Ocean Fifty statt Figaro: Französische Segelgrößen sind entsetzt und attackieren den Veranstalter

„Zum Kotzen“

Die traditionsreiche Solitaire du Figaro steht vor ihrer größten Umwälzung seit ihrer Gründung im Jahr 1970. Ab 2028 wird die berühmte Einhandregatta, auf der die französische Offshore-Dominanz basiert, nicht mehr auf den Figaro Bénéteau III, sondern auf Ocean-Fifty-Trimaranen ausgetragen. Was dahinter steckt.

© Solitaire du Figaro
Der spätere Sieger Nicolas Lunven mit PRB beim engen Positionskampf In der Nachstartphase 2026. © Solitaire du Figaro

Die Entscheidung von Veranstalter OC Sport Pen Duick und dem Eigentümer Groupe Figaro sorgt in Frankreich für heftige Reaktionen. In einem ausführlichen Interview mit Voiles et Voiliers hat OC-Sport-Geschäftsführer Joseph Bizard nun die Beweggründe für den radikalen Schritt erläutert – und stößt damit bei zahlreichen Hochseesegel-Größen auf entschiedenen Widerspruch.

Bizard begründet den Wechsel mit einer schleichenden Krise der Veranstaltung. Besucherzahlen in den Regattadörfern, Medienresonanz sowie die Suche nach Sponsoren und Partnerstädten seien seit Jahren rückläufig. OC Sport habe zunächst versucht, die Regatta mit längeren Etappen, neuen Sprintwertungen, dem Défi Paprec und Veränderungen am Rennformat attraktiver zu machen.

Ocean Fifty Koesio kurz nach dem Start der Transat Café l’Or 2025 in Le Havre hinter dem Feld. © Jean-Marie Liot / Alea)

Zudem seien verschiedene Zukunftsmodelle geprüft worden – von einer Fortführung mit dem Figaro 3 über ein Mehrklassen-Konzept bis hin zur Class40. Am Ende habe sich jedoch der Ocean Fifty als einzige langfristig tragfähige Lösung herauskristallisiert. Nach Bizards Einschätzung wäre die Solitaire in ihrer bisherigen Form wirtschaftlich nur noch wenige Jahre überlebensfähig gewesen.

Joseph Bizard, Chef bei Sport Pen Duick und Organisator der Figaro du Solitaire steht im Zentrum der Kritik. © Alexis Courcoux

Die Organisatoren versprechen sich von den spektakulären Trimarane deutlich mehr mediale Aufmerksamkeit. Die haben die Ocean Fifty tatsächlich zuletzt bekommen. Allerdings eher mit Bruch als durch sportliche Höchstleistung. Bizard nennt aber Bordkameras, Drohnenaufnahmen und zusätzliche Hafenrennen mit Crewbesetzung als Perspektive, wie die Regatta für Zuschauer und Sponsoren attraktiver gemacht werden soll. Als Vorbild nennt Bizard ausdrücklich moderne Rennserien wie SailGP.

Selbst eine deutlich kleinere Flotte von künftig nur rund zehn bis elf Booten hält er für ausreichend, da Qualität und mediale Wirkung wichtiger seien als große Teilnehmerfelder. Problematisch ist allerdings, dass er sich damit vom Onedesign-Prinzip verabschiedet, das immer die Basis der Solitaire du Figaro war.

Solitaire du Figaro
Start zur 2. Etappe 2026 vor Vigo © Solitaire du Figaro

Gleichzeitig betont er, die Figaro-Klasse als Nachwuchsschmiede keineswegs abschaffen zu wollen. Vielmehr müsse sich lediglich die Veranstaltung Solitaire du Figaro neu erfinden, um dauerhaft bestehen zu können.

Diese Argumentation überzeugt viele der erfolgreichsten Figaro-Segler allerdings überhaupt nicht. Besonders scharf kritisiert wird der Schritt von Nicolas Lunven, dem dreifachen Sieger der Solitaire und aktuelle Titelträger nach seinem Comeback.

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