2. Sailing Grand Slam: Erfolgreiches Comeback von Philipp Buhl – Vier Medaillen für China

„Ziemlich happy“

Bei der zweiten Regatta des Sailing Grand Slams 2026  in Hyères konnten die deutschen Seglerinnen und Segler nicht an den herausragenden Saisonstart bei der Trofeo Princesa Sofía Mallorca anknüpfen. Auch weil die besten Skiffsegler andere Pläne haben.

Philipp Buhl
Philipp Buhl auf Augenhöhe mit dem Doppelolympiasieger und Hyéres-Sieger Matthew Wearn (AUS). © FFVoile / SailingEnergy

„Wir waren nach Plan mit einem kleineren Team im Einsatz, mussten mit Blick auf große anstehende Meisterschaften Prioritäten setzen“, sagte DSV-Cheftrainer Dom Tidey. Die deutschen 49er- und 49erFX-Crews haben sich parallel zur französischen Segelwoche auf ihre Weltmeisterschaft vom 12. bis 17. Mai im bretonischen Revier von Quiberon vorbereitet. Dort trainieren die beim Saisonauftakt vor Palma so erfolgreichen deutschen Skiffteams für ihren Jahreshöhepunkt im Gezeitenrevier der Baie de Quiberon. Zum Gesamtergebnis bei der Semaine Olympique Française sagte Dom Tidey: „Die Resultate spiegeln also nicht ganz wider, wozu wir als Team in der Lage sind.“

Philipp Buhl: „Ich konzentriere mich weiter auf den Prozess“

In Hyères war in dieser Woche Philipp Buhl (Norddeutscher Regatta Verein/Segelclub Alpsee Immenstadt) bester deutscher Akteur. Der Allgäuer knüpfte in der olympischen Ein-Mann-Jolle ILCA 7 nahtlos an seine Top-Leistung bei der Trofeo Princesa Sofía an, wo er bereits mit Platz vier geglänzt hatte. Buhl parierte in der mit 136 Booten größten Flotte der Regattawoche die unterschiedlichen Windbedingungen  stark, beendete auch diese Serie als Vierter hinter Doppel-Olympiasieger Matt Wearn (Australien) und den beiden Briten Michael Beckett und Elliot Hanson.

Die ILCA7 Flotte beim Zieleinlauf. © Sailing Energy / French Olympic Week Hyères – TPM

„Ich bin ziemlich happy mit dieser Woche. Ich habe ein paar Sachen, die ich testen wollte, richtig gut gemacht: ein paar gute Starts, ein paar gute Leichtwindrennen, ein paar gute Starkwindrennen. Das kann sich sehen lassen“, sagte Philipp Buhl „Mein Hauptziel in diesem Jahr ist die WM (23. bis 30. August in Dun Laoghaire/Irland). Eine wichtige Station auf dem Weg dahin ist die EM in Split (15. bis 22. Mai). Ich konzentriere mich weiter auf den Prozess.“ „Philipp segelt auf den Punkt, zielstrebig und engagiert, hat dafür meinen hundertprozentigen Respekt. Er hat definitiv hart gearbeitet“, sagte Dom Tidey, der die Rennen der Semaine Olympique Française vor Ort begleitete.

Ole Schweckendiek (Kieler Yacht-Club) und Nik Aaron Willim (Norddeutscher Regatta Verein) segelten im ILCA 7 auf die Plätze 15 und 23. Der erst 21 Jahre alte Aufsteiger Ole Schweckendiek sagte: „Ich bin nicht ganz optimal gesegelt. Da war ein bisschen mehr drin. Dass es dann bei überwiegend Starkwindrennen aber trotzdem ein 15. Platz geworden ist, ist ein gutes Zeichen.“ 

(Anm. d. Red) Schweckendiek hatte die Qualifikation bei überwiegend leichtem Wind auf Platz 7 abgeschlossen vor Buhl (13.) und Willim (16.). Danach hatte er bei Starkwind Mühe, unter die Top 20 zu kommen und beendete die Serie mit einem schmerzhaften Frühstart. Willim hatte die Gold-Flotten-Rennen mit einem starken 2. Platz hinter Doppelolmpiasieger Matthew Wearn begonnen, war dann aber eingebrochen und musste ebenfalls einen Black Flag DQ hinnehmen. Buhl dagegen gelang eine überragende Goldfleet-Serie inklusive Rennsieg und er schob sich von Platz 13 auf 4 vor. In den beiden Finalrennen der TopTen konnte er mit 8/6 aber keinen Angriff mehr auf die Medaille starten.

Sein Fazit: Es war eine Freude, unter den Bedingungen und bei dem Wetter zu segeln, das wir hier diese Woche hatten. Hyères hat wieder einmal gehalten, was es so oft verspricht. Mit dem 4. Platz bin ich durchaus zufrieden. Jetzt freue ich mich darauf, nach einem achtwöchigen, kostengünstigen Auswärtsaufenthalt nach Hause zu kommen. 

Die Kiter haben schon ihre WM im Visier

Bei den Formula-Kitern raste Jannis Maus (Cuxkiters) ins Finale. Der Olympia-Fünfte schied erst im hochklassig besetzten Viertelfinale aus, wurde Neunter. „Das war grundsätzlich eine gute Woche, auch wenn ich am Finaltag noch etwas mehr erhofft hatte“, sagte der Doktorand der Windenergieforschung. Nach Platz elf bei der Trofeo Princesa Sofía ging es für Jannis Maus in Frankreich aber auf WM-Kurs weiter aufwärts. „In Palma habe ich noch zu viele kleine Fehler gemacht. Das haben wir mit unserem Trainer Aleksei gut analysiert. Hier in Hyères wollte ich unbedingt stabil fahren. Das ist insgesamt gut gelungen.“

Hinzu kam, dass auch der Jahreshöhepunkt der olympischen Kiter bereits in Sicht ist: Vom 9. bis 16. Mai ermitteln sie ihre Champions im südlich von Vigo gelegenen portugiesischen Revier von Viano do Castelo. „Mit Blick darauf sind wir hier in Frankreich mit unserem WM-Material tendenziell eher etwas konservativer gefahren, wollten keinen Tangle, keinen Crash, keinen Bruch riskieren und alles heil nach Hause bringen“, erklärte Jannis Maus.

Jannis Maus
Jannis Maus schied im Viertelfinale aus und landet somit auf Gesamtrang 9. © FFVoile / SailingEnergy

Sein junger Teamkamerad Jan Vöster (Württembergischer Yacht-Club), beim Saisonstart in Spanien noch strahlender Siebter, musste bei der Semaine Olympique Française ein paar Federn lassen. Der 22 Jahre junge Formula-Kiter beendete die Mittelmeerserie auf Platz 23. „Es lief bei mir nicht rund, aber ich kann daraus einiges mitnehmen und fahre trotzdem mit super Laune und sehr motiviert zur WM“, sagte Jan Vöster in Hyères.

Für ihn hatte die Serie mit Tangle und Crash trotz Wiedergutmachung nicht ganz glücklich begonnen. „Es war ein schlechter erster Tag. Bei diesem Event hier gab es nur zwei statt drei Streicher und die Besonderheit, dass nach der Qualifikation hier nur die Top-20 die Goldflotte erreicht haben. Es ist mein Anspruch an mich, mich da in Zukunft wieder klarer durchzusetzen“, erklärte Jan Vöster bei der zweiten Regatta des Sailing Grand Slams 2026 in Frankreich. Dazu kam seine Erkenntnis: „Ich bin ein paar Male beim Start steckengeblieben, etwas zu defensiv gefahren. Da muss ich mich stärker durchsetzen. So habe ich es mit dem Trainer analysiert und besprochen.“

470er-Mixed-Duo Löffler/Hoerr wieder im Finale

Drittes GER-Team in den beiden Medaillenrennen im 470er waren Theresa Löffler und Christopher Hoerr (Deutscher Touring Yacht-Club/Segelclub Breitbrunn Chiemsee). Das 470er-Mixed-Duo genoss die beiden Finalläufe mit den Rängen 6 und 7, beendete die Semaine Olympique Française mit Platz zehn. Steuerfrau Theresa Löffler sagte: „Die Medaillenrennen waren cool, voller Adrenalin.“ Ihre Bilanz fällt so vielschichtig aus, wie es die Bedingungen im französischen Revier waren: „Unser Speed bei Mittel- und Leichtwind passte sehr gut, da waren wir sehr happy.“ Weiter sagte „Thesi“ Löffler: „Uns sind auch viele Starts gut gelungen, besser als in Palma. An einigen Tagen haben wir uns auf der Kreuz mit Blick auf die Seiten und die Positionierung etwas verzwirbelt.

Theresa Löffler und Christopher Hoerr werden Zehnte. © FFVoile / SailingEnergy

Auf Platz 13 segelten in Frankreich Theres Dahnke/Paco Melzer (Plauer Wassersportverein/Verein Seglerhaus am Wannsee/Yachtclub Berlin-Grünau). Ihre Teamkameraden Simon Diesch und Anna Markfort (Württembergischer Yacht-Club/Verein Seglerhaus am Wannsee/Joersfelder Segel-Club) beendeten die Serie auf Platz 20 erstmals in ihrer gemeinsamen Karriere in der Silberflotte. „Das darf gerne eine Ausnahme bleiben. Es waren zwei extrem anspruchsvolle Qualifikationstage mit relativ wenig Wind und auch relativ wenig Bootsgeschwindigkeit, die uns sonst immer rettet“, sagte Anna Markfort.

Ein wenig zollen die beiden Olympiakadersegler Diesch und Markfort auch ihrer viermonatigen studienbedingter Pause noch Tribut. Die Vizeweltmeister und Trofeo-Sechsten hatten nach schwierigen Qualifikationstagen knapp den Cut für den Einzug in die Goldflotte verpasst. Für die 470er-Crews liegen nun auf Kurs in Richtung WM (10. bis 17. August im Ex-Olympiarevier von Enoshima) die Kieler Woche und das Stützpunkttraining in Kiel voraus.

Bei den iQFOiL-Windsurferinnen konnte sich Sophia Elina Meyer (Verein Seglerhaus am Wannsee) als 19. im Schlussklassement behaupten. Die 20-Jährige hatte ihre Serie mit einem starken 9. Rang in der Goldflotte abgeschlossen.

(Anm. d. Red) In der ILCA6-Klasse zeigte Julia Büsselberg nach Rang 6 in Palma erneut ihre Zugehörigkeit zur Weltspitze, verpasste aber im 86-Boote-Feld mit Platz 13 doch knapp das TopTen-Finale.

Bemerkenswert war in Hyéres beim zweiten Sailing Grand Slam (SGS) der Saison die Abwesenheit so vieler Spitzensegler. Nach wie vor funktioniert die Serie aber nicht. Sobald Großevents anstehen, wie diesmal bei den 49ern, spielt der SGS keine Rolle mehr bei vielen Seglern und Verbänden. In diesem Jahr folgen noch in der Serie noch die Dutch Week in Almere, Kieler Woche und schließlich ein Event auf dem Olympia Revier in Long Beach. Die wichtigsten Events sind aber nach wie vor die Meisterschaften WM und EM.

China gehört zu den besten Nationen im Medaillenspiegel mit gleich vier Medaillen.

In Hyéres war aber besonders der Aufstieg der Chinesen bemerkenswert, der sich schon im vergangenen Jahr abzeichnete. Nun sind sie endgültig in mehreren Disziplinen in der Weltspitze angelangt und sammeln sogar mehr Medaillen als die dominierenden Briten. Zuletzt segelten sie stark in den Bord-Klassen. Dass sie aber nun in einer Klasse wie dem 49er gewinnen können, ist neu. 

Endergebnisse der Semaine Olympique Française 2026

Quelle: German Sailing Team

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