Volvo Ocean Race: Groupama Gesamtsieg, Camper 2. nach Etappensieg

Kleiner Mann ganz groß

Die besten Hochseesegler der Welt kommen aus Frankreich. Mit einem zweiten Platz auf der letzten Etappe gewannen Skipper Franck Cammas und seine Crew der „Groupama“ um exakt 2.49 Uhr und elf Sekunden am frühen Dienstagmorgen (3. Juli) das Volvo Ocean Race 2011-2012.

Franck Cammas freut sich über den hart erkämpften Sieg mit Groupama. © IAN ROMAN/Volvo Ocean Race

Nach acht Monaten, fast 40.000 Seemeilen und extremen Strapazen wurde das Team von mehreren zehntausend Menschen im irischen Hafen von Galway trotz nachtschlafender Zeit frenetisch gefeiert. Es ist der dritte französische Sieg im elften Rennen um den Globus seit 1973/74.

2001-02 hatte die Leverkusener Yacht „illbruck“ gewonnen. Diesmal war der Kieler Michael Müller an Bord der „Puma“ als einziger Deutscher dabei. Nach Rang zwei in 2009 blieb ihm der erhoffte Triumpf versagt. Das US-Team von Skipper Ken Read musste sogar noch den neuseeländischen Etappensieger „Camper“/Chris Nicholson passieren lassen und sich sechs Punkte zurück mit „Bronze“ begnügen.

Vive la France! © IAN ROMAN/Volvo Ocean Race

Der sechs Monate führenden „Telefoníca“ des Olympiasiegers Iker Martínez blieb in Galway und insgesamt nur der undankbare vierte Platz. Das letzte Hafenrennen am Sonnabend (7. Juli) wird durch diesen Ausgang für die Gesamtwertung bedeutungslos, solange die „Camper“ dabei ins Ziel kommt.

Ein Traum geht in Erfüllung

Die pechschwarze Nacht von Galway wurde durch Blitzlichtgewitter, Handfackeln und Scheinwerferspots erhellt, die einen grün-orangen Freudentaumel ins rechte Licht rückten. Überglücklich lag sich die elfköpfige „Groupama“-Crew in den Armen, reckte die Fäuste beider Arme in den Himmel. Champagner schäumte die Sieger in Glücksseligkeit.

Groupama reicht ein zweiter Platz in der neunten Etappe zum vorzeitigen Gesamtsieg. © IAN ROMAN/Volvo Ocean Race

„Ein Traum geht in Erfüllung“, jubelte Franck Cammas, „ich hatte es vor der Regatta nicht für möglich gehalten, dass wir sie gewinnen können. Das ist ein großer, sehr bewegender Moment für das ganze Team.“

Der 38-Stunden-Sprint entlang der Atlantikküste war ein Spiegelbild des spannendsten Rennverlaufs in der 39-jährigen Geschichte der härtesten Regatta rund um die Welt für Yachten mit voller Crew. Nie zuvor hatte es so knappe Zieleinläufe gegeben, bei denen die Gegner nach mehreren Tagen im Ziel teils nur Minuten oder gar Sekunden, wenige hundert Meter und manchmal sogar nur Bootslängen auseinander lagen.

Die drei Verfolger der „Groupama“ wechselten sich seit Sonntagmittag (1. Juli) permanent in der Führungsrolle ab. Über die gesamte Strecke von 550 Seemeilen blieb das Quartett untereinander in Sichtweite, rundete den berühmten Felsen Fastnet Rock als Bahnmarke innerhalb von sechs Minuten. Nur die „Groupama“ schien kein unnötiges Risiko mehr einzugehen, reizte den Trimm nicht immer voll aus, da selbst ein vierter Platz sie rechnerisch uneinholbar gemacht hätte.

Gefeiert wie Popstars. In Galway funktioniert Segelbegeisterung auch zu später Stunde. © IAN ROMAN/Volvo Ocean Race

Auf Schützenhilfe gehofft

Die Widersacher hofften vergeblich sowohl auf einen kapitalen Fehler der Franzosen, als auch auf Schützenhilfe der beiden abgeschlagenen Teams von „Abu Dhabi“ mit Skipper Ian Walker und der chinesischen „Sanya“ unter dem zweimaligen Gesamtsieger Mike Sanderson, die 30 Seemeilen zurück lagen.

Walker hatte immerhin überraschend die Transatlantiketappe nach Lissabon gewonnen, kämpfte aber trotz des größten Entwicklungsaufwands mit dem mangelnden Geschwindigkeitspotential des Boots. Die „Sanya“ stand als einziges Schiff aus dem vorigen Rennen (Ex-„Telefoníca Blue“) von vornherein auf verlorenem Posten.

Auch die „Groupama“ war nur mäßig in die Regatta gestartet. Ein strategischer Fehler auf der ersten Etappe brachte sie als letztes Boot ins Ziel, was jedoch ein Podiumsplatz war, denn drei andere fielen durch Bruch komplett aus. Trotz eigener Rumpfschäden gelang ein Sprintsieg im zweiten Teil der zweiten Etappe nach Abu Dhabi, die – auch ein Novum bei Hochseerennen – wegen der Piratengefahr vor der Küste Somalias durch eine Frachterpassage von den Malediven nach Sharjah unterbrochen worden war.

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