Eine neue ADAC-Umfrage zeigt, wie Deutschland aufs Wasser kommt: häufig mit Motor, oft nur für ein paar Stunden und erstaunlich oft auf einem gemieteten oder gecharterten Boot. Auch für Segler liefert die Untersuchung einige interessante Zahlen.

Rund 3,6 Millionen Menschen ab 16 Jahren fahren in Deutschland regelmäßig Boot. Das ist das zentrale Ergebnis einer aktuellen Marktforschung der ADAC Sportschifffahrt. Die Untersuchung zeigt zugleich, wie unterschiedlich diese Menschen unterwegs sind und dass das eigene Boot dabei längst nicht die wichtigste Rolle spielt.
Mehr als die Hälfte der Befragten, 51 Prozent, nutzt in der Regel ein Charter- oder Mietboot. Weitere 25 Prozent fahren auf Booten von Freunden, Bekannten oder Familienmitgliedern. Nur zwölf Prozent geben an, überwiegend mit einem eigenen Boot unterwegs zu sein.
Gerade mit Blick auf die Segelszene ist das bemerkenswert. Unter den Bootsfahrern besitzen lediglich vier Prozent ein Segelboot und ein Prozent eine Segelyacht im Haushalt. Die Nutzung liegt deutlich darüber. Das zeigt, wie groß die Gruppe derjenigen ist, die segeln, ohne selbst Eigner zu sein.

Segeln wird deutlich häufiger genutzt als besessen
Bei den genutzten Bootstypen liegt das Motorboot vorn. 53 Prozent der Befragten nutzen Motorboote, 34 Prozent motorisierte Schlauchboote. Segelboote kommen auf 24 Prozent, Hausboote auf 23 Prozent.
Die Werte sind nicht als direkte Marktanteile zu verstehen, da Mehrfachantworten möglich waren. In einer weiteren Auswertung unterscheidet der ADAC außerdem zwischen Segelboot und Segelyacht. Dort geben 24 Prozent an, in den vergangenen drei Jahren ein Segelboot als Schiffsführer oder Verantwortlicher genutzt zu haben, bei Segelyachten sind es 19 Prozent.
Interessant ist dabei auch die Rolle an Bord. Auf Motorbooten waren die Befragten besonders häufig selbst als Schiffs- oder Wachführer beziehungsweise Verantwortliche unterwegs. Bei Segelbooten überwiegt dagegen die Nutzung als Mitfahrer.
Das passt zu dem insgesamt hohen Anteil von Charter-, Miet- und Mitfahrgelegenheiten und zeigt zugleich, dass Segeln für viele offenbar weniger eng an den Besitz eines eigenen Bootes gebunden ist.
24 Prozent der Bootsfahrer nutzen Segelboote, doch nur vier Prozent besitzen selbst eines im Haushalt. Bei Segelyachten liegt der Besitz sogar nur bei einem Prozent. Segeln findet damit offenbar zu einem erheblichen Teil auf Booten statt, die den Nutzern nicht selbst gehören. Charter, Vereinsboote, Boote von Freunden und Bekannten oder das Mitsegeln in einer Crew dürften entsprechend eine wichtige Rolle spielen.
Kurztrips sind mit Abstand am beliebtesten
Auch bei der Art der Nutzung zeigt sich ein klares Bild. 67 Prozent unternehmen ihre Bootsfahrten am liebsten als Tages- oder Abendausflug beziehungsweise für einige Stunden.

27 Prozent bevorzugen Törns mit Übernachtung auf dem Boot. 23 Prozent unternehmen mehrtägige Bootsfahrten, übernachten dabei jedoch nicht an Bord. Da Mehrfachantworten möglich waren, überschneiden sich die Gruppen.
Längere Urlaubstörns gehören damit zwar weiterhin zum Bootssport, für die Mehrheit ist die Nutzung aber deutlich kürzer und spontaner. Das erklärt zumindest teilweise, warum Charter, Miete und Boote aus dem Freundes- oder Familienkreis eine so große Rolle spielen.
Deutschland bleibt das wichtigste Revier
Bei den bevorzugten Bootsdestinationen liegt Deutschland mit großem Abstand an erster Stelle. 63 Prozent der Befragten nennen heimische Gewässer.
Danach folgen die Niederlande mit 26 Prozent und Italien mit 15 Prozent. Griechenland und Spanien kommen auf jeweils elf Prozent, Kroatien auf neun Prozent. Dänemark und Schweden erreichen gemeinsam sieben Prozent.

Gerade für Segler ist diese Verteilung interessant, weil die klassischen Urlaubsreviere im Mittelmeer zwar weiterhin eine wichtige Rolle spielen, der Schwerpunkt der Bootsnutzung aber klar auf heimischen und nahen Gewässern liegt.
Mecklenburg vor Ostsee und Nordsee
Innerhalb Deutschlands liegen die Mecklenburgische Seenplatte sowie Berliner und Brandenburger Gewässer mit 37 Prozent vorn. Es folgt die Ostsee mit 30 Prozent, danach die Nordsee mit 24 Prozent. Rhein, Main, Donau und ihre Nebenflüsse sowie der Bodensee kommen jeweils auf 22 Prozent.
Die Ostsee bestätigt damit ihre starke Stellung als eines der wichtigsten deutschen Küstenreviere. Dass die Binnenreviere im Nordosten noch häufiger genannt werden, zeigt zugleich, wie breit der deutsche Bootssport aufgestellt ist und wie groß die Nutzung abseits der klassischen Küstenyacht ist.
Die Bootsfahrer sind jünger als häufig angenommen
Auffällig ist auch die Altersstruktur. Rund die Hälfte der Bootsfahrer ist zwischen 16 und 39 Jahre alt.
Mehr als die Hälfte der Befragten ist außerdem erst seit 2010 erstmals selbst als Skipper Boot gefahren. Das spricht dafür, dass in den vergangenen Jahren viele neue Bootsfahrer hinzugekommen sind.

Der hohe Anteil von Charter- und Mietbooten dürfte dabei ebenfalls eine Rolle spielen. Wer kein eigenes Boot besitzt, braucht weder Liegeplatz noch Winterlager und kann trotzdem regelmäßig aufs Wasser. Gerade für Einsteiger ist der Zugang damit erheblich einfacher.
Rund 1,9 Millionen mit Sportbootführerschein
Knapp zwei Drittel der Bootsfahrer verfügen laut ADAC über einen oder mehrere Bootsführerscheine beziehungsweise entsprechende Qualifikationen.
Rund 1,9 Millionen Menschen besitzen nach Hochrechnung der Studie einen amtlichen Sportbootführerschein. Reine Jetskifahrer wurden dabei nicht berücksichtigt. Beim ADAC selbst sind rund 130.000 Boote registriert.
Viele Segler, vergleichsweise wenige Eigner
24 Prozent der Bootsfahrer nutzen Segelboote, doch nur vier Prozent besitzen selbst eines im Haushalt. Bei Segelyachten liegt der Besitz sogar nur bei einem Prozent. Segeln findet damit offenbar zu einem erheblichen Teil auf Booten statt, die den Nutzern nicht selbst gehören. Charter, Vereinsboote, Boote von Freunden und Bekannten oder das Mitsegeln in einer Crew dürften entsprechend eine wichtige Rolle spielen.
Die Untersuchung zeichnet insgesamt das Bild einer Bootsszene, in der Eigentum weniger wichtig ist, als es der Blick in manche Marina vermuten lässt. Viele Menschen fahren regelmäßig Boot, ohne selbst eines zu besitzen, und die meisten verbringen dabei eher Stunden oder einen Tag auf dem Wasser als einen längeren Urlaubstörn.
Zur Studie
Für die Untersuchung befragte das Marktforschungsinstitut Nordlight Research im Auftrag der ADAC Sportschifffahrt im Januar 2026 insgesamt 13.926 Menschen ab 16 Jahren online.
Die Gesamtstichprobe ist nach Angaben des ADAC hinsichtlich Alter, Geschlecht, Bundesland und ADAC-Mitgliedschaft repräsentativ für die Bevölkerung Deutschlands ab 16 Jahren. Für einzelne Fragen wurden unterschiedliche Teilstichproben der als Bootsfahrer identifizierten Personen ausgewertet.
Quelle: ADAC e.V., Marktforschung Sportschifffahrt 2026



Schreibe einen Kommentar