Kein Ruder, keine Kajüte, kein Motor – aber jede Menge „Gegenwind“: Costa und Cañardo kämpfen sich auf ihren offenen Katamaranen durch Patagonien. Auf ihren Patín a Vela stürzen sich die beiden Einhandsegler in ein Abenteuer, das diesen noch Namen verdient hat.

Der zähe Behördenzirkus in Chile ist fürs Erste abgehakt, das eigentliche Abenteuer hat endlich begonnen: Dídac Costa und Guillermo Cañardo sind mit ihrem Projekt „Patagonia en Patín a Vela“ endlich losgekommen. Und sie haben inzwischen einen ersten markanten Punkt ihrer eineinhalb Tausend Seemeilen langen Route erreicht: Nach 35 Tagen meldeten sie die Ankunft in der Laguna San Rafael.
Damit ist aus dem Projekt, das bürokratisch zäh und träge begann, nun tatsächlich jenes ruderlose Abenteuer unter Segeln geworden, das von Anfang an so verrückt klang: zwei erfahrene Hochseesegler, jeder auf seinem eigenen offenen Patín a Vela, auf dem Weg durch die chilenische und patagonische Wasserwelt nach Süden. Jeder steuert sein Boot allein, doch Vorbereitung, Taktik, Routenwahl und der gesamte Expeditionscharakter sind Teamarbeit. Genau diese Mischung macht den Törn so speziell: zwei typische Solisten sind „gemeinsam einsam“ in der irren Wildnis Patagoniens.
Ohne Ruder durch die Wildnis – kann das klappen?
Der Patín a Vela ist (im Besonderen) für diese Gegend ein fast absurd wirkendes Fahrzeug. Das katalanische Boot ist 5,60 Meter lang,1,60 Meter breit, wiegt ungefähr 90 Kilogramm und hat weder Kajüte, noch Motor – so weit, so unspektakulär – jedoch auch kein Ruder und Schwert. Gesteuert wird allein über Gewichtsverlagerung und Segeltrimm.
Facebook-Video von Didac Costa in Patagonien
Auf einem sommerlichen Küstentörn vor Barcelona ist das schon eigenwillig genug. In Patagonien, zwischen Fjorden, Kälte, Eiswasser, Fallböen, Dauerregen und Pazifikdünung, wirkt ein solches Boot etwas fehl am Platze. Denn alles, was auf größeren Booten Stabilität, Reserve oder Schutzraum schafft, sucht man auf der Patin a Vela vergebens. Was für die einen – eben die Protagonisten dieses Abenteuers – überhaupt erst den Reiz ausmacht, ist für andere, die sich mit dem Prinzip dieser Boote nie auseinandergesetzt haben, nichts anderes als Irrsinn.

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