Ein nicht alltäglicher Notruf ereilte die DGzRS am Pfingstsonntag. Zwar müssen immer wieder mal Boote mit Motorschaden in den Schlepp genommen werden – dieses Mal handelte es sich jedoch um ein Auto, ein Amphibienfahrzeug.

Ungewöhnlicher Einsatz für die freiwilligen Seenotretter der Station Maasholm: Mit dem Seenotrettungsboot HELLMUT MANTHEY der Deutschen Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger (DGzRS) haben sie am Sonntagnachmittag, 24. Mai 2026, auf der Schlei ein manövrierunfähiges Amphibienfahrzeug eingeschleppt.
Gegen 13 Uhr hatte sich der Fahrer bei der von der DGzRS betriebenen deutschen Rettungsleitstelle See, dem Maritime Rescue Co-ordination Centre (MRCC) Bremen, gemeldet: Vor dem Schleswiger Stadtteil Holm hatte sein Amphibienfahrzeug einen Motorschaden erlitten. Aus eigener Kraft konnten er und seine Mitfahrerin das Ufer nicht mehr erreichen und benötigten dringend Hilfe.
Da das Seenotrettungsboot HERWIL GÖTSCH der Freiwilligenstation Schleswig derzeit in der Werft ist, alarmierte die Rettungsleitstelle See der DGzRS die freiwilligen Seenotretter aus Maasholm. Für die Rettungsleute war es eine Premiere: „Ein Auto im Schlepp hatten wir noch nie“, sagte Rettungsmann Sebastian Petersen. Die besondere Herausforderung: Das Amphibienfahrzeug verfügt weder über Klampen noch Poller zum Belegen einer Schleppleine.
Amhicar 770 Daten und Fakten
- Hersteller: Amphicar / Quandt-Gruppe (Deutschland)
- Konstrukteur: Hans Trippel
- Typ: schwimmfähiges Cabrio / Amphibienfahrzeug
- Stückzahl: ca. 3.878 Fahrzeuge
- Motor: 4-Zylinder-Reihenmotor von Triumph
- Hubraum: 1.147 cm³
- Leistung: 38–43 PS
- Getriebe: 4-Gang-Schaltgetriebe + separates Bootsgetriebe
- Antrieb im Wasser: zwei Heckpropeller
- Höchstgeschwindigkeit Straße: ca. 120 km/h
- Höchstgeschwindigkeit Wasser: ca. 12 km/h / 6,5 Knoten
- Länge: 4,33 m
- Gewicht: ca. 1.050 kg
- Plätze: 4
- Besonderheit: erstes ziviles Serien-Amphibienauto der Welt
- Steuerung im Wasser: über die Vorderräder
- Verbrauch auf dem Wasser: bis ca. 10 l/h
- Heute: seltener und sehr teurer Oldtimer (oft 70.000–100.000 €+)
Glücklicherweise hatte der Mann vor Fahrtantritt eine Leine an der unter Wasser befindlichen Schleppöse seines Autos angebracht. Mit dieser belegten die Seenotretter eine Klampe auf dem Seenotrettungsboot. Anschließend schleppten sie das Amphibienfahrzeug langsam nach Haddeby. Aufgrund der geringen Wassertiefe kurz vor dem Strand musste allerdings ein Seenotretter noch in einem Überlebensanzug ins Wasser steigen, um das Auto per Muskelkraft ein paar Meter zum Ufer zu ziehen. Erst dann reichte die Leine bis zu einem an Land stehenden Fahrzeug, das schließlich das Amphibienauto aus dem Wasser zog.
Anschließend liefen die freiwilligen Seenotretter sofort zum nächsten Einsatz weiter: Eine Segelyacht hatte auf der Schlei ebenfalls einen Maschinenschaden erlitten. In diesem Fall war das Schleppen reine Routine: Denn Yachten sind dafür vorgesehen, mit Leinen gesichert zu werden.

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