Es ist schon wieder passiert. Zum sechsten Mal hat der Österreicher Norbert Sedlacek (64) seinen Ant Arctic Lab Rekordversuch abgebrochen. Rund 200 Seetage kündigte er jeweils an, nie war er länger als 11 Tage auf dem Wasser.

Diesmal ist der Rekordversuch von Norbert Sedlacek bereits zehn Tagen auf See wieder beendet. Der 64-jährige Österreicher hat die geplante Nonstop-Weltumsegelung durch Arktis und Antarktis nach eigenen Angaben wegen schwerwiegender technischer Probleme abgebrochen. Sein Team postet: „Bis jetzt war es großartig, ein wirklich guter und beeindruckender Start … Aber man muss akzeptieren, dass man nicht alles kontrollieren kann. Segler und Team bleiben mit schwerem Herzen zurück – das ANT ARCTIC LAB ist nun vorbei…“

Und weiter: „Norbert ist gerade auf dem Rückweg nach Les Sables. Nach schwerwiegenden Problemen mit der gesamten Navigationselektronik und den elektrischen Systemen musste Norbert gestern um 15:45 Uhr UTC umkehren. Derzeit funktionieren nur noch die Notfallsysteme. Der Rumpf und die Takelage sind unbeschädigt, und die notwendigsten Kommunikationsverbindungen sind möglich. Er kann sicher navigieren und dürfte im Laufe der nächsten Woche in Les Sables eintreffen.“

Geplant war eine rund 180 Tage dauernde Nonstop-Fahrt über etwa 32.000 Seemeilen. Die Route sollte erstmals ohne Zwischenstopp sowohl durch die Nordostpassage als auch südlich der Antarktis führen und alle fünf Ozeane verbinden. Für Sedlacek ist es bereits der sechste Rückschlag mit seinem Langzeitprojekt. Seit Jahren plant er den Törn mit dem aus Vulkanfaser gebauten Schiff.
Sedlacek Leidensgeschichte
Jahr Projekt Dauer Abbruchgrund 2013/14 Fipofix einige Wochen Aufgabe des Atlantikversuchs mit dem 4,90 Meter langen Testboot; Rückkehr nach Les Sables. 2018 ANT ARCTIC LAB ca. 3–4 Tage Probleme mit der Bordelektronik. 2019 ANT ARCTIC LAB 7 Tage Segel- und Riggschäden nach Sturm. 2021 ANT ARCTIC LAB 11 Tage Probleme mit der Stromversorgung. 2022 ANT ARCTIC LAB 2–3 Tage Kollision mit einem unbekannten Objekt; Beschädigung der Ruderbefestigung. 2023 ANT ARCTIC LAB 5–6 Tage Probleme am Schwenkkiel. 2026 ANT ARCTIC LAB ca. 10 Tage Ausfall der Navigations- und elektrischen Systeme.
Es ist ein Déjà-vu. Deshalb bietet sich die Einordnung an, die 2023 auf Segelreporter erschienen ist – und schon damals ein Update war:

Dieser Mann ist ein Rätsel. Soll man Norbert Sedlacek für seine Hartnäckigkeit bewundern, für sein Pech bedauern, an seinen Absichten zweifeln, die Vorbereitungen kritisieren? Wie kann ein Segelprojekt so oft scheitern? Diese Frage stellt sich an so manchem Segler-Stammtisch.

Zehn Tage hat es diesmal gedauert, bis der Österreicher seine Langfahrt beendete, die ihn als ersten Einhandsegler unter Einbeziehung der Arktischen und antarktischen Gewässer um die Welt führen sollte. 2023 gibt es nach dem ersten Sturm vor Irland ein Problem mit dem Neigekiel seines Open60, diesmal ist es die Elektrik.
Vor drei Jahren zitierte sein Team noch den Dalei Lama: „Denke daran, dass nicht zu bekommen, was du willst, manchmal ein großer Glücksfall sein kann.“ Diesmal wird der Abbruch dann doch etwas nüchterner kommuniziert.

Das Phänomen Sedlacek hat SR schon in einem Text am 15. Januar 2014 beschäftigt. Damals war er bei dem Versuch gescheitert, mit seinem 16 Fuß Mini „Fipofix“über den Atlantik zu segeln. Danach übernahm Sohn Harald (damals 32) die Pinne. Auch er drehte nach einem Tag um, erledigte aber schließlich das Vorhaben, mit dem Vulkanfasern für den Bootsbau promotet werden sollte. Zwölf Jahre später scheint der Text immer noch zu passen:
Vom Straßenbahner zum Weltumsegler

Norbert Sedlacek ist ja ein wirklich spannender Typ. Die ungewöhnliche Geschichte des Österreichers vom beamteten Straßenbahnfahrer und Tae Kwon Do Nationalmannschaftsmitglied zum Segel-Abenteuer hat einen sympathischen Erkennungswert.
Der Wiener umsegelte 1996-98 auf einer 8.40 Meter Yacht einhand die Welt, 2000-01 mit einem größeren Schiff die Antarktis und cruiste zweimal 04/05 und 08/09 mit einem 13 Jahre alten Open 60 dem Vendée Globe Feld hinterher. Beim zweiten Versuch gelang ihm das Finish. Ein schönes Abenteuer, auch wenn er als Letzter im Feld der verbliebenen Teilnehmer ankam.
Ich traf ihn damals vor seinem Antarktis Abenteuer für ein Porträt in Wien. Ein angenehmer Mann, der viel zu erzählen hat.
Er schreibt Bücher, dreht Videos, eröffnete einen Laden in Wien, gibt Seminare und hält Vorträge, die bei ihm Livefilmshows heißen. So war es klar, dass irgendwann ein neues Abenteuer passieren musste für neuen Stoff. Das Proof of Principle Projekt wurde geboren. Sedlacek wollte mit der selbst gebauten Open 16 Mini-Yacht „Fipifox“ über den Atlantik.

So weit so gut. Auch das Scheitern nur drei Tage nach dem Start wegen elektrischer Pannen kann ja vielleicht auch noch passieren. Komisch zwar, dass auch die Ruderanlage beim Schlepp im Hafen bei einer Kollision mit Treibgut beschädigt wurde – schnell kann das Schiff ja nicht gewesen sein – aber Schwamm drüber.
Keine Zeit fürs Abenteuer
Überraschend ist aber, dass der Projekt-Abbruch Norbert Sedlacek im ersten Moment offenbar kaum berührte. Dann gehe er eben wieder auf Road Tour und segele später los. Kurz darauf kündigte er schließlich an, gar nicht mehr loszuwollen. Der Grund: Zu viel Arbeit bei der Promotion des neuen Yachtbaustoffes Vulkanfaser, aus dem sein Schiff gemacht ist. Auch nicht schlimm: Er schicke eben seinen 32-jährigen Sohn Harald los.

Hallo? Zu viel Arbeit? Promotion?
Er kann ja alles machen. Soll lossegeln, wohin er will oder nur so tun oder auch alles wieder absagen. Aber es wird ärgerlich, sobald die Medien im Boot sind. Es kann ja viel schief gehen bei solch einem Abenteuer, doch wenn bei so einem Abgang ohne schlüssige Erklärung fehlt, sehen auch die Berichterstatter blöd aus, weil sie Aufmerksamkeit für eine Luftnummer erzeugt haben.
Das Geschäft mit dem Abenteurer-Beruf ist eine Gratwanderung, ein Ringen um Glaubwürdigkeit. Die Öffentlichkeit mag diese Typen, die sich etwas trauen, die ihre eigenen Grenzen erforschen, die ihrem unbändigen Verlangen nachgeben, auf große Fahrt zu gehen. Die Daheimgebliebenen träumen auf der Couch mit ihren Helden. Sie leiden und freuen sich mit ihnen.

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