Meinung World Match Race Tour: Warum Katamarane ungeeignet sind und Liga Segeln spannender ist

Auch Folkeboote würden spektakulär aussehen

Die neue M32 World Match Racing Tour hat spektakuläres Segeln hervor gebracht. Aber das liegt mehr an den Bedingungen, als an den Katamaranen. Die treiben in der Wende rückwärts.

M32 wmrt

Kritischer Moment nach dem Ausrollen des Gennakers. © Guy Nowell

Es gab die Diskussion schon vor dem America’s Cup 2013. Kann man mit Katamaranen Match Race segeln? Niemand mochte das glauben. Aber das spannende Duell in San Francisco hat alle überrascht. Die Rennen waren knapp und nicht allein durch Speed geprägt.

Schnellere Manöver für spannenden Cup

Auch taktische Elemente flossen in die Entscheidungen ein. Und es gab auf diesem Gebiet erstaunlich viele Fehler wie auch Glanztaten zu bestaunen. Der Grund dafür liegt in der unerwarteten Entwicklung der Manöver-Technik.

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America’s-Cup-Style. Highspeed-Start beim Anlieger zur ersten Marke. © Guy Nowell

Viel schneller als gedacht, gelang es den Teams während der Halsen auf den Tragflächen zu bleiben und kaum Fahrt zu verlieren. Und so kam es für das hinten liegende Boot nicht allein darauf an, unbedingt die Halsen zu minimieren. Es konnte zum Ende des Vorwindkurses einen so genannten Split generieren, der einen Angriff durch die Rundung der alternativen Gate-Marke erlaubte.

Später schafften es die Cup-Crews dann auch, die Wenden deutlich zu verbessern. Die AC72 wurden durch das exakte Anstellen der Foils im Manöver fast wie bei Rollwenden herumgeworfen. Auch dadurch war es möglich, unterschiedlich auf die Manöver des Gegners, Wind und Strömung zu reagieren.

Durch die Wende foilen

Das ist Segelsport. Es kommt darauf an, Wind-Drehungen und -Stärkenänderungen zu antizipieren und auszunutzen. Und der nächste America’s Cup kann diese Voraussetzungen für spannenden Live Sport möglicherweise auch bieten. Denn die Boote foilen schon am Wind und die Techniker arbeiten intensiv daran,  sie auch durch Wenden foilen zu lassen. Dann könnten die Taktiker, jede kleinste Winddrehung ohne großen Fahrtverlust mitnehmen. Der Live-Sport wäre richtig spannend.

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Kritischer Moment an der Luvtonne wenn die Gennaker ausgerollt werden. © Guy Nowell

An diese Entwicklung will sich auch die World Match Race Tour anlehnen und hat die Katamarane als Waffen gewählt. Strategisch macht das unbedingt Sinn, um die Bedeutung der Tour als Weg zum America’s Cup zu wahren. Aber in Fremantle stellt sich jetzt heraus, dass die Disziplin weit davon entfernt ist, taktische Spannung zu generieren.

Die M32 Katamarane wenden so extrem schlecht im Starkwind vor Perth, dass sie teilweise rückwärts treiben. Katamarane wenden ohnehin schlechter als Monohulls, aber warum man gerade die M32 ohne Vorsegel als Klasse gewählt hat, ist ein Rätsel. Um die Bugspitzen durch den Wind zu drücken rollen die Crews teilweise sogar die Gennaker ein Stück aus.

Wende kostet sechs Bootslängen

Eine Wende kostet gut sechs Bootslängen. Da geht es nur noch darum, dieses Manöver zu vermeiden. Wer die erste Tonne nach dem Speed-Run auf Rang eins rundet, muss sich schon sehr ungeschickt anstellen, um diesen Platz bis zum Ziel nicht zu verteidigen.

Das haben auch schon die America’s Cup World Tour Rennen gezeigt, obwohl die AC45 besser wenden. Aber sie müssen jeweils das Spielfeld bis zur Grenze ausnutzen, um erfolgreich zu sein. Dreher mitnehmen und Ticktack durch die Mitte funktioniert nicht.

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Mächtig Splash downunder. © Guy Nowell

Wenn in Fremantle ab morgen die ersten Match Races über die Bühne gehen, wird sich zeigen, wie diese beim Betrachter ankommen. Taktische Finessen sind kaum zu erwarten. Es wird um die beste Bootsbeherrschung gehen, und da liegen die Teams mit ihren unterschiedlichen Kat-Erfahrungen noch weit auseinander.

Natürlich sind die Bilder aus Australien spektakulär. Die Teams kämpfen am Limit und das sieht immer gut aus. Dafür ist aber allein das Revier verantwortlich. Der Fremantle Doctor liefert ab, wofür er bestellt wurde. Aber bei diesen Bedingungen würden auch Folkeboote ganz toll aussehen.

Liga Rennen würden besser aussehen

Und wie genial würde erst ein Bundesliga-Rennen mit J/70 dort aussehen, wenn die Boote fast gleichzeitig an der Luvmarke ankommen, und es danach zahlreiche Platzierungswechsel gibt. Die größeren Manöver-Optionen machen einfach den Unterschied aus.

Die Flotte beim Start. © Ian Roman/WMRT

Die Flotte beim Start. © Ian Roman/WMRT

Da kommen auch wieder die Starboote ins Spiel. Die Übertragungen in der Star Sailing League sind meistens zu lang, um selbst den interessierten Segler lange am Bildschirm zu halten. Aber die gut wendenden Kielboote können schnell mit Manövern auf Winddrehungen reagieren, und dadurch Überholmanöver kreieren. Deshalb segeln die Flotten oft eng beisammen.

Auch die Übertragungen von der 49er WM waren auf höchstem Niveau unterhaltend. Man könnte durchaus eine solche Klasse mit einer Million Dollar Preisgeld beglücken, und hätte prompt die besten Schnellsegler  und Athleten auf diesem Planeten als Protagonisten dabei.

Andererseits ist diese Diskussion auch irrelevant. Segler müssen zufrieden sein, wenn jemand Geld in ihren Sport pumpt. Und wenn es um genug Geld geht, dass sie vielleicht davon leben können, würden sie auch mit Folkebooten segeln. Die Wahl der Waffen ist ihnen egal.

 

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Carsten Kemmling

Der Mann von der vordersten Front. Mehr zu ihm findest Du hier.
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8 Kommentare zu „World Match Race Tour: Warum Katamarane ungeeignet sind und Liga Segeln spannender ist“

  1. avatar wet rabbit sagt:

    schon mal nen Vogel oder Fisch mit Vorsegel gesehen? Die Fock benutzen nur langsame Mehrrumpfboote zum Wenden. Das Wendeverhalten ist nur von der Rumpfform und ein wenig von den Foils abhängig.
    Wie viele Bootslängen verliert denn ein Starboot in der Wende?
    Das Duell in San Francisco haben einzig die Ingenieure entschieden.

    Heisse Debatte. Was meinst du? Daumen hoch 8 Daumen runter 11

  2. avatar andreas borrink sagt:

    Also da hat offenbar jemand zugeschaut, der vorher schon wusste, dass ihm das nicht gefällt. Ich fand die Rennen hochspannend! Was das Stehenbleiben in den Wenden angeht: Gemach, gemach! Canfield, Willams & Co. sind Monohuller, die lernen noch. Im 2015er M32 Circuit konnten die guten Teams zuletzt fast verlustfrei wenden! Und bei DER Welle vor Fremantle bleiben auch Monohulls in der Wende stehen, wenn man das Timing versemmelt…..

    Was die Live-Kommentare angeht, halte ich mich mal zurück. Nur soviel: Von “knappen Höschen” à la DSBL habe ich nichts gehört und fremdschämen musste ich mich auch nicht. Stattdessen gab es jede Menge qualifizierte Ausführungen zum Geschehen und – analog zum Geschehen – Spannung und Emotion. So geht Segeln kommentieren.

    Ich freue mich schon auf die Matchraces am Wochenende!

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  3. avatar pl_richter.altenh sagt:

    Das Segeln mit monohulls ist aufgrund des zusätzlichen bleitransports natürlich anders. Da ist es klar das es bei einem von Natur aus ineffizienten Boot nicht vordergründig um performance und effektive streckenbewältigung geht. Wer das ewig lange rumgeeier bei star, laser, j70 etc. mag kann sich das ja gerne ansehen, ich erfreuen mich währenddessen lieber an den Aufnahme von performanten booten und den athletischen Leistungen ihrer crew.

    Anders wenn man selber segelt: dann lassen alle Regatten Spannung aufkommen, also rauf aufs Boot und selber segeln!

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  4. avatar Jörg sagt:

    Ich finde es wirklich schade das alles was neu ist runtergemacht wird. Klar ist mit den neuen M32 das klassische Matchracing geschichte, aber das sind die 12er auch. Weiterhin hat Kevlar, Dacron abgelöst was alle glücklich gemacht hat. Was mir fehlt – und das betrifft nicht nur diesen Artikel – das ist die Begeisterung in diesem Land und vor allem die Begeisterung der Segler für ihren Sport den sie angeblich so lieben. Aber was tun sie, sie bremsen und sorgen so dafür das Deutschland im Internationalen Regattageschäft nicht mehr existent ist. Diese Einstellung das Katamarane nicht für den Americas Cup taugen und das Einhandsegeln unseemännisch ist, das ist toxisch für unseren Sport. Und wir sollten uns über wirklich jede Veränderung freuen die Junge Leute in den Sport bringt, und das sind nun mal die fliegenden Kats beim AC die Open 60 und die M32 der Match Race Tour und nicht die J 70 die bei der Bundesliga auf dem Wannsee oder der Alster segeln. Das ist super Club Sport und auch sehr anspruchsvoll aber nichts was Segler zum träumen bringt und Nicht Segler zum Segeln bringt. Ich würde mich freuen wenn die Segler so sehr hinter ihrem Sport stehen würden wie die Curler und nicht jeder den Standpunkt vertritt ich segel die XY Klasse und der Rest ist doof… diese Einstellung hat unser Sport nicht verdient!!!

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  5. avatar dubblebubble sagt:

    die M32 finde ich auch nicht so prickelnd, aber die öden Bundesliga-Events… na ja… das Feedback hier – fast immer null – sagt genug dazu. Als Aktiver sieht man das natürlich anders.

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  6. avatar horst sagt:

    Jeder darf seine Meinung haben. Nur nicht bei Folkebooten. Da hört der Spaß auf. Aus dem Holz hätte man so viel schöne Sachen bauen können. Aber was wurde draus? Eine völlig überbewertete Pädagogen-Bleiente, die sogar H-Booten nur im Weg rumstehen.

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    • avatar Genussegler sagt:

      Nenene, umgekehrt wird ein Schuh daraus, aus den ganzen Holzköpfen hätte man noch so viele Holzfolkes bauen können…

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  7. avatar Manfred sagt:

    Naja, vielleicht hat sich der Verfasser dieses, in meinen Augen unqualifizierten Artikels, die letzten M32 Match Races angeschaut und sieht nun, dass das “Matchen” eben doch sehr gut geht, dazu sau spannend ist, mit Führungswechseln und Drama. Ich bin jedenfalls konvertiert und fand es gut und das wird es auch bei weniger Wind sein.

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