Volvo Ocean Race: Groupama Video Highlights; ein Rückblick

Favoritensieg

Der Ausgang des Volvo Ocean Races war lange Zeit offen. So offen, wie man es bei einer Teilnahme von nur sechs Yachten kaum hoffen durfte. Am Ende hat sich mit Groupama aber dann doch das von Anfang an favorisierte Team durchgesetzt. Das Video zeigt die Höhepunkte der Franzosen-Kampagne.

Die Franzosen wirbelten auf ihrem Weg zum Volvo Ocean Race Sieg viel Wasser auf. © Groupama

Am Anfang wurden Cammas und Co noch belächelt, als sie auf der ersten Etappe mit einem strategisch unsinnigen Extremschlag viel Reputation verloren. Aber sie lernten aus den Fehlern und wurden besser. Am Ende setzte sich wieder einmal das schnellste Boot durch.

Groupama war das erste Team auf der Volvo Ocean Race Meldeliste und vielleicht das einzige, das eine seriöse Vorbereitung gewährleisten konnte. Es trainierte auf der Siegeryacht der vergangenen Regatta “Ericsson 4” und optimierte sein neues Boot von Star-Designer Juan K. entsprechend.

Mit dem optimierten Juan K. Design hat schließlich wieder einmal das schnellste Schiff gewonnen. © Groupama

Eigentlich ist es ein Wunder, dass die Konkurrenz überhaupt dagegenhalten konnte. Allenfalls das Abu Dhabi Team hätte mit seinen Ressourcen und dem Zeitbudget konkurrieren können. Aber Ian Walker lag so offensichtlich neben der Spur, dass er zur traurigsten Figur der Regatta wurde.

Alle Risiken, die er einging, wurden nicht belohnt. Das als Innovationsschub gefeierte Rigg von Future Fibres kam schon in der ersten Nacht von oben und dann zeigte sich die Konstruktion von Farr Design in den entscheidenden Momenten als notorisch langsam.

Puma und Télefonica waren dagegen spät. Sie profitierten aber von der Entscheidung, ebenfalls auf das Juan K. Design zu vertrauen. Puma war von Anfang an durch den Ausfall auf der ersten Etappe gebeutelt, kam im Finish stark zurück, muss aber nun doch mit dem enttäuschenden dritten Rang vorlieb nehmen.

Selten geriet Groupama so sehr in Schräglage. © IAN ROMAN/Volvo Ocean Race

Die Spanier dagegen schienen einem sicheren Sieg entgegen zu segeln. Aber sie fielen tief. Der doppelte Ruderbruch auf der vorletzten Etappe manifestierte den erstaunlichen Leistungsabfall auf den letzten Abschnitten. Es kann nur spekuliert werden, ob sich die 49er Olympiasieger Martinez/Fernandez dann doch zu viel zugemutet haben.

Sie gingen die neuerliche Weltumsegelung schließlich fast direkt nach dem zweiten Rang beim Barcelona World Race an. Zwischendrin qualifizierten sie sich noch mit einem zweiten Platz bei den PreOlympics in Weymouth für den spanischen 49er Olympiaspot und bekamen während des Volvo Ocean Races die positive Nachricht von ihrem Verband. So mussten sie parallel die Weichen stellen für eine enorm verkürzte Olympiakampagne nach dem Volvo Ocean Race. Ob dabei der Fokus auf das Rennen verloren ging?

Die gute Leistungsfähigkeit bei spitzen Power Reaches war der Schlüssel zum Groupama Erfolg. © PAUL TODD/Volvo Ocean Race

Ein nicht erwartetes Happy End erlebte schließlich das für das spanische Camper Team startende Team New Zealand. Grant Dalton hatte schon öffentlich den Stab über Designer Marcelino Botín gebrochen und seine Konstruktion für zu langsam erklärt.

Tatsächlich zeigte das Schiff erstaunliche Schwächen, war aber nie abzuschreiben. Am Ende führte eine kontrollierte, konstante Serie zu einem nicht mehr für möglich gehaltenen zweiten Platz.

Es bleibt eine extrem spannende Regatta, die allerdings nicht die Herzen vieler Segelfans in Deutschland erreichte. Das Feld war wohl einfach zu klein, um den Anspruch an eine Weltklasse-Veranstaltung aufrecht zu halten. Und Puma trieb hierzulande nicht den Aufwand, um als deutscher Beitrag gesehen zu werden. Michi Müller, der einzige Deutsche an Bord, reichte nicht aus, um das Publikum mitzureißen.

Dabei haben die Organisatoren durchaus ihren Job gemacht. Die Übertragungstechnik, die Bilder von Bord, die Live Schaltungen waren auf einem Niveau, das der Segelsport noch nicht gesehen hat. Da steckt wohl nur noch mehr Potenzial drin, wenn man das Bordleben öffentlicher macht und Anteil an den Entscheidungen und Dramen haben kann. Big Brother auf See. Aber will man das wirklich?

Der Wechsel zum Onedesign für das nächste Volvo Ocean Race bedeutet einen enormen Einschnitt. Es wird sich zeigen, ob dadurch wirklich mehr Teams an der Startlinie erscheinen. Wenn es so ist, dürfte die Um-die-Welt-Regatta ihre Position an der Spitze der professionellen Segelveranstaltungen behalten und ausbauen. Die America’s Cup Macher müssen aufpassen, dass sie den Anschluss nicht verpassen.

avatar

Carsten Kemmling

Der Mann von der vordersten Front. Mehr zu ihm findest Du hier.
Spenden
https://northsails.com/sailing/de/

6 Kommentare zu „Volvo Ocean Race: Groupama Video Highlights; ein Rückblick“

  1. avatar fastnetwinner sagt:

    Wenn man einmal die These aufstellt, daß interessanten Themen (“Beweger-Themen”) hier auf SR auch immer zu einer spannenden Diskussion im Forum führen, dann scheint daß VOR tatsächlich mausetot zu sein. Auf die vier letzten Berichte auf SR zum VOR ist kein einziger Kommentar erfolgt. Da kann man mal sehen, wie sehr die Marke VOR runtergerockt wurde, weil sie den Märkten hinterhergelaufen ist. Möge das Racemanagement mal wieder auf die Strahlkraft seines Produktes setzten und möge der Southern Ocean wieder seine Rolle dabei spielen.

    Like or Dislike: Daumen hoch 3 Daumen runter 0

    • avatar Christian sagt:

      vielleicht spielt auch eine gewisse nationale Verengung des Blickwinkels eine Rolle, weil kein deutsches Team dabei ist?

      In der Tat lässt sich das VOR aber überzeugender gestalten als mit Frachtertransporten…

      Like or Dislike: Daumen hoch 3 Daumen runter 1

    • avatar Micha sagt:

      Das VOR ist “mausetot”, weil hier auf SR keiner die Berichterstattung dazu kommentiert?
      Mutige These…
      Schau Dir mal die Diskussion zum VOR auf sailinganarchy.com (in den Foren) an, da gabs seitenlange threads zu jeder einzelnen Etappe. Von mangelndem Interesse und “heruntergerockter” Marke kann wohl keine Rede sein.

      Like or Dislike: Daumen hoch 3 Daumen runter 1

      • avatar fastnetwinner sagt:

        Sie haben recht. Keine These ohne Beleg. Tauchen wir doch mal in die Zahlen ein. Hier die Teilnehmerzahlen der 11 Rennen seit 1973: 17, 15, 29, 15, 21, 12, 10 8, 7, 8, 6. Macht im Schnitt 13+ Boote. Jetzt waren nur 6 am Start. Ich bleibe also bei der Aussage, daß das VOR mausetot ist. Das mit der runtergerockten Marke lasse ich dann auch gleich mal stehen, denn mit wem würden wir uns wohl mehr identifizieren als Marketing-Zielgruppe: Mit den harten Jungs aus dem Southern Ocean oder mit den Shortsträger, die von Spanien nach Indien segeln? Ich weiss zwar auch, wie der Streckenverlauf “in echt” ist, aber wenn wir von Marke reden, dann müssen wir vom Markenkern argumentieren, und nur der ist für die Kommunikationsbranche, die den ganze Quatsch finanziert, von Bedeutung. Und der ist durch die Streckenführung ohne Southern Ocean brutal konterkariert und somit ist die Marke leider doch runtergerockt.

        Like or Dislike: Daumen hoch 1 Daumen runter 0

  2. avatar Addi sagt:

    Jedenfalls ein Augenschmaus:

    “allez les garcons
    http://www.youtube.com/watch?feature=player_embedded&v=a700E7jizXc
    Franck Cammas continued the late-stage dominance that has allowed Groupama 4 to lock down the 2011-12 Volvo Ocean Race, sailing a flawless In-Port Race in Lorient on Saturday for the win. The Volvo TV broadcast team has also continued to improve, and this 90-minute show, with guest commentary from Alain Gautier, is a great piece of sailing imagery and audio for sailing fans everywhere.”
    Quelle: sailinganarchy.com

    HD-Auflösung empfohlen, wenn möglich Beamer, Flasche Bier und die 90 Minuten geniesen…

    Like or Dislike: Daumen hoch 0 Daumen runter 0

  3. avatar _VOR?_ sagt:

    Dieser negative Unterton und herumgenörgel am VOR ist schon etwas nervig. Vor allem weil das VOR dem Leitgedanke von Segelreporter “Segeln ist cool, faszinierend, vielseitig. SegelReporter berichtet, erklärt, steckt an” doch voll entspricht (wenn ich da an Artikel denke in denen in epischer Breite vom Transport eines 40ft-ers von Revier A nach Revier B berichtet wird…).
    Das VOR ist eben eine rein kommerzielle Veranstaltung und keine Bestenermittlung im Sinne einer (Klassen-) Meisterschaft. Da heißt es eben wer zahlt bestimmt und das sind hier Firmen und nur sehr begrenzt Segler.

    Like or Dislike: Daumen hoch 1 Daumen runter 0

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Sicherheitsfrage (SPAM-Schutz): *