Müll im Meer: Boyan Slat und Ocean Cleanup – Ernüchterung im Pazifik, Fortschritte in den Flüssen

Im Ozean zäh, im Fluss stark

Was ist eigentlich aus Boyan Slat und seinem Ocean Cleanup geworden? Nach eher „geldvernichtenden“ Experimenten im Pazifik mit schwachen Resultaten, fischen der Niederländer und seine Organisation nun in besonders verdreckten Flüssen nach Plastik und sonstigem Müll. Mit deutlich größerem Erfolg – bei gleichem Ziel: saubere Weltmeere!

Als Boyan Slat vor über zehn Jahren mit der Idee antrat, den Plastikmüll in den Weltmeeren und im Besonderen die Müllstrudel der Ozeane mit vergleichsweise einfachem, technischem Gerät abzuschöpfen, war die Aufregung groß. Ein smart wirkender Niederländer, damals gerade mal 18 Jahre jung, machte endlich (!) Nägel mit Köpfen und nahm sich eines der wichtigsten umweltspezifischen Themen an. Im Rückblick ist es erstaunlich, wie Slat mit seinem manchmal an Naivität grenzenden Charisma ganze wissenschaftliche Kreise, mehrere Mäzene und sogar die niederländische Regierung für sich und seine Idee begeistern konnte. Im Nu waren er und seine Non-Profit-Organisation Ocean Cleanup so etwas wie „Stars der Umweltszene“. Auch SR berichtete mehrfach über die Fortschritte und Teilerfolge der Ocean-Cleanup-Projekte.

Heute werden Boyan Slat und seine Ideen jedoch etwas nüchterner dargestellt. Vorbei die Zeiten, da er große Medienaufmerksamkeit auf sich zog, wenn er etwa bei der UN in New York vorsprach oder UN-nahe Organisationen für sich einnehmen konnte. The Ocean Cleanup ist jedoch längst nicht verschwunden, im Gegenteil: Die Organisation ist mittlerweile international stärker vernetzt, technisch professioneller und operativ breiter aufgestellt als in ihrer Pionierphase. Doch zugleich hat sich der Aktionsschwerpunkt deutlich verschoben. Aus der ursprünglichen Weltmeere-Säuberungs-Vision mit Fokus auf den medienträchtigen pazfiischen Müllstrudel ist zunehmend ein zweigleisiges System geworden: Weiterhin Altlasten respektive Müll im Ozean bergen – vor allem aber den Zufluss von Müll in eben diese Ozeane stoppen.

Die Idee: Müll aus den Weltmeeren fischen

Im Mittelpunkt stand zunächst der Great Pacific Garbage Patch (Müllstrudel im Pazifik) zwischen Hawaii und Kalifornien. Dort setzt The Ocean Cleanup heute auf System 03, ein mehrere Kilometer breites Schleppsystem, das treibenden Plastikmüll an der Oberfläche konzentriert und schließlich von Begleit- und Versorgungsschiffen abgeschöpft wird um an Land umweltgerecht entsorgt oder recycelt zu werden. Nach Angaben der Organisation wurden im Pazifik in den vergangenen Jahren zwar deutliche technische Fortschritte erzielt. Die Größenordnung bleibt aber gemessen an den frühen Erwartungen gelinde gesagt überschaubar: Im September 2024 erklärte selbst The Ocean Cleanup, in den vorangegangenen drei Jahren seien im Great Pacific Garbage Patch rund 450 Tonnen Müll entfernt worden – das entspreche nur rund 0,5 Prozent des dort angesammelten Mülls.

 

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© ocean cleanup

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