Wild an die Kaimauer schlagende Boote, chaotisches Durcheinander in Häfen, zahlreiche beschädigte Yachten – Das, was sich gerade in der Türkei abspielte, hat einen Namen: Lodos. Was steckt hinter diesem tückischen Mittelmeerwind?

Der Lodos-Wind, der vor wenigen Tagen über den Raum Istanbul und das Marmarameer hinwegzog, trat im Winterhalbjahr auf, also in einer für das Wetterphänomen typischen Zeit. Betroffen waren vor allem die südwestlich exponierten Küstenabschnitte sowie Hafen- und Marinaanlagen entlang des Marmarameers und des Bosporus.
Der Wind setzte nicht schlagartig ein, verstärkte sich jedoch im Verlauf deutlich und erreichte in Böen Sturmstärke. Begleitet wurde er von starkem Regen und eingeschränkter Sicht, was als typisches Merkmal des Windes gilt. Der Lodos ist kein eigenständiger meteorologischer Fachbegriff im internationalen Sinn, sondern ein regionaler Name.
In der allgemeinen Meteorologie wird er schlicht als südwestlicher Wind beschrieben. In Wetterkarten und Vorhersagen erscheint er daher meist nur als „Southwesterly“ ohne eigenen Namen. Im türkischen und mediterranen Sprachraum gehört der Lodos jedoch zu einem traditionellen System benannter Winde, ähnlich wie Mistral oder Bora. Innerhalb dieses Systems wird er teils auch als „Güneybatı rüzgârı“ bezeichnet, was wörtlich ebenfalls nichts anderes als Südwestwind bedeutet. Eine weitere gebräuchliche Umschreibung ist „Kıble Lodosu“, die auf seine warme Herkunft aus südlichen Richtungen anspielt.
Zahlreiche Schäden
In der vergangenen Woche führte der Lodos zu einer Reihe massiver Schäden bei Häfen, Booten und Yachten. Festmacher gaben nach oder arbeiteten sich los, Boote schlugen wiederholt gegen Stege, Kaimauern oder benachbarte Fahrzeuge. In einigen Hafenbecken lief die Welle so ungünstig ein, dass sich die Yachten so stark bewegten, dass Leinen und Klampen brachen. Teilweise kam es zum Wassereinbruch, vereinzelt sanken Boote am Liegeplatz oder kenterten. Die Auswirkungen sind in zahlreichen Videos in sozialen Netzwerken dokumentiert, die das Geschehen in Marinas und an offenen Liegeplätzen zeigen.
Großräumige Druckverteilung – so entsteht ein Lodos
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