauptet, konnte nicht erwartet werden. Möglicherweise hat der US-Skipper Charlie Enright, der sein zweites Volvo Ocean Race bestreitet, ein besseres Team beisammen, als zuvor gedacht.

Die Situation auf dem VOR Rennkurs: Vestas führt vor Mapfre und AkzoNobel. Porto Santo ist gerundet. Eine virtuelle Wendemarke wurde hinzugefügt.

Die letzten Meilen vor der Wendemarke Porto Santo haben allerdings gezeigt, wie erschreckend schnell Mapfre und Dongfeng sind im Vergleich zur Konkurrenz. Die Spanier überholten auf dem Anlieger zur Insel nahezu mühelos den voraus liegenden direkten Gegner AkzoNobel aus einer Position im Kielwasser. Und Dongfeng gelang das gleiche Kunststück mit Scallywag. Dabei zeigte sich der wahre Klassenunterschied, und diese Diskrepanz tut dem Rennen eigentlich nicht gut.

Auch Turn the Tide mit Dee Caffari liegt wie erwartet hinten. Allein Brunel bereitet den Fans Kopfzerbrechen. Oracle Wing Trimmer Kyle Langford wurde schon über Bord geschickt, um unter Wasser zu checken, ob irgendetwas das Schiff bremst.

Peter Burling betont allerdings, dass diese Tage des Segelns in direkter Nachbarschaft mit vier Gegnern sehr wichtig beim Austesten des richtigen Trimms und der Segelwahl sind. Das zeigt aber auch, wie mühsam die Vorbereitung von Bouwe Bekking war. Der zurzeit vorletzte Platz ist die bisher größte Überraschung im Verlauf der Etappe.

Tracker und Ergebnisse

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Carsten Kemmling

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2 Kommentare zu „Volvo Ocean Race: Die neuen Features – Wie man sich von dem Rennen anstecken lassen kann“

  1. avatar christian sagt:

    Ist es tatsächlich so, dass beim Fastnet ein IMOCA 60 schneller war als die VOR 65?

    SMA: 2 – 16:14:02
    http://www.rolexfastnetrace.com/results/2017/rfr-imoca-sixty02.html

    Dongfeng: 2 – 15:38:10 (sogar noch Scallywag Platz 6 VOR 65 war schneller als SMA)
    http://www.rolexfastnetrace.com/results/2017/rfr-imoca-sixty02.html

    Oder habe ich da etwas übersehen?

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