Drei Rennen, drei Siege: Beim Practice Racing vor Neapel fährt Luna Rossa der Konkurrenz teilweise deutlich davon. Noch zählt nichts – doch auf den identischen AC40 liefert der erste Vergleich interessante Hinweise.

Noch sind keine Punkte verteilt, und gerade im America’s Cup sollte man Trainingsergebnisse mit Vorsicht behandeln. Ganz ignorieren lässt sich allerdings auch nicht, was Luna Rossa am Donnerstag beim offiziellen Practice Racing vor Neapel abgeliefert hat. Das italienische Team gewann alle drei angesetzten Rennen und setzte damit unmittelbar vor dem ersten Wertungstag die erste sportliche Marke.
Die Bedingungen lieferten dafür einen brauchbaren Vergleich. Eine Brise aus Süd-Südwest brachte 10 bis 12 Knoten Wind in die Bucht von Neapel, die AC40 erreichten Geschwindigkeiten von deutlich mehr als 30 Knoten. Vor allem Luna Rossa 1 fand sich auf dem anspruchsvollen Revier schnell zurecht.

Das ist auch deshalb interessant, weil bei dieser Preliminary Regatta nicht unterschiedliche Cup-Yachten miteinander verglichen werden. Die Teams treten in AC40 im One-Design-Modus an. Unterschiede auf dem Wasser lassen sich deshalb wesentlich stärker auf Starts, Manöver, Taktik und den Umgang mit den Foils zurückführen als später bei den technisch unterschiedlichen AC75.
Luna Rossa segelte teilweise allein
Das italienische Team um Peter Burling kontrollierte die drei Trainingsrennen weitgehend. Besonders auffällig war, wie konsequent die Crew die rechte Seite des Kurses nutzte und dort wiederholt bessere Windbedingungen fand. Zeitweise wuchs der Vorsprung auf rund 500 Meter. Das ist schon eine beachtliche Distanz. Jedoch lässt sich daraus noch keine Rangordnung für den America’s Cup erkennen oder einschätzen.

Dass ausgerechnet Luna Rossa so stark beginnt, ist dabei nicht völlig überraschend. Bereits bei der ersten Preliminary Regatta im Mai vor Sardinien hatten die Italiener den stärksten Gesamteindruck hinterlassen. Das Senior Team gewann die Regatta, während auch die Women-&-Youth-Crew vorne mitmischte. In Neapel hat Luna Rossa seine Besetzung verändert. Besonders bemerkenswert ist Maria Giubilei, die aus dem erfolgreichen Women’s-Team ins Senior Team aufgerückt ist. Burling machte vor der Regatta deutlich, dass dies keine symbolische Entscheidung sei. Sie habe sich den Platz durch ihre Leistung verdient.
Erwartete Baustellen
Bei einigen Konkurrenten zeigte das Practice Racing naturgemäß dagegen noch einige Baustellen. Alinghi erwischte schlechte Starts, sammelte ein paar vermeidbare Strafen und kämpfte nach eigener Einschätzung damit, freie Spuren zu halten. Trimmer Pietro Sibello räumte anschließend ein, dass bis zum ersten Wertungstag einiges verbessert werden müsse. Auch das französische La Roche-Posay Racing Team wirkte noch nicht konstant. Diego Botín verwies allerdings darauf, dass seine Mannschaft seit der Preliminary Regatta auf Sardinien kaum Zeit im AC40 verbracht habe. Der Trainingstag sei entsprechend vor allem zum Lernen genutzt worden.
Und genau dazu sind diese Regatten da: zum Lernen. Denn erstmals segeln die Kontrahenten auf dem Revier, auf dem 2027 dann endlich Louis Vuitton und America’s Cup entschieden werden sollen. Und bis dahin ist noch gar nichts entschieden.
Der Weg zum Cup
Die Regatta in Neapel ist der letzte große Vergleich auf den AC40, bevor es 2027 mit den großen AC75 um den America’s Cup geht. Der Louis Vuitton Cup beginnt am 22. Mai 2027 zunächst ungewöhnlich mit Fleet Races aller sieben AC75, anschließend folgen drei Round Robins im klassischen Match-Race-Format. Die drei besten Herausforderer ziehen direkt ins Halbfinale ein, die übrigen kämpfen in einer Repechage um den letzten Platz. Über Halbfinale und Finale wird schließlich der Challenger ermittelt, der ab dem 10. Juli gegen Titelverteidiger Emirates Team New Zealand um den 38. America’s Cup segelt. Im eigentlichen Cup-Match gewinnt das Team, das zuerst sieben Rennen für sich entscheide


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