Globe40: 600 Meilen Vorsprung geschmolzen – erneut Nahkampf, diesmal vor Recife?

Schon wieder ein Fotofinish?

Crédit Mutuel schien auf der fünften Etappe nach Recife schon enteilt. Doch vor der brasilianischen Küste ist der riesige Vorsprung fast komplett aufgebraucht. Wieder läuft alles auf einen Globe40-Krimi hinaus.

Kommt es wieder zu einem „Nahkampf“? © globe 40

Seit der Aufgabe der beiden deutschen Teilnehmer Lennart Burke und Melwin Fink während der dritten Etappe, ist die Globe 40 für Fans, die Hochseeregatten gerne durch die „deutsche Brille“ betrachten, eher weniger interessant geworden. Dabei bieten die verbliebenen sieben Duos an Bord ihrer Class 40 eine bei Weltumseglungen eher untypische, echte Regatta-„Suspense“: Positionskämpfe über Hunderte Seemeilen hinweg, Aufholjagden, die es in sich haben, und als Krönung Etappen-Zieleinläufe im Minutenabstand – nach Tausenden Seemeilen harten Segelns auf den kernigsten Ozeanen unseres Planeten.
Und wieder steht allen Fans, vor allem aber den segelnden Protagonisten an der Spitze der (weit auseinander gezogenen) Flotte ein wahrer Nervenkrieg bevor.

Duell vor Südamerika

Auf der fünften Etappe von Valparaíso nach Recife sah Crédit Mutuel mit Ian Lipinski und Antoine Carpentier lange wie der sichere Sieger aus. Nach dem Start hatten die Franzosen ihren Vorsprung zeitweise auf rund 600 Meilen ausgebaut. Kap Hoorn rundeten sie als erste am 26. Februar um 13:03 UTC. Doch auf dem langen Weg durch den Südatlantik Richtung Etappenziel Brasilien änderte sich die Lage eklatant.

Die Belgier haben stark aufgeholt – von 600 auf 12 © globe40

Schon die offiziellen Globe40-Meldungen der vergangenen Tage ließen ahnen, was sich da zusammenbraut. Zunächst fiel der Abstand auf 320 Meilen, dann auf 235 Meilen. Nun ist vom französischen Polster fast nichts mehr übrig: Nur noch 21 Meilen trennten Crédit Mutuel und Belgium Ocean Racing/Curium zuletzt. Die Belgier mit Jonas Gerckens und Corentin Douguet haben sich damit aus einer scheinbar aussichtslosen Position zurück in Schlagdistanz gearbeitet.

Gesiegt wird auf der Ziellinie … © globe 40

Das Bittere für Lipinski und Carpentier: Fehler haben sie keine gemacht. Vielmehr steckten sie in einem dieser typischen meteorologischen Systeme vor Südamerika fest, die alles bieten, bloß keine Vorhersehbarkeit oder sichere Vorhersagen. Vor Capo Frio nördlich von Rio gerieten die Führenden in eine Leichtwind- und später Flautenzone, während die Verfolger von hinten mit dem besseren Überblick auf die Entwicklung reagieren konnten. Genau darin liegt der besondere Reiz – und die Grausamkeit – eines Rennens um die Welt: Wer vorn segelt, muss zuerst in die Falle hineinfahren. Wer hinten liegt, sieht oft besser, wo sie zuschnappt. Und dass dies ausgerechnet Lipinski passierte, der in der Szene aufgrund seiner Erfahrung im Segelflug als „Wolkenleser“ gilt, dürfte ihn besonders ärgern.

 

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