Die Marina del Rey ist mit rund 5.000 Liegeplätzen einer der größten Sportboothäfen der Welt. Entsprechend viele Hafenmanöver finden dort täglich statt – und die allermeisten enden unspektakulär. Dieses allerdings nicht. Und das hat Gründe.
Die Lagoon 450F verdrängt segelklar ausgestattet etwa 15 bis 17 Tonnen. Bei solchen Gewichten entstehen selbst bei scheinbar harmloser Schrittgeschwindigkeit schnell Kräfte von mehreren Tonnen. Ein schwimmender Holzsteg ist dann kein Gegner mehr, sondern nur noch der erste weiche Teil im Weg. Sozusagen wie ein Fender.
Und so entstehen Hafenmanöver, bei denen man schon nach den ersten Metern ahnt: das wird nix fürs Lehrbuch sondern verteilt sich viral in den sozialen Medien.
Abstände sind variabel
Genau so beginnt dieser Anlegeversuch einer Lagoon 450F. Zwei Personen stehen entspannt auf der Flybridge, der Katamaran fährt langsam in die riesige Marina von Marina del Rey bei Los Angeles. Ein Crewmitglied steht bereits achtern bereit, um auf den Steg zu gehen. In diesem Fall tatsächlich zu „gehen“. Denn springen muss beim Anlegen eigentlich nur, wer größere Distanzen überwinden will. Hier liegen Boot und Steg nahezu auf gleicher Höhe, und der Abstand von Boot zu Steg ist ja eine variable Größe, die der Steuermann jederzeit kontrollieren und anpassen kann. In diesem Fall entscheidet man sich offenbar für die kompromisslose Variante. Der Katamaran kommt dem Steg nicht nur bedenklich nahe – er nimmt ihn kurzerhand gleich ein Stück mit. Praktischer Nebeneffekt: Die Gefahr, dass beim Übersteigen jemand ins Wasser fällt, sinkt gegen null. Der Fingersteg schmiegt sich geradezu eng um das Heck, dazu eine ansprechende Pirouette des Mannes, der eigentlich Leinen festmachen sollte. In der B-Note gäbe es jedenfalls keine Abzüge für den Mann.

Hört sich lustig an? Ist es sicher nicht. Denn ein Detail in diesem Video zeigt, dass das Ganze teuer werden kann: der Sheriff. Wenn der erst einmal gerufen wird, geht es um eine ernste Sache. Und im Zweifel eine teurere, denn am Steg hängen noch weitere Boote und so ein Steg selbst ist auch nicht für kleines Geld zu haben, wenn er kaputt sein sollte.
Wie die Sache ausgegangen ist, wissen wir nicht. Aber wir haben wieder was gelernt, was wir in unser Seemannschaftsbüchein eintragen können: „Lege immer so an, dass hinterher kein Sheriff kommen muss.“

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