Hydroptère-Comeback: Diesmal muss Alain Thébault die Zukunft nicht neu erfinden

Die zweite Auferstehung

Der Foil-Pionier Thébault sucht die Einzelteile der ersten Version des Hydroptère zusammen. Ausgerechnet jener Mann, dessen finanzielle Höhenflüge mehrfach ziemlich unsanft endeten, möchte damit ein Stück Segelgeschichte retten. Dieses Mal sogar mit Erfolgschancen.

Früher oder später kommen wir alle mal in die Aufräumphase: Alte Fotos werden sortiert, Keller entrümpelt, das mittlerweile gänzlich altbacken wirkende und sich bereits in seine Bestandteile auflösende Ölzeug aus längst vergangenen Anfängerzeiten wird mit sentimentalem Seitenblick in den Sondermüll gegeben.

Monsieur Alain Thébault macht das etwas anders. Er sucht in der Bretagne nach Tragflächen, Schwimmern, Verbindungsträgern und sonstigen Überresten jener ersten Konfiguration eines fliegenden Trimarans, der vor mehr als 30 Jahren eine ausgesprochen intensive Beziehung zur Materialzerstörung entwickelte – und 2016 abgewickelt wurde. Der 63-Jährige will in seiner Aufräumphase aus diesem Puzzle wieder entstehen lassen, womit das Abenteuer einst begann: den Hydroptère im Urzustand von 1994 – nicht mehr und nicht weniger.

Der schöne, weiße Vogel

Wobei „Urzustand“ bei Hydroptère ohnehin ein dehnbarer Begriff ist. Denn der legendäre weiße Vogel war nie ein Trimaran, der einmal fertig war und anschließend einfach segelte. Hydroptère war eine Art Dauerversuchsprojekt aus Kohlefaser, Titan, Ingenieurskunst, Wahnsinn und der damals durchaus berechtigten Frage, ob ein großer Hochseesegler überhaupt dauerhaft über dem Wasser abheben könne.

Hydroptère in voller Fahrt. © VPLP

Die Antwort kennen wir heute. America’s-Cup-Yachten, Ultim-Trimarane und die kleinen Moths fliegen, gestützt auf Foils, stabil über die Wasseroberfläche. IMOCAs fliegen zumindest teilweise. Selbst Mini-Prototypen haben Foils. Was heute in Lorient, Concarneau, Plymouth oder Auckland ziemlich selbstverständlich aus den Hallen geschoben wird, war Anfang der 1990er-Jahre eine ausgesprochen verwegene Angelegenheit. Und mittendrin: Alain Thébault.

 

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