World Sailing: Olympiaklassen jetzt doch wieder auf dem Prüfstein – IOC übt Druck aus

Diskussion eröffnet

Eigentlich sollten die Olympiaklassen für Tokio 2020 bestehen bleiben. Aber nun wird wieder diskutiert. Kommt jetzt doch das Kitesurfen schneller als erwartet?

Kitesurfen, Olympia

Die Kitesurfer waren schon fast in Rio olympisch dabei. Wird es nun schon 2020?

Nach den hitzigen unübersichtlichen Diskussionen der vergangenen Jahre beim Weltseglerverband um die Olympiaklassen, die mit dem Rauswurf des Starbootes endeten und der on/off-Berufung des Kitesurfens, sollten die Klassen für Tokio 2020 bestehen bleiben. So lautete der Beschluss. Das entsprach dem allgemeinen Wunsch nach Ruhe und Planungssicherheit.

Aber nun kommt unerwartet wieder Bewegung in das Thema. Der Klassenboss der 49er berichtet, dass die Delegierten bei der World Sailing Mid-Year-Conference  am Wochenende in der Schweiz mit der “Vision 2020” des IOC-Event-Direktors Kit McConnell konfrontiert wurden.

Der möchte die Diskussion um die Segeldisziplinen wieder eröffnen. Daraufhin bat das Gremium World Sailing Executive das World Sailing Council um eine elektronische Abstimmung, die in den nächsten Wochen darüber entscheiden soll, ob tatsächlich über neue Disziplinen für 2020 diskutiert werden kann.

Kitesurfen, WM 2013

Start bei der Kitesurf WM .111 Piloten in drei Gruppen. © Alexandru Baranescu

75 Prozent der Stimmberechtigten müssen dafür sein. Es kann aber auch sein, dass das IOC auch ohne positiven Entschluss des Segelverbandes selber eine Entscheidung über den Kopf des Weltverbandes hinweg fällt.

Nacras sollen foilen

Dabei gibt es schon einige Innovationen, die World Sailing in Angriff nehmen möchte. So ist der Umbau der Nacra 17 zu einem echten Foiler schon beschlossen. Darüberhinaus wollen die Katamarane auch die neuen America’s Cup-Raumschots-Starts adaptieren.

Außerdem wollen die RSX Surfer neues Material und Format, und auch die abgeschmetterten “Theatre Style”-Rennen der 49er stehen wieder auf der Liste.  Es geht darum, die Anforderungen des IOC nach einer besseren Außenwirkung zu erfüllen.

So soll es starke Tendenzen im IOC geben das Kitesurfen als feste Olympiaklasse zu installieren. Bisher ist es nach dem unsäglichen hin-und-her für 2020 nur als Show-Event vorgesegehen. Wenn die Kiter aber kommen, muss dafür eine andere Disziplin weichen. Denn das IOC wird nicht mehr als zehn erlauben.

Bei der Sitzung in der Schweiz wurde auch weiter an dem bisher sehr schwierig gestarteten Weltcup-Konzept geschraubt. So soll wohl nur noch in Hyères und Weymouth Weltcup-Status erlangen, Miami ist raus. Möglicherweise solle eine Regatta in Japan dazu kommen. Das Finale ist in Melbourne geplant.

Tipp: Felix Weidling

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Carsten Kemmling

Der Mann von der vordersten Front. Mehr zu ihm findest Du hier.
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18 Kommentare zu „World Sailing: Olympiaklassen jetzt doch wieder auf dem Prüfstein – IOC übt Druck aus“

  1. avatar Fastnetwinner sagt:

    Die Diskussion ist ja relativ einfach. Segeln ist die teuerste olympische Sportart, da ist es sicherlich gut, etwas kleiner zu werden. Ausserdem sind die Nicht-olympischen Klassen eh’ meist attraktiver. Mein Vorschlag:

    – Finn-Dinghy für echte Männer
    – Laser Std&Rad für den leichten Herren und die sportliche Dame
    – Nacra auf Foils als Mixed
    – Entweder 470er oder 49er(FX) für Medizinstudenten. Eigentlich müsste es laut größer der Weltrangliste der 470er sein. 49er ist allerdings medial schicker. Beides zu behalten macht keinen Sinn
    – Kiten auf Foils für w&w

    Macht 8 Klassen, wo für jeden was dabei ist. Oder soll die Motte noch mit rein? Mehr braucht es nicht. Das Starboot muss nicht wieder rein. Das kostet zu viel. Ausserdem haben die mit ihrer neuen Champions-Liga etwas viel besseres.

    Super Beitrag, mehr davon! Like or Dislike: Daumen hoch 6 Daumen runter 0

    • avatar Fakt sagt:

      Wenn die Olympischen Spiele etwas mit Sport und der “Jugend der Welt ” zu tun haben sollen, muss der 49er, der keine breitensportliche Basis hat, leider rausfliegen.

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      • avatar GER308 sagt:

        aber die Jugend wollen ehr 29er als 420. Außerhalb Europa Segelt so wie so keine 420 und die einzige die 470 segeln, segeln nur für Olympische Campagins und dann steigen aus.

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        • avatar Fakt sagt:

          29er – 70 Mannschaften mit 9 Wertungen in der Rangliste
          420er – 213 Mannschaften mit 9 Wertungen

          Der 470er sollte viellicht einmal etwas modernisiert werden:
          470er – 56 Mannschaften mit 9 Wertungen

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        • avatar Szene-Kenner sagt:

          Das Taifun-Kanu wird olympisch!

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        • avatar Afterguard sagt:

          Letzte WM im 420er:
          1. JPN, 2. USA, 3.HKG . Selbst wenn man HKG weiterhin als britische Kolonie betrachtet, würde ich Japan und die USA eher außerhalb Europas verorten, wie auch Argentinien und Brasilien, Singapur, Australien und Neuseeland. Richtig ist, dass kaum jemand in Afrika 420er seglet. Allerdings segelt da ohenhin kaum jemand.

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      • avatar Pete sagt:

        nach der Logik muss auch Stabhochsprung, Hochsprung, 100m laufen, 10-Kampf, 200m Schmetterling Schwimmen und noch so einiges ‘raus, denen fehlt allen die breitensportliche Basis; von Rhythmischer Sportgymnastik und Synchronschwimmen will ich gar nicht erst anfangen.

        Heisse Debatte. Was meinst du? Daumen hoch 5 Daumen runter 3

        • avatar Fakt sagt:

          Leicht- und Schwerathletik sowie der Fünfkampf gehörten schon in der Antike dazu, ebenso die Pferdesportarten.
          Das Segeln zählt jedoch zu den Sportarten ohne weltweite Verbreitung, so dass man die stärkeren, preisgünstigen Klassen wie z.B. den Laser bevorzugen sollte.

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          • avatar thorsten sagt:

            Ringen war übrigens auch ziemlich lange dabei 😉
            Segeln ist nicht weltweit verbreitet?

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          • avatar Fakt sagt:

            @ Thorsten

            “Segeln ist nicht weltweit verbreitet?”

            Wikipedia sagt:
            Die Dritte Welt umfasst eine Gruppe von etwa 130 wirtschaftlich unterentwickelten Staaten, die sich vorwiegend auf der Südhalbkugel unserer Erde befinden und Defizite im Bereich der Gesundheit, der Bildung, des Sozialwesens, der Infrastruktur sowie in der Politik aufweisen. Diese Staaten werden als Entwicklungsländer bezeichnet und umfassen rund 76 Prozent der Weltbevölkerung.”

            130 von 194 Ländern sind Entwicklungsländer. wo sich also kaum jemand ein Regatta-Segelboot leisten kann.

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          • avatar thorsten sagt:

            Stimmt natürlich.
            Rudern, Hockey und Bobfahren sind da deutlich verbreiteter..

            Natürlich ist Segeln weltweit verbreitet – und klar gibt es auch Regionen, in denen nicht gesegelt, springgeritten, synchrongeschwommen oder degengefochten wird, aus welchen Gründen auch immer. Das ist aber doch kein Widerspruch..

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    • avatar C.H. sagt:

      Das mit der teuersten olympischen Sportart würde ich so nicht stehen lassen (auch wenn ich keine Zahlen habe). Aber der hier angesprochene Pferdesport dürfte sicher nicht billiger sein. Für ein konkurrenzfähiges Turnierpferd bekomme ich sicherlich diverse Boote der olympischen Klassen. Eine entsprechende Arena braucht für unseren Sport auch keiner zu bauen; ein paar Tonnen sind jedenfalls billiger:-)

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      • avatar Fakt sagt:

        Die Pferdesportarten waren schon in der Antike dabei und werden daher auch in Zukunft olympisch sein. Die elitäre Segelei steht dagegen auf dem Prüfstand !

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        • avatar Afterguard sagt:

          Ringen war auch schon in der Antike dabei und ist dennoch rausgeflogen.

          Alles ist dem Wandel unterworfen! Alle Gründe für die eine oder andere Sportart sind mehr oder weniger konstruiert und von Lobbys beeinflusst. Die primären Gründe heutiger Zeit sind kommerzieller “Natur” – was lässt sich gut verkaufen, bringt genügend Einschaltquoten und ist planbar für Werbeblöcke.

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        • avatar Pete sagt:

          “waren schon in der Antike dabei und werden daher auch in Zukunft olympisch sein”
          also genauso wie Ringen, das einer der ersten antiken olympischen Sportarten war, viel eher als antike Pferderennen mit Wagen, die ja auch nicht wirklich mehr olympisch sind.
          Segeln ist sicher nicht der populärste Sport weltweit, und auch nicht der billigste, stand aber bei den letzten Entscheidungen wer ‘rausfliegt nicht oben auf der Liste, das waren dann eben Ringen und moderner Fünfkampf etc.
          Und was Verbreitung in armen Ländern angeht, dann braucht man ausser Laufen eigentlich gar keine andere Sportart mehr zu haben: Schwimmen? Dann such’ mal ausserhalb von Europa nach Trainingstauglichen Schwimmbädern, Reiten, Radfahren etc: Material und Trainingsplätze so teuer, da ist Segeln lächerlich billig dagegen.
          Wenn man mal die Teilnehmenden Länder anschaut, ist Segeln ziemlich gut dabei, wieviele Nationen segeln mit; 50 – 60? wieviele Nationen sind bei Radfahren, allen Pferdesportarten, Schwimmen oder sogar Leichtathletik dabei?
          Segeln ist in den modernen olympischen Disziplinen eine der ältesten und eigentlich recht sicher dabei, wenn irgendwelche Funktionäre es nicht total verdaddeln – vor allem, weil die Segler die olympischen Spiele noch ernst nehmen, nicht wie Golf, Tennis, Rugby, Basketball etc, wo die Top Sportler oft gar nicht antreten.

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  2. avatar Manfred sagt:

    Den Lobbyismus und die Kommerzialisierung kann man schon darin sehen, das jeweils zwei (2) Boote derselben Klasse (mit leichten Rigg Unterschieden) von den entsprechenden Herstellern mit vielleicht 2 Lizenznehmern hergestellt werden. Die OK Jolle, nur als Beispiel genannt und um die Diskussion anzuregen, als Alternative zum zweiten Laser könnte z.B. auch in Schwellenländern hergestellt werden und würde damit der Verbreitung des Segelsports helfen. Auch eine Stitch & Glue Skiffklasse wäre leicht herzustellen und würde den Aufstieg und der Wirtschaft in solchen Ländern helfen.

    Ich habe es nie verstanden, wieso die ISAF (jetzt WS) sich so hat über die Back ziehen lassen.

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