Orca Marine Navigation: Routing in der Praxis – zweite Runde der Erfahrungsreihe

Das System erstellt die Route, gesegelt wird sie vom Menschen

Der zweite Teil unserer Reihe, in der Segler über ihre Erfahrungen mit Orca Marine Navigation berichten. Heute sprechen wir über die Möglichkeiten des Routings von Orca. Was ist gut? Wie gut funktioniert das Wetterrouting für Segler? Welche Kritik gibt es?

Erfahrungsrunde über Orca

 

Teilnehmer: Oliver Ochse (Balearen, Archambault M 34) , Mike Peuker (Ostsee, Comfortina 32) , Thorben Raffel (Ostsee, Elan 350) , Stephan Boden (Ostsee, 20er Jollenkreuzer), Carsten Kemmling (verschiedene Boote und Reviere)

 

Unterschiedliche Möglichkeiten des Routings mit Orca

In der nächsten Runde der Erfahrungsreihe mit Seglern aus der Praxis rückt ein Thema in den Mittelpunkt, das über Komfort und Sicherheit gleichermaßen entscheidet: Routing. Wieder treffen unterschiedliche Reviere, Erfahrungsstände und Herangehensweisen aufeinander – von der dänischen Südsee bis zu den Balearen, vom Jollenkreuzer bis zur Performance-Yacht. Es zeigt sich; Orca kann viel, bietet viele Möglichkeiten und Funktionen, die aber auch eines sind: Werkzeuge, die richtig eingesetzt werden wollen.

Schon beim Einstieg wird deutlich, wie unterschiedlich die Ausgangspunkte sind. Während einige früher schlicht mit Wegpunkten oder Peilungslinien gearbeitet haben, hat sich mit Orca eine neue Ebene etabliert. Das Wetterrouting für Segler ist ein Gamechanger. Das beginnt bei der einfachen Zieleingabe – ein Hafenname genügt – und reicht bis zu komplexem Wetterrouting, das nicht nur den optimalen Weg durch den Wind berechnet, sondern auch zeigt, wann die Windbedingungen den optimale Zeitpunkt für den Törn liefern. 

Deutlich besseres Bild über den tatsächlichen Kurs

Gerade letzteres hat sich für viele als Kernfunktion herauskristallisiert. Oliver nutzt es konsequent für seine Törns rund um Mallorca. „Ich tippe einfach verschiedene Abfahrtszeiten ein und sehe, wann ich wie lange brauche“, sagt er. Der Effekt ist praktisch: Statt stur morgens abzulegen, lässt sich der Törn an Wind und Bedingungen anpassen. „Dann weiß ich, dass ich auch noch nett frühstücken kann und erst mittags losfahre.“ Das Routing wird damit zur Planungsgrundlage – nicht nur zur Navigation.
Auch Thorben kombiniert je nach Situation verschiedene Ansätze. Mal setzt er klassisch einen Punkt vor die Hafeneinfahrt, mal nutzt er die direkte Zieleingabe. Entscheidend ist für ihn, dass das System die Segelpraxis mitdenkt. „Du kriegst die Kreuzkurse auch direkt angezeigt“, sagt er. Gerade auf längeren Schlägen oder bei wechselnden Bedingungen entsteht so ein deutlich besseres Bild davon, wie sich ein Kurs tatsächlich segeln lässt.

Segel-Wetterrouting auf dem Orca Display 2

Polardaten präzisieren das Segelrouting

Ein zentraler Baustein dieser Berechnungen sind die Polardaten der Boote. Hier zeigt sich die Stärke der Orca-Datenbank – viele gängige Bootstypen sind bereits hinterlegt. Mike berichtet, dass die Werte für seine Comfortina erstaunlich gut passen: „Ich konnte da wenden, wo er das auch vorgeschlagen hat.“ Kleine Abweichungen führt er eher auf Material und Crew zurück als auf das System.
Spannend wird es bei exotischeren Booten. Stephan hat sich für seinen Jollenkreuzer kurzerhand selbst beholfen und die Daten mit Hilfe einer KI generiert. Sein Messbrief von 1954 liefert die Bootsdaten, die KI berechnete daraus die entsprechende Werte für die Tabelle, die manuell in der Orca-App bearbeitet werden können. Das Ergebnis: ein individuell angepasstes Profil, das zumindest plausibel wirkt. Der Aufwand ist überschaubar – der Effekt groß. Damit wird das Routing deutlich realistischer.

Polardaten aus Datenbank oder Benutzerdefiniert anlegen. Die Polare sind frei skalierbar, zum Beispiel für entspanntes Nachtsegeln. 

Neue Funktionen im Orca Frühjahrs-Update

Orca Navigation hat ein neues Frühlings-Update vorgestellt. Neu sind unter anderem eine verbesserte Aim Line mit gleichzeitiger Anzeige von Bootsausrichtung und tatsächlichem Kurs über Grund, eine überarbeitete Routenvorschau mit Reverse-Funktion, GPX-Export und direkter Übergabe an Raymarine Axiom sowie die Unterstützung von Doppler-Radar für Raymarine Quantum. Außerdem wurde das Display 2 für den Nachtbetrieb deutlich dunkler und die Touch-Bedienung präziser gemacht. Die Preise sind stabil geblieben: Die App für Google und Apple Smartphones und Tablets kostet in der Basisversion inklusive kompletter Kartenabdeckung und Wetterrouting 49 Euro. Mehr Infos: Orca Webseite. 

Neben dem eigentlichen Routing fallen im Gespräch immer wieder kleinere Funktionen auf, die in der Praxis den Unterschied machen. Dazu gehört etwa die Darstellung von Heading und Kurs über Grund als separate Linien, die es seit dem letzten Update gibt. Gerade in strömungsreichen Revieren wird damit sichtbar, wie stark das Boot tatsächlich versetzt wird. Stephan erinnert sich an eine Einfahrt nach Ramsgate mit massiver seitlicher Strömung: „Du fährst gefühlt mit 45° schräg in den Hafen rein – und siehst jetzt endlich, dass das Vorhalten so richtig ist.“

Auch die Integration zusätzlicher Informationen direkt in die Karte wird geschätzt. UKW-Kanäle von Revierzentralen an Leuchttürmen oder Verkehrspunkten erscheinen beim Hineinzoomen automatisch – ein Detail, das im Alltag Zeit spart und die Übersicht verbessert.

 

 
 
Neu: Die schwarze Linie zeigt das Heading, die Graue den Kurs über Grund.

Jeder routet unterschiedlich

Bei aller Begeisterung bleibt der Umgang mit dem Routing bewusst pragmatisch. Kaum jemand verlässt sich blind auf eine automatisch berechnete Strecke. Vielmehr dient sie als Ausgangspunkt. „Man geht die Route sowieso einmal durch“, sagt Thorben, gerade mit größerem Tiefgang. Untiefen, Tonnenstriche oder lokale Besonderheiten bleiben Aufgabe des Skippers.
Ein Unterschied in der Praxis zeigt sich bei der Wahl der Zielpunkte. Während Mike seine Routen bewusst exakt auf Steg zu Steg anlegt, gehen die meisten anderen einen Schritt davor. Sie setzen den Zielpunkt nicht ins Hafenbecken, sondern an die Ansteuerung oder vor die Einfahrt. Oliver formuliert es pragmatisch: Man fahre ohnehin „bis vor den Hafen“ und halte sich dann an Tonnen und Fahrwasser. Stephan merkt an, dass er mögliche Probleme im Autorouting vermutlich genau deshalb nie bemerkt hätte – weil er die Route traditionell ohnehin nicht bis in den Liegeplatz hinein plant.

Hier geht’s zur Webseite mit allen Infos über Orca

Ganz ohne Kritik kommt auch diese Runde nicht aus. Mike hat im Autorouting (Motor-Modus) wiederholt Unstimmigkeiten beobachtet – etwa Routen, die über Untiefen führen, Tonnenstriche ignorieren oder in Einzelfällen sogar durch Hafenmolen verlaufen. Das immer direkt vor den Häfen, unterwegs war die Route sooweit fehlerfrei. Auch in Verkehrstrennungsgebieten gab es Vorschläge, die nicht den üblichen Regeln entsprechen. Dazu kamen einzelne Ausreißer in aufgezeichneten Tracks oder Logbuchdaten. 
Diese Punkte werden jedoch bewusst eingeordnet. Zum einen, weil sie vor allem das automatische Routing betreffen und sich durch manuelles Nacharbeiten leicht korrigieren lassen. Zum anderen, weil die anderen Teilnehmer aufgrund ihrer Navigationsweise – mit Zielpunkten vor dem Hafen und einer abschließenden Kontrolle – solche Effekte deutlich seltener wahrnehmen. Hinzu kommt, dass automatisch erstellte Routen immer kontrolliert werden sollten, weil kein System der Welt ganz fehlerfrei ist. Das kennt jeder wohl auch von der Navigation auf der Straße. 

Orca Support fragt nach ehrlichem Feedback

Wichtig dabei: Orca ist über diese Fälle informiert, fragt explizit nach und bittet um ehrliche Kritik. Die Entwickler stehen im direkten Austausch mit Nutzern, reagieren schnell auf Rückmeldungen und arbeiten nach Aussage der Runde aktiv an Verbesserungen. Der offene Umgang mit Feedback wird dabei ausdrücklich positiv hervorgehoben. Auch Mike berichtet von einem Fall, wo der Support sofort half und das Problem umgehend behoben wurde. 

Ein weiterer Aspekt ist die Bedienung im realen Bordalltag. Regen, nasse Hände, Bewegung – all das stellt Anforderungen, die im Wohnzimmer niemand bemerkt. Hier hat Orca offenbar Fortschritte gemacht. Thorben erinnert sich an frühere Versionen, bei denen Regentropfen Eingaben ausgelöst haben. „Das ist deutlich verbessert“, sagt er.

Hilfreich sind dabei auch die physischen Tasten am Gerät. Zoomen, Zentrieren oder schnelle Eingaben lassen sich so unabhängig vom Touchscreen erledigen. Eine kleine, aber entscheidende Ergänzung.
Die zweite Runde der Erfahrungsreihe zeigt damit ein klares Bild. Orca ist mehr als eine App oder ein Kartenplotter – es ist ein integriertes Navigationssystem, das Planung, Routing und Analyse verbindet. Besonders das Wetterrouting und die Einbindung von Bootsdaten und die Freiheit bei der Wahl der Hardware heben es von klassischen Lösungen ab.

Gleichzeitig bleibt es ein Werkzeug, das mitdenkt. Die Praxis zeigt, dass die besten Ergebnisse dort entstehen, wo Technik und Erfahrung zusammenspielen. Oder, wie es im Gespräch zwischen den Zeilen anklingt: Die Route mag aus dem System kommen – gesegelt wird sie immer noch von Menschen.

 

Hier geht es zum ersten Teil unserer Reihe

Hier geht es zum aktuellen Gespräch im Podcast

 

Transparenzhinweis: Diese Reihe wird unterstützt von Orca Marine Navigation. Es handelt sich daher um ein sogenannten „Advertorial“. Inhaltliche Vorgaben gibt es jedoch nicht, auch die Tester sind ehrlich und frei in ihren Darstellungen. 

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