SailGP Crash Untersuchung: Datenanalyse zeigt komplexe Abfolge des Kontrollverlusts

Keine Hinweise auf Fehlfunktionen

SailGP hat kurz vor dem Start zum dritten Saison-Event am Wochenende in Sydney erste Ergebnisse der technischen Untersuchung der Kollision zwischen den Black Foils und Team France bei der Regatta in Auckland veröffentlicht.

SailGP hat in einer Veröffentlichung über die Untersuchung berichtet. Hier der bearbeitete Inhalt: 

Der Vorfall ereignete sich zu Beginn des dritten Rennens am Eröffnungstag der Veranstaltung, als der neuseeländische F50 bei hoher Geschwindigkeit die Kontrolle verlor, während er sich der ersten Marke näherte, und dann scharf vor den Bug des französischen F50-Katamarans drehte. Beide Boote wurden erheblich beschädigt, zwei Athleten wurden bei dem Unfall verletzt.

Nach dem Vorfall führten die Ingenieurteams von SailGP eine detaillierte Untersuchung durch, bei der Hochgeschwindigkeits-Leistungsdaten, Bordtelemetrie, Simulator-Nachstellungen und Videoanalysen verwendet wurden, um genau zu verstehen, was passiert ist.

Die Analyse ergibt, dass der neuseeländische F50 mit einer Geschwindigkeit von 90 km/h auf Mark 1 zusteuerte, als er während des ersten Schenkels im Rennen von einer Windböe getroffen wurde. Dieser plötzliche Anstieg der Windgeschwindigkeit führte zu einer raschen Beschleunigung des Bootes, wodurch der Auftrieb der Tragflügel zunahm und sich die Flughöhe des Bootes erhöhte.

Alex Reid, Director of Performance Engineering bei SailGP, sagt, dass die Kombination aus Geschwindigkeit, Böenbedingungen und Flügel-Ventilierung eine hochdynamische Sequenz erzeugte, die sich innerhalb von Sekunden entwickelte. „Die Daten zeigen, dass das Boot schnell beschleunigte und sich hoch auf seine Tragflügel hob. Als der Leeflügel die Wasseroberfläche durchbrach, rutschte das Boot seitlich ab. Das erzeugte bei dem Flügel unerwünschten Auftrieb durch Abdrift statt durch Neigung.

An diesem Punkt änderte sich die Dynamik des Bootes sehr schnell. Die Steuerbefehle des Flight Controllers wurden weiterhin ausgeführt, aber wir glauben, dass die Physik des Rutschens dazu führte, dass das Boot nicht rechtzeitig abgebremst werden konnte.“

© Iain McGregor for SailGP
Der Moment, als die Kiwis mit dem Luvrumpf ins Wasser tauchen. Kurz danach drehen sie scharf nach Luv und es kommt zur Kollision. © Iain McGregor for SailGP

Als es zu dem seitlichen Abrutschen kam, vergrößerte sich der Ruderwinkel erheblich, weil Steuermann Peter Burling nach Luv drehte und die Crew versuchte, die Kontrolle zurückzugewinnen, um dem italienischen Boot in Lee auszuweichen. Das Ruder verlor jedoch kurzzeitig seine Wirksamkeit, bevor es wieder Grip bekam und der luvwärtige Bug eintauchte. Dadurch drehte das Boot scharf in den Wind und verlor schnell an Geschwindigkeit. Da der französische F50 mit hoher Geschwindigkeit dicht hinterherfuhr, fehlten Zeit und Abstand, um eine Kollision zu vermeiden.

Die Analyse der Hochgeschwindigkeits-Leistungsdaten und der Bordsysteme zeigt keine Anzeichen für ein abnormales Systemverhalten oder einen strukturellen Defekt vor dem Vorfall. Stattdessen kommt man zu dem Schluss, dass die Kollision auf eine schnelle hydrodynamische Kontrollverlustsequenz zurückzuführen ist, die durch das Ventilieren der Tragflügel während des Fluges bei böigen Bedingungen ausgelöst wurde.

Die ineinander verkeilten Boote. ©Simon Bruty for SailGP

„Es gibt keine Hinweise auf einen mechanischen oder Softwarefehler in den Systemen, der zu dem Vorfall geführt hat“, sagt Reid. „Was wir in den Daten sehen, war eine sehr schnelle Abfolge von aerodynamischen und hydrodynamischen Ereignissen, die das Boot über seine kontrollierbaren Grenzen hinausgetrieben haben.“

Im Rahmen ihres laufenden Überprüfungsprozesses bewerten die Ingenieure von SailGP Maßnahmen, die der Crew helfen könnten, ähnliche Szenarien in Zukunft besser zu bewältigen. Lösungen werden gemeinsam mit den SailGP-Athleten vor dem KPMG Australia Sail Grand Prix an diesem Wochenende und darüber hinaus untersucht.

Eine Anhörung zur Überprüfung der Strafe bestätigte die ursprüngliche Entscheidung, dass Neuseeland gegen Regel 14 (Vermeidung von Kontakt) verstoßen hat, was zu einer Strafe von acht Punkten für das Event führte. Frankreich dagegen hatte keine vernünftige Möglichkeit, die Kollision zu vermeiden.

SailGP bestätigte zuvor, dass sowohl das neuseeländische als auch das französische Team den bevorstehenden KPMG Sydney Sail Grand Prix verpassen werden, da die Reparaturen noch andauern. Es werde daran gearbeitet, beide Teams so schnell wie möglich wieder ins Rennen zu bringen.

Bei Southern Spars in Neuseeland werden die beiden intakten Rümpfe zu einem funktionierenden Katamaran zusammengebaut. © Southern Spars

Am Samstag startet die Übertragung des SailGP in Sydney um 7:30 in der Frühe. Es werden nur 11 Boote am Start sein, da die Franzosen und Neuseeländer nach dem Crash keine funktionstüchtigen Boote zur Verfügung haben. Zwar wird aktuell aus den Teilen beider F50 ein Katamaran für Frankreich zusammengebaut. Es wird aber nicht rechtzeitig zum Start fertig. 

Am 11./12. April in Rio sollte dann den Franzosen das Boot wieder zur Verfügung stehen. Über eine erhoffte Erstattung für die am Wochenende verlorenen Punkte in Sydney gibt es bisher keine Informationen. Auch ist noch nicht klar, wie die Kiwis zu einem neuen F50 kommen sollen.

Die Übertragung:

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