Neue Zahlen von Boats Group zeigen mehr Verkäufe als im Vorjahr. Vor allem Gebrauchtboote legen zu, während Preise in wichtigen Segmenten sinken.

Eigentlich müsste man meinen, der Bootsmarkt habe gerade wenig Grund zur guten Laune. Hohe Preise, vorsichtige Käufer, zähe Geschäfte – dieses Bild prägt die Branche seit geraumer Zeit. Umso interessanter sind neue Zahlen von Boats Group für das zweite Quartal 2026: Im erfassten Markt wurden 15.339 Boote verkauft und damit 5,1 Prozent mehr als im gleichen Zeitraum des Vorjahres.
Das riecht nach erfolgreichen Zeiten? Ganz so einfach ist die Sache auf den zweiten Blick nicht: Der Gesamtwert der Verkäufe stieg nur um 1,5 Prozent auf rund drei Milliarden Dollar, während der durchschnittlich erzielte Preis um 3,4 Prozent auf 193.095 Dollar fiel. Mehr Abschlüsse bedeuten also nicht automatisch bessere Geschäfte. Die Auswertung stammt aus dem aktuellen „Global Boat Market Q2“-Report von Boats Group. Grundlage sind gemeldete und vertraglich erfasste Verkäufe aus dem eigenen Verkaufs-Datenbestand. Das ist zwar ein großer Marktausschnitt, aber keine vollständige Statistik aller weltweit verkauften Boote, also Motor- und Segelboote.
Gebraucht läuft besser als neu
Am deutlichsten ist der Unterschied zwischen Neu- und Gebrauchtbooten. Von den 15.339 erfassten Verkäufen entfielen 13.138 auf gebrauchte Boote. Das waren 5,7 Prozent mehr als im Vorjahr. Der durchschnittliche Verkaufspreis sank allerdings um 2,9 Prozent auf 197.133 Dollar. Bei Neubooten fällt die Entwicklung deutlich verhaltener aus. Die Zahl der Verkäufe stieg lediglich um 1,4 Prozent auf 2.201 Einheiten. Gleichzeitig sank der Gesamtwert um 5,7 Prozent, der durchschnittliche Verkaufspreis fiel sogar um 6,9 Prozent auf 168.989 Dollar.
Der Markt bewegt sich also, aber er bewegt sich vor allem dort, wo Boote schon ein paar Jahre auf dem Buckel haben.

Besonders gefragt: sechs bis zehn Jahre alt
Das zeigt auch die Altersstruktur. Bei sechs bis zehn Jahre alten Booten stieg die Zahl der Verkäufe innerhalb eines Jahres um satte 27,9 Prozent. Ihr Gesamtwert legte sogar um 35,8 Prozent zu. Auch Boote über zehn Jahre wurden häufiger verkauft; hier lag das Plus bei 10,1 Prozent. Bei drei bis fünf Jahre alten Booten ging es dagegen deutlich zurück. In dieser Gruppe sank die Zahl der Verkäufe um 13,6 Prozent.
Das bedeutet in Kürze: Nicht die fast neuen Boote legen zu, sondern eher die, die schon einige Saisons auf dem Buckel haben.
Unter 35 Fuß passiert viel
Auch bei den Bootsgrößem gibt es klare Unterschiede: Unter 26 Fuß stiegen die Verkäufe weltweit um 6,9 Prozent, zwischen 26 und 35 Fuß sogar um 7,5 Prozent. Zwischen 36 und 45 Fuß ging die Zahl dagegen leicht zurück, zwischen 46 und 55 Fuß ebenfalls. Bei den ganz großen Einheiten wird das Bild noch schwächer. Über 80 Fuß sank die Zahl der verkauften Boote um 21,2 Prozent, der Gesamtwert dieses Segments ging um 18,5 Prozent zurück. Interessant ist auch der internationale Teil der Statistik, zu dem Europa und alle übrigen Regionen außerhalb Nordamerikas gehören. Dort stiegen die Verkäufe unter 26 Fuß um 14,8 Prozent, zwischen 26 und 35 Fuß um 9,4 Prozent. Zwischen 46 und 55 Fuß gingen sie dagegen um 10,9 Prozent zurück.

Eine Einschränkung ist dabei zu beachten: Die Auswertung unterscheidet nicht zwischen Segel- und Motorbooten. Aus den Zahlen lässt sich deshalb nicht ableiten, ob kleine Segelyachten tatsächlich zu den Gewinnern gehören.
Nordamerika dominiert die Zahlen
Wer die Daten einordnet, muss außerdem im Kopf behalten, wie stark Nordamerika die Statistik prägt. Von den 15.339 Verkäufen entfielen 12.823 auf die USA, Kanada und Mexiko. Die internationale Kategorie kam auf 2.516 Verkäufe. Boats Group weist selbst darauf hin, dass das internationale Volumen deutlich kleiner ist und prozentuale Veränderungen deshalb stärker schwanken können.
Eine gesonderte Auswertung für Deutschland oder Europa enthält das die Statistik nicht. Auch hier werden Segel- und Motorboote nicht getrennt ausgewiesen.
Verkaufen dauert weiterhin
Im weltweiten Schnitt lag ein verkauftes Boot 182 Tage am Markt. Gebrauchtboote in Nordamerika wechselten im Mittel nach 148 Tagen den Besitzer, international dauerte es 254 Tage. Neue Boote warteten international durchschnittlich sogar 393 Tage auf einen Kauf. Bei größeren Booten wird es noch zäher. In der internationalen Kategorie standen Yachten zwischen 56 und 79 Fuß im Schnitt 471 Tage zum Verkauf, über 80 Fuß sogar 480 Tage.
Die neuen Zahlen zeigen also, dass sich der Markt derzeit verschiebt. Es werden mehr Boote verkauft, aber die sind vor allem gebraucht. Ältere Boote legen zu, manche Größen laufen besser als andere, und die Preise geben in mehreren wichtigen Segmenten nach.

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