Temperaturen von 28 Grad über dem Wasser und eine mäßige östliche Brise sorgten am Freitag (26. Juni) bei der Kieler Woche für ideale, karibische Segelbedingungen. In allen neun internationalen Bootsklassen wurde auf sieben Regattabahnen fast das volle Wettfahrtprogramm mit 48 Rennen absolviert.
Bei der Weltmeisterschaft der Flying Dutchman (FD) übernahmen Szabolcs Majthenyi und András Domokos aus Ungarn die Führung vor Kay-Uwe Lüdtke und Kai Schäfers (Stechlin/Hamm). 29er-Spitzenreiter im Eurocup blieben Blanka Sójkowska und Julia Nagórska aus Polen knapp vor der Australierinnen Mia Austin und Zara Marks. Die Kieler Woche läuft noch bis Sonntag.

Die weltbesten 29er-Crews kommen bisher aus drei Kontinenten. Bei der WM-Generalprobe steht Polen vor Australien und Argentinien auf dem Zwischenpodium, bevor sie ab Sonnabend in der Goldflotte der Besten erstmals gegeneinander segeln müssen. Mit zwei Tagessiegen in den letzten beiden von vier Tagesrennen behaupten sich die Bayern David Plettner und Moritz Aigner als Gesamtvierte zehn Punkte hinter Maximo Baudoino und Juan Ignacio Cernadas.

Die besten deutschen Chancen auf ihren dritten Weltmeistertitel nach 2022 und 24 halten aktuell Kay-Uwe Lüdtke und Kai Schäfers im Flying Dutchman. In den drei Tagesrennen segelte die Crew vom Yachtclub Berlin-Grünau und dem Hannoverschen Yacht-Club auf Rang zwei. Die mehrfachen Weltmeister Majthenyi/Domokos führen die Klasse nach zwei Wettfahrtsiegen an. Nicola und Francesco Vespansiani aus Italien liegen dahinter auf Rang drei. Die Brüder Jørgen und Jacob Bojsen-Møller aus Dänemark fielen von eins auf den fünften Platz zurück.

ILCA-6-Talent Erik Scheidt will in olympisch vergoldete Fußstapfen treten. Zumindest geht der Sohn der brasilianischen ILCA-Legende Robert Scheidt (fünf Olympiamedaillen) auf der Kieler Woche einen Schritt in die Richtung. Scheidt Junior segelte am Freitag mit konstanten Leistungen in der Hitze zu zwei Tagessiegen in vier Wettfahrten der Klasse ILCA 6 open und läuft am Samstag im gelben Trikot aus.
„Da draußen waren sehr gute Bedingungen“, sagte Scheidt zum Renntag. Bis zu den großen Erfolgen seines Vaters „ist es aber noch viel Arbeit“, gab der 16-Jährige schmunzelt zu. Er werde es aber versuchen. Viktorija Andrulyte (Litauen), die den ILCA 6 auch sehr erfolgreich olympisch segelt, und Viktor Elfving (Schweden) lauern auf den Plätzen zwei und drei. Mit kleinem Abstand folgt die bisher beste Deutsche der Klasse mit Luisa Helene Kloss von der Seglergemeinschaft am Müggelsee auf Rang vier.

Die ILCA-4-Klasse führt nach den ersten vier Rennen Quirin Klapper vom Münchner Yacht-Club. Klapper wurde allerdings in der vierten Wettfahrt wegen eines Frühstarts disqualifiziert und darf sich nun keinen Patzer mehr erlauben. Hinter ihm folgen Nikos Beckmann aus Kiel und die Hamburgerin Clara Mattik.
Heiko Kröger, Rekord-Kieler-Woche-Sieger im 2.4mR, will es dieses Jahr in der OK-Jolle wissen. Foto: Sascha Klahn/Kieler Woche
„Das war richtig geil heute, ich hatte einen Riesenspaß“, jubilierte Heiko Kröger nach seiner OK-Premiere, „im dritten Rennen war ich sogar lange Zweiter.“ Der Paralympics-Goldmedaillengewinner und 2.4mR-Rekordsieger bei der Kieler Woche will es diesmal in der Jolle wissen. Der Ammersbeker ist 17. von 47. An der Spitze liegt überraschend Sebastian Schmidt-Klügmann aus Dortmund vor den Dänen Jesper Bendix und Steen Christensen. Die Gesamtführung der Contender eroberte der Italiener Marco Ferrari vor Max Billerbek aus Bokholt-Hanredder und dem Australier Mark Bulka.

Eine dänische Doppelspitze dominiert die J/70-Klasse. Punktgleich liegt Kim Gardø Christensen mit seiner Crew vor Sten Mohr. Willi Sörensen aus Hamburg verdrängte den Vortagsersten Kai-Uwe Hollweg (Bremen) vom Podium, der Vierter ist. Beide Teams hatten am späten Nachmittag allerdings noch Proteste anhängig, die „teuer“ werden könnten. Bei den J/24 führt für die niederländische Crew um Skipper Dirk Olyslagers.

„Drei schöne Rennen bei leicht böigem Wind, und ich musste alles geben, um ganz vorne zu landen“, bilanzierte Yannik Holste das Kurzprogramm der Wingfoiler, denn „plötzlich war die Seebrise weg und der Gradient kam nicht zurück.“ Zehn Rennen waren geplant. 50 bis 100 Meter Vorsprung hatte der Kieler jedes Mal im Ziel, „Taktikfehler zwischendurch wurden aber sofort bestraft.“
Sein Ziel: Ein Testevent in Gdynia/Polen Mitte Juli, wo im kommenden Jahr die gemeinsamen Weltmeisterschaften für olympischen Zwei-Personen-Klassen stattfinden. Für die Wingfoiler ist die Kieler Woche die einzige Qualifikationsregatta. Der DSV vergibt drei Männer-Tickets und eins für die beste Frau. Das ist erstmal Jette Koep (ebenfalls Kiel). „Ich habe unter Vorbehalt schon mal Urlaub eingereicht“, so Yannik Holste, der später erfuhr, dass das dritte Rennen annulliert wurde, weil niemand den richtigen Kurs abgefahren war.
Ergebnisse Kieler Woche 2026
Quelle: Kieler Woche/Andreas Kling

Schreibe einen Kommentar