Vendée Arctique: Einmal Polarkreis und zurück – nur neun Teilnehmer, trotzdem spannend?

Kein Gipfeltreffen

Die Organisatoren verkaufen Abenteuer am Polarkreis – die Realität liefert nur neun Starter. Dennoch könnte die Regatta spannender werden als manche Großveranstaltung. Weil sie vielleicht einen ersten Blick auf die Zukunft der IMOCA-Klasse liefert.

Die Vendée Arctique ist ein schönes Beispiel dafür, dass im IMOCA-Zirkus selbst eine Regatta, die eigentlich keinerlei künstliche Überhöhung nötig hätte, trotzdem möglichst spektakulär daherkommen muss. Vor allem in Zeiten wie diesen. Als die Veranstaltung 2020 aus der Corona-Not geboren wurde, dominierten Eisberge, Nebelwände und Polarstimmung die Bildsprache. Die Botschaft war klar: Hier beginnt das Reich der großen Gefahren. Was sich dann im Laufe der Regatta relativierte: Es war eine mit Sicherheit interessante Regatta in die höheren Breitengrade, aber – wie unisono von allen Teilnehmern behauptet – war sie nicht schwerer zu bewältigen als manche Transat.

Cool, auch ohne Eisberge

Schon bei der zweiten Ausgabe 2022 zeigte der Nordatlantik dann aber sehr deutlich, dass er auch ohne PR-Abteilung ziemlich Furcht einflößend sein kann. Damals zwang ein schweres Tiefdrucksystem die Organisatoren, die Regatta auf Höhe Islands vorzeitig zu beenden. Die sogenannte Iceland Gate wurde kurzerhand zur Ziellinie erklärt. Charlie Dalin gewann, Thomas Ruyant wurde Dritter – und beide suchten anschließend Schutz in einem isländischen Fjord, während sich die Flotte durch Bedingungen kämpfte, die eindrucksvoll bewiesen, dass man keine Eisberge benötigt, um eine Offshore-Regatta an ihre Grenzen zu bringen.

Plakativ ist die Vendée Arctique durchaus © vendée arctique

Nun also die dritte Ausgabe. Und wieder soll der Name ziehen. Vendée-Arctique. Das klingt nach Polarkreis, Frost, Abenteuer und einer Prise Wahnsinn. Tatsächlich kommt die Regatta allerdings zu einem denkbar ungünstigen Zeitpunkt. Die neuen IMOCA-Generationen für den nächsten Vendée-Globe-Zyklus sind bisher nicht fertig (darunter Boris Herrmanns IMOCA), einige prominente Namen der letzten Jahre stecken mitten im Sponsorendilemma (wie Thomas Ruyant). Superstar Charlie Dalin, Vendée-Globe-Sieger 2024, ist schwer erkrankt und andere Vendée-Globe-Helden lassen noch das Finish auf ihren neuen Booten auflegen. So kam es, dass gerade mal neun Skipper und Skipperinnen auf der Meldeliste dieser Einhand-Nonstop-Regatta stehen.

Neun Boote? Wie bitte?

Natürlich wird die Organisation das nicht an die große Glocke hängen. Verständlicherweise. Ihre Aufgabe besteht schließlich darin, aus neun Booten eine große Geschichte zu machen. Ganz gelingt das Übertünchen der Realität allerdings nicht.

 

Mitgliedschaft erforderlich

Sie müssen ein Mitglied sein, um auf diesen Inhalt zuzugreifen.

Mitgliederstufen anzeigen

Already a member? Hier einloggen

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert