Mittelmeer-Sturm verwüstet Häfen: „Kıble Lodosu“ – der Wind, der sich oft nicht ankündigt

Zerstörerischer „Southwesterly“

Wild an die Kaimauer schlagende Boote, chaotisches Durcheinander in Häfen, zahlreiche beschädigte Yachten – Das, was sich gerade in der Türkei abspielte, hat einen Namen: Lodos. Was steckt hinter diesem tückischen Mittelmeerwind?

Schwere Schäden hinterlassen: Lodos in der Türkei. © Facebook (nachbearbeitet)

Der Lodos-Wind, der vor wenigen Tagen über den Raum Istanbul und das Marmarameer hinwegzog, trat im Winterhalbjahr auf, also in einer für das Wetterphänomen typischen Zeit. Betroffen waren vor allem die südwestlich exponierten Küstenabschnitte sowie Hafen- und Marinaanlagen entlang des Marmarameers und des Bosporus.

Der Wind setzte nicht schlagartig ein, verstärkte sich jedoch im Verlauf deutlich und erreichte in Böen Sturmstärke. Begleitet wurde er von starkem Regen und eingeschränkter Sicht, was als typisches Merkmal des Windes gilt. Der Lodos ist kein eigenständiger meteorologischer Fachbegriff im internationalen Sinn, sondern ein regionaler Name. 

In der allgemeinen Meteorologie wird er schlicht als südwestlicher Wind beschrieben. In Wetterkarten und Vorhersagen erscheint er daher meist nur als „Southwesterly“ ohne eigenen Namen. Im türkischen und mediterranen Sprachraum gehört der Lodos jedoch zu einem traditionellen System benannter Winde, ähnlich wie Mistral oder Bora. Innerhalb dieses Systems wird er teils auch als „Güneybatı rüzgârı“ bezeichnet, was wörtlich ebenfalls nichts anderes als Südwestwind bedeutet. Eine weitere gebräuchliche Umschreibung ist „Kıble Lodosu“, die auf seine warme Herkunft aus südlichen Richtungen anspielt. 

Zahlreiche Schäden

In der vergangenen Woche führte der Lodos zu einer Reihe massiver Schäden bei Häfen, Booten und Yachten. Festmacher gaben nach oder arbeiteten sich los, Boote schlugen wiederholt gegen Stege, Kaimauern oder benachbarte Fahrzeuge. In einigen Hafenbecken lief die Welle so ungünstig ein, dass sich die Yachten so stark bewegten, dass Leinen und Klampen brachen. Teilweise kam es zum Wassereinbruch, vereinzelt sanken Boote am Liegeplatz oder kenterten. Die Auswirkungen sind in zahlreichen Videos in sozialen Netzwerken dokumentiert, die das Geschehen in Marinas und an offenen Liegeplätzen zeigen.

Großräumige Druckverteilung – so entsteht ein Lodos

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Eine Antwort zu „Mittelmeer-Sturm verwüstet Häfen: „Kıble Lodosu“ – der Wind, der sich oft nicht ankündigt“

  1. Volker König

    sagt:

    Vor dem “ Lodos“ kann man nicht genug warnen. Vor Jahren sind zB.¹ zwei Yachten Yachten in der “ Schmetterlingsbucht“ an der türkischen Küste zerstört worden. War auch öfter in dieser Bucht. Man läuft durch eine enge Einfahrt zwischen hohen Felsen ein, dann eröffnen sich an backbord (nach Norden)und steuerbord ( nach Süden)je eine tiefe, schmale Bucht. Jeweils mit einer Taverne im Scheitel. Die Tavernen haben Bojen ausgelegt. Beide Buchten wirken total geschützt.
    In der Nordbucht sind bei einem plötzlich auftretenden Lodos zwei Yachte. zerstört worden. Die Crews, die in der Taverne beim Essen waren, haben es wegen der Brandung nicht mehr aufs Schiff geschafft und konnten beim Vercharterer nur noch die Bootsschlüssel zurückgeben.
    Wenn man die Bucht kennt hält man es nicht für möglich, dass der Lodos von Süden durch die enge Einfahrt so zuschlagen konnte.

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