Die hochsommerliche Kieler Woche schloss am Sonntag (28. Juni) mit den letzten Segelrennen in den internationalen Bootsklassen. Weltmeister im Flying Dutchman wurden Szabolcs Majthenyi und András Domokos aus Ungarn – und das bereits zum 15. Mal.
Die WM-Generalprobe der 29er im Eurocup gewann die polnische Crew Blanka Sójkowska und Julia Nagórska. Trotz der herausfordernden Bedingungen mit viel Leichtwind und Flaute wurden insgesamt rund 200 Wettfahrten absolviert. Fast 250 Yachten hatten die Kieler Woche vor neun Tagen mit der Aalregatta nach Eckernförde eröffnet, bevor der Sailing Grand Slam Champions aus sechs verschiedenen Nationen in den olympischen Disziplinen kürte. Der Besuch von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier verlieh der Kieler-Woche-Regatta zum Start prominenten Glanz.

Aktive aus 51 Nationen blicken auf eine anspruchsvolle Leichtwindregatta an allen neun Tagen zurück. Durch eine ausgeprägte Hochdruckwetterlage hatten bereits im olympischen Teil des Sailing Grand Slams nicht alle Rennen stattfinden können. Ähnlich verlief der letzte Wettkampftag nach dem nächtlichen Durchzug starker Gewitter. Wechselhafte Winde führten zu einigen Rennabbrüchen und vergeblichen Startversuchen. „Wind und Wetter können wir nicht beeinflussen, nur das Beste daraus machen“, resümierte Organisationsleiter Dirk Ramhorst, „und das haben wir mit maximaler Flexibilität und Starts noch in den frühen Abendstunden getan.“
Bei der FD-Weltmeisterschaft wurde zum Abschluss zwar noch gesegelt. Zu Zieleinläufen kam es jedoch nicht mehr. „Einmal hatten wir Frühstarts vom halben Teilnehmerfeld, die auch alle disqualifiziert wurden“, berichtete Wettfahrtleiter Stephan Giesen. Der erneute Versuch, eine Wettfahrt über die Bahn zu bekommen, gelang aber nicht. Entsprechend wurde der Angriff von Kay-Uwe Lüdtke und Kai Schäfers (Berlin/Hannover) auf die Spitze im Keim erstickt. Die Titelträger von 2022 und 24 wurden Vizeweltmeister vor Nicola und Francesco Vespasiani aus Italien.

Der 29er Eurocup-Titel geht nach Polen. Mit Nervenstärke segelten Blanka Sójkowska und Julia Nagórska zum zweiten Platz in der letzten Wettfahrt und strichen damit den Patzer aus dem vorherigen Rennen (17.) aus ihrer Wertung. Silber gewannen Maximo Baudoino und Juan Ignacio Cernadas aus Argentinien. Ärgerlich für die Australierinnen Mia Austin und Zara Marks: Sie verspielten ihre Siegchancen mit zwei schwachen Ergebnissen und rutschen auf Rang vier ab. Bronze ging stattdessen an die punktgleiche neuseeländische Crew Nelsen Mecham und Oli Stone. Beste Deutsche im international top besetzten Feld wurden David Plettner und Moritz Aigner aus Bayern auf Platz elf. Alle sehen sich am Freitag wieder in Schilksee, wenn die 29er-WM eröffnet wird.

Einen namhaften brasilianischen Erfolg gab es in der offenen ILCA-6-Klasse. Erik Scheidt, Sohn des fünffachen Olympiamedaillengewinners Robert Scheidt, schnappte sich den Kieler-Woche-Sieg am Ende trotz eines 28. Platz einen Punkt vor Viktorija Andrulyte aus Litauen und zwei Schweden. Beste Deutsche blieb Luisa Helene Kloss vom Müggelsee als Sechste.
Überraschend Kieler-Woche-Sieger aus dem Gastgeberland wurde Sebastian Schmidt-Klügmann (Dortmund) in der OK Jolle, der Henrik Been aus Schweden und den Kanadier Baabii’O Flower auf die Plätze zwei und drei verwies. Kieler Heimsiege verbuchten Yannik Holste bei den German Open der Wingfoiler und Nikos Beckmann, der im ILCA 4 den Münchener Quirin Klapper am Schlusstag noch abfing.

In der J/70 blieb das dänische Team um Kim Gardø Christensen ohne Sonntagsrennen ganz oben auf dem Treppchen, bei den J/24 war es der Niederländer Dirk Olyslagers. Dem Italiener Marco Ferrari war Contender-Gold in einer einzigen Wettfahrt nicht mehr zu nehmen. Max Billerbeck (Bokholt-Hanredder) fiel hinter dem mehrfachen Weltmeister Mark Bulka aus Australien auf Rang drei zurück.
Neue deutsche Seesegelmeister im Duett sind Bernd Dreyer und Jan Assmann mit ihrer Yacht „Xalty“. Bei der abschließenden Langstrecke wurden die Flensburger Dritte und holten den Titel vor Julia Walgern und Serjoscha Bender (Aachen) auf der „Xirasol“. Bronze ging an die „Lotta“ mit Michael und Ruth Matzke (Hamburg). Das Silberne Band der Kieler Woche, ein Rennen über Nacht rund um Langeland gab mehr als die Hälfte der Teams auf, weil sie trotz Bahnverkürzung in einer langen Flaute steckengeblieben war. Der Hamburger Christoph Mählmann gewann mit der „Rarotonga“-Crew die Wertung ORC A/B; Christian Masilge siegte auf der „Krabauter“ in ORC C/D.

Die Kieler-Woche-Regatta galt auch als Visitenkarte für die Kieler Bewerbung um die Austragung der Segelwettbewerbe im Rahmen der deutschen Olympiabewerbung für 2036, 2040 oder 2044. Hochkarätige Gäste aus dem In- und Ausland, vor allem auch aus den Hauptbewerberregionen für Olympia, München und Köln/Rhein-Ruhr, besuchten die Kieler Woche. „Wir haben Begeisterung für den Segelsport und für Kiel-Schilksee geweckt“, freute sich Ramhorst, der auch von den Aktiven viel Zuspruch für die Organisation mit nochmal verbesserter Servicequalität erntete.
Die Eventmeile auf dem Vorfeld des Olympiahafens Schilksee besuchten rund 100.000 Gäste, die sich von den Partnern der Kieler Woche informieren und inspirieren ließen. Ein reformiertes Rahmenprogramm in der Sailing Arena bot fünf Tage Liveübertragung bei KielerWoche.TV und danach Unterhaltung durch Interviews und Insights in Verknüpfung mit Social Media. Highlight an den Abenden war der Auftritt der Coverband United4 am Freitag vor frenetisch feiernden Fans.

Ergebnisse Kieler Woche 2026
Quelle: Kieler Woche/Andreas Kling

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