Volvo Ocean Race: Mapfre hält am Kap Hoorn – Die Flotte hat den Felsen gerundet

"Keine Hurra-Stimmung"

Bei der Kap-Hoorn-Etappe des Volvo Ocean Races ist es zu einem erneuten Zwischenfall gekommen. Das gesamtführende spanische Mapfre-Team muss am Felsen einen Not-Stopp einlegen.

Ein sichtlich angeschlagener Bouwe Bekking lässt sich nicht die Sieger-Zigarre am Kap Hoorn nehmen. © Yann Riou/Volvo Ocean Race

Es sind wirklich unglaubliche Drohnenbilder die Dongfeng beim Ritt durch den Southern Ocean zum Kap Hoorn zeigen. Diese 65 Fußer bewegen sich unter Vollzeug mit vier gesetzten Segeln wie Jollen durch die Wellen. Kein Wunder, dass jemand über Bord gehen kann. Kein Wunder, dass etwas brechen kann.

Nach dem Trauerspiel um John Fisher ist nun das gesamtführende Mapfre Team in Bedrängnis geraten. Immerhin hat nun die gesamte Flotte den andauernden Sturm abgewettert und sicher Kap Hoorn gerundet mit Brunel in der Spitzenposition. Aber Mapfre muss das Rennen mit einem Schaden direkt an dem berühmten Felsen unterbrechen.

Brunel als führendes Boot am Kap Hoorn. © Ainhoa Sanchez/Volvo Ocean Race

Die Spanier kamen auf Rang vier am Kap an 10 Meilen vor AkzoNobel und 15 vor Turn The Tide, aber dann informierten sie die Wettfahrtleitung, dass sie einen Reparaturstopp einlegen müssen. Der Schaden an der Mastspur, der schon vor fünf Tagen aufgetreten war, ist nun doch schwerwiegender, als zuerst gedacht.

2000 Meilen bis zum Ziel

Die Verklebung der Schiene, durch die Großsegelrutscher am Mast fixiert sind, hat sich gelöst. Und die provisorische Reparatur ist offenbar nicht ausreichend, um die restlichen 2000 Meilen bis nach Itajaí in Brasilien zu überstehen.

Dongfeng im Speedrausch. © Martin Keruzore/Volvo Ocean Race

Die Regeln besagen, dass so ein Stopp mindestens zwölf Stunden dauern muss. Drei Mitglieder des Shore Teams befinden sich in dem Gebiet sechs Meilen westlich vom Kap Hoorn, um dem Mapfre Team bei der Reparatur zu helfen.

Der Schaden ist erstaunlich, weil er offenbar exakt den Problemen entspricht, die AkzoNobel in Etappe drei auf den letzten Platz zurückgeworfen hat. Man könnte denken, dass daraufhin die neuralgische Stelle bei allen Teams intensiv verstärkt worden ist. So bringt dieser Stopp wieder mächtig Bewegung in die Gesamtwertung, und die Spanier könnten ihren Spitzenplatz verlieren.

Mapfre wird von einer Welle erwischt. © Ugo Fonolla/Volvo Ocean Race

Aber niemand mag so richtig darüber reden. Denn Punkte und Platzierungen sind längst in den Hintergrund getreten, seit ein Segler der Volvo Ocean Race Familie auf See geblieben ist. Scallywag befindet sich auf dem Weg nach Chile immer noch 750 Meilen von Land entfernt, und niemand mag sich vorstellen, was für eine Stimmung an Bord herrscht.

Extrapunkt für Brunel

So äußert sich auch Bouwe Bekking, der zum neunten Mal Kap Hoorn gerundet hat und  diesmal mit Brunel sogar mit einem Extrapunkt für die Führungspositon an der markanten Landmarke belohnt wurde.

“Die Crew ist sehr, sehr, sehr müde. Und obwohl wir führen, herrscht keine Hurra-Stimmung. Der Verlust von John sitzt tiefer als alle zugeben wollen. Ich denke in jeder Stunde oftmals an ihn.”

Vestas kämpft sich auf Rang zwei um das Kap. © Jeremie Lecaudey/Volvo Ocean Race

Die Teams sind froh, mit der Rundung von Kap Hoorn die vergangenen unglaublich harten Tage überstanden zu haben. Oft war es ein Ritt auf Messers Schneide, wie auch das jüngste Erlebnis der Brunel-Mannschaft zeigt.

Kollision bei Brunel

60 Meilen vor dem Kap gab es eine Kollision mit dem Ruder, bei brach eine Aluminium-Verbindung am Ruder, die mit dem Steuerrad verbunden ist. Das Schiff schoss heftig in den Wind, und der kleine Gennaker erlitt einen Schaden. Es dauerte lange, bis die Kontrolle wieder hergestellt war, da sich das funktionierende Backbord-Ruder durch die starke Krängung nicht im Wasser befand.

Immer wenn das Schiff erneut krängte, schoss es in den Wind. Und es dauerte, bis der Ersatz-Pinnen-Arm angebaut werden konnte.  Das gelang erst, nachdem drei Reffs eingebunden waren und das kleine Stagsegel gesetzt wurde. Brunel verlor etwa 25 Meilen, aber nun segelt das holländische Boot wieder mit voller Kraft.

Die Position der Flotte, als Mapfre seinen Stopp am Kap einlegt.

Welchen Wert das hat, muss sich aber noch zeigen. Denn nicht nur Bekking erwartet einen “kompletten Neustart bei den Falkland-Inseln”. Ein Hochdrucksystem könnte die führenden Boote auf dem Weg zum Ziel in Brasilien ausbremsen.

Dann könnte auch noch Mapfre wieder zurück ins Spiel kommen. Aber auch dann wird sich keine echte Freude mehr bei dieser Etappe einstellen. Der Schock, nach dem Erlebnis des Undenkbaren steckt allen Profis hör- und sichtbar in den Knochen.

Mapfre sucht Schutz, um die Reparatur in 12 Stunden auszuführen.

“Es ist wie in den Bergen. Die Menschen kennen die Risiken, wenn sie sich in großen Höhen bewegen”, sagt Dongfeng-Skipper Charles Caudrelier. “Aber auf See passiert nicht so viel. Deshalb sind wir umso mehr geschockt. Es ist eine Erleichterung Kap Hoorn passiert zu haben. Aber wir denken viel an David (Witt) und sein Team und besonders an John Fishers Familie.”

2000 Meilen sind es noch bis zum Ziel. Scallywag (grau) hat im Westen noch gut 750 Meilen bis zum Landfall vor sich.

Besonders froh ist Dee Caffari nach einer Woche im Sturm die notorische Südspitze von Amerika einigermaßen unbeschadet erreicht zu haben. “Es ist ein wenig wie bei einer stolzen Mutter, die ihre Crew um das Kap geführt hat. So weit südlich waren die meisten von ihnen noch nie. Ich habe sechs Leute an Bord, die noch nie im Southern Ocean waren.

Aber die tragischen Nachrichten in dieser Woche haben uns alle begreifen lassen, wie verletzlich wir hier unten sind, wie feindlich die Umgebung ist, wie schnell Dinge schlimm laufen können und wie wir alle einen Freund verloren haben. Das hat uns alle sehr tief berührt. Deshalb sagen wir: Diese Rundung ist für Fish.”

 

Die Kap Hoorn Rundungen

  • Team Brunel —- 13:01 UTC (Ein Extra-Punkt)

  • Vestas 11th Hour Racing —- 15:01 UTC

  • Dongfeng Race Team —- 15:45 UTC

  • Team AkzoNobel —-17:22 UTC

  • Turn the Tide on Plastic —- 17:35 UTC

  • MAPFRE —- (suspended racing west of Cape Horn)

  • Sun Hung Kai/Scallywag —- (suspended racing)

     

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Carsten Kemmling

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2 Kommentare zu „Volvo Ocean Race: Mapfre hält am Kap Hoorn – Die Flotte hat den Felsen gerundet“

  1. avatar Bee sagt:

    Die Mastspur ist die Schiene, auf der der Mastfuß sitzt zwecks Verrutschen des Mastes nach vorn oder achtern.
    Die Mastrutscherschiene ist achtern am Mast angebracht, auf ihr laufen die Mastrutscher (heute kugelgelagert).
    Wo hat die Delaminierung denn nun stattgefunden?

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  2. avatar Jan Dicks sagt:

    Hallo Bee,

    das mit der Übersetzung ist nicht immer so einfach, es ist die Mastrutscherschiene, siehe… https://youtu.be/ObtrryhTa8g oder schau bei VOR – racing – raw dann siehst du das Video von Mapfre.

    Der Mast steht bei den VO 65 an Deck an einem fixen Punkt, wenn da was delaminiert wird es nix mit einem pitstop.

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