SR Gespräch: Mommark Hafenmeister Carsten Jensen Kock

„Wenn die anfangen, in der Hafeneinfahrt den Bugstrahler zu benutzen, dann weiß man: Jetzt haben sie schon Angst.“

Carsten Jensen Kock hat aus einem heruntergewirtschafteten Hafen einen der bekanntesten Anlaufpunkte der dänischen Südsee gemacht. Im SegelReporter-Gespräch erzählt er von schwierigen Gästen, Chartercrews, seiner Trillerpfeife, der verheerenden Sturmflut – und davon, warum Mommark irgendwann einen neuen Besitzer brauchen könnte.

Carsten Jensen Kock am Mikrofon
Carsten Jensen Kock. Betreiber und Hafenmeister Mommark Marina. Foto: privat

Dieser Artikel fasst unser Podcast Gespräch zusammen. Jetzt anhören. 

Wer in Mommark einläuft und ein Pfeifen hört, hat nicht zwangsläufig etwas falsch gemacht. Carsten Jensen Kock benutzt seine Trillerpfeife vor allem, um mit den ankommenden Crews Kontakt aufzunehmen. Ein Handzeichen genügt dann häufig: hier anlegen, dort weiterfahren, noch ein Stück nach vorne.

„Meine Trillerpfeife ist mein bestes Werkzeug im Hafen“, sagt Kock. So müsse er nicht über das ganze Hafenbecken rufen. Und ganz nebenbei funktioniert das System inzwischen offenbar auch deshalb so gut, weil viele Stammgäste längst wissen, was gemeint ist.

Kock ist Besitzer und Hafenmeister von Mommark Marina auf Als und seit 2013 kaum von diesem Ort zu trennen. Er weist Boote ein, mäht Rasen, hilft im Restaurant, kümmert sich um den Campingplatz, organisiert den Betrieb und steht im Sommer am Abend mit dem Jagdhorn am Hafen. Manchmal setzt er sich danach noch auf die kleine Bühne und singt für seine Gäste. Dabei war nichts davon geplant.

Drei Millionen Kronen für einen ziemlich traurigen Hafen

Vor Mommark führte Kock drei Geschäfte für Haushaltsgeräte in dänischen Städten, beschäftigte rund 50 Mitarbeiter und verkaufte Waschmaschinen, Trockner, Fernseher und Bügeleisen. Mit etwa 40 Jahren hatte er genug davon.

Der Handel habe sich durch das Internet stark verändert, erzählt er. Der Preisdruck nahm zu, das Geschäft gefiel ihm nicht mehr. Also verkaufte er seine Unternehmen und suchte etwas völlig anderes.

Mommark kannte damals zwar bereits eine lange Hafengeschichte, seine besten Jahre hatte der Ort aber zunächst hinter sich. Nachdem die frühere Fährverbindung eingestellt worden war, lag der Hafen zeitweise praktisch brach. Es gab Duschcontainer, einen kleinen Laden, keinen heutigen Gastronomiebetrieb und reichlich Arbeit.

2013 kaufte Kock das gesamte Areal von der Kommune. Kaufpreis nach seiner Erinnerung: drei Millionen dänische Kronen, damals knapp 400.000 Euro. Zum Gelände gehören rund 5,5 Hektar und ein eigener Badestrand.

„Wir haben uns entschieden, nicht die Herausforderungen anzuschauen, sondern die Möglichkeiten“, erinnert er sich.

Die ursprüngliche Idee war vergleichsweise überschaubar: ein kleiner Hafen, ein bisschen Camping, ein Café – ein Betrieb, mit dem Kock und seine Frau alt werden könnten. Daraus wurde deutlich mehr.

 

Hafenmeister ohne Ahnung vom Hafen

Bemerkenswert ist auch, was Kock bei der Übernahme nicht mitbrachte: Erfahrung als Hafenmeister. Nicht einmal zum Segelsport hatte er damals einen besonderen Bezug.

„Ich wusste gar nichts über Segelsport und Boote und Hafenbetrieb“, sagt er. Camping kannte die Familie von Wohnwagenreisen nach Italien, einen Hafen zu führen dagegen musste er lernen.

Er fragte Segler und Bekannte, wie sie bestimmte Situationen beurteilen würden und was sie für fair hielten. Auch die frühere Pächterin arbeitete zunächst weiter bei ihm und gab Erfahrungen aus dem Betrieb weiter. Vieles entwickelte Kock schließlich selbst. Und möglicherweise war gerade das ein Vorteil. Denn während in vielen Ostseehäfen Automaten, Codes und Selbstbedienung Einzug hielten, setzte Mommark ausgerechnet auf das Gegenteil: persönliche Präsenz.

Jahrelang habe er auf die Frage nach dem Hafengeldautomaten geantwortet: „In Mommark gibt es keinen Automaten. Und hier wird auch nie ein Automat hinkommen.“

Stattdessen geht man zur Rezeption, bezahlt dort sein Hafengeld, bestellt die Brötchen für den nächsten Morgen und kann gleich noch ein Bier oder ein Eis kaufen. Ganz so unumstößlich ist Kocks Haltung inzwischen allerdings nicht mehr. Die Gäste seien an Automaten gewöhnt, und gleichzeitig werde es zunehmend schwieriger, genügend Personal zu finden. Deshalb müsse auch er darüber nachdenken, ob das alte System dauerhaft durchzuhalten ist.

35 Saisonkräfte und 400 Essen am Tag

Wie groß Mommark mittlerweile geworden ist, zeigen die Zahlen, die Kock im Gespräch nennt. Fünf Menschen arbeiten fest im Betrieb, in der Saison kommen rund 30 bis 35 überwiegend junge Mitarbeiter hinzu. An starken Sommertagen versorgt die Gastronomie nach Kocks Angaben 350 bis 400 Gäste. Und Kock steckt mittendrin.

Restaurant und Hafengebäude. Mommarks Gastro wurde bereits mehrfach ausgezeichnet © Stephan Boden

Während der Saison beginnt sein Tag gegen 7.30 Uhr mit dem Brötchenservice. Feierabend ist in der Hochsaison oft erst gegen 21.30 oder 22 Uhr. Auf der Uhr stehen trotz seines kleinen Hafenmeister-Fahrzeugs häufig rund 15.000 Schritte am Tag. Von Anfang April bis Ende September komme so mehr Arbeitszeit zusammen als in einem normalen Arbeitsjahr, sagt Kock. Das entscheidende Geschäft konzentriert sich sogar auf einen noch viel kürzeren Zeitraum: Rund 90 Prozent des Jahresumsatzes werden nach seiner Darstellung in den drei Monaten Juni, Juli und August erwirtschaftet. Ende September freut er sich deshalb tatsächlich darauf, dass Ruhe einkehrt.

„Dann kann man ein paar Monate oder drei erholen. Und dann freut man sich wieder, dass es Frühling wird und man die Gäste begrüßen kann.“

25 Sekunden, die Mommark bekannt gemacht haben

Zu diesen Gästen gehört im Sommer ein festes Ritual. Kock setzt seinen Kapitänshut auf, zieht die gelbe Jacke an, stellt sich mit seinem Jagdhorn an den Hafen und spielt zum Flaggen-Niederholen den Zapfenstreich. Seine Frau holt dazu die Flagge ein. Das Ganze dauert vielleicht 25 oder 30 Sekunden. Von Mitte Juni bis Mitte August macht Kock das nach eigener Aussage jeden Abend, außerhalb dieser Zeit bei gutem Wetter und entsprechendem Betrieb.

Die Idee lag für ihn näher, als es zunächst scheint. Bevor er Geschäftsmann wurde, hatte Kock einige Jahre als Profimusiker gearbeitet. Er spielte Bass in einer Band, trat bei Hochzeiten und in Tanzlokalen auf. Außerdem ist er Jäger und spielte ohnehin Jagdhorn. Irgendwann kamen beide Welten in Mommark zusammen. Heute stehen die Gäste mit ihren Handys bereit, wenn Kock am Abend zum Horn greift. Vergisst er es beinahe, werde er daran erinnert: Wann ist heute Zapfenstreich? Für Kock gehört das längst zum Hafen.

„Obwohl ich Stress habe oder es eilig ist: Die 25 Sekunden habe ich immer Zeit.“

Zapfenstreich in Mommark. Foto: Stephan Boden

Wenn im Juli 62 Boote in Mommark liegen

Groß ist der Hafen trotzdem nicht. Der Rekord, an den sich Kock erinnert, liegt bei 62 Gastbooten gleichzeitig. Das funktioniert nur, wenn zusammengerückt und im Päckchen gelegen wird. Deshalb greift der Hafenmeister ein, weist Plätze zu und fordert beispielsweise Crews auf, an außen liegenden Booten genügend Fender auszubringen. Wer im Sommer ausschließlich auf einen freien Einzelplatz wartet, kann Mommark deshalb für voll halten, obwohl Kock noch reichlich Möglichkeiten sieht.

„Wenn da 25 Boote liegen, kommen Leute zu mir und sagen: Dein Hafen ist proppenvoll. Dann sage ich: Da passen doppelt so viele rein.“

Besonders in der Hauptsaison beobachtet er eine Entwicklung, die viele Ostseesegler kennen: Der Kampf um den Liegeplatz beginnt immer früher. Die ersten Boote treffen teilweise schon gegen zehn oder elf Uhr am Vormittag ein. Kock findet das schade.

„In meiner Welt sollte man den ganzen Tag auf dem Meer sein und dann abends irgendeinen Hafen suchen.“

Stattdessen führen manche Crews morgens um sechs los, um vor Mittag den vermeintlich besten Platz im nächsten Hafen zu erwischen. Mit Segeln habe das für ihn nicht mehr besonders viel zu tun.

Ein besonderes Auge auf Charterboote

Auch Hafenkino gehört zu seinem Arbeitsalltag. Kock behauptet nicht, Chartersegler seien grundsätzlich schlechte Segler. Er weist vielmehr auf ein naheliegendes Problem hin: Wer ein Boot zum ersten Mal fährt, kennt dessen Reaktionen nicht so gut wie ein Eigner sein eigenes Schiff. Deshalb schaut er bei Charterbooten genauer hin und versucht frühzeitig zu helfen. Manchmal erkenne er bereits in der Hafeneinfahrt, dass es schwierig werden könnte.

„Wenn die anfangen, in der Hafeneinfahrt den Bugstrahler zu benutzen, dann weiß man normalerweise: Jetzt haben sie schon Angst bekommen.“

Mommark ist für unsichere Manöver nicht unbedingt der einfachste Hafen. Klassische Achterpfähle gibt es nicht überall, häufig muss zwischen bereits liegenden Booten manövriert werden. Kock hat dafür allerdings Verständnis. Auch er brauche Zeit, um sich an ein fremdes Arbeitsboot zu gewöhnen, sagt er. Bei starkem Seitenwind einfach irgendein unbekanntes Segelboot zu übernehmen und perfekt anzulegen, würde auch er sich nicht zutrauen.

Hunde, Fender und die Regeln von Mommark

Bei aller Gastfreundschaft hat Kock klare Vorstellungen davon, wie es in seinem Hafen zugehen soll. Hunde gehören an die Leine. Müll gehört nicht auf den Boden. Abends soll Ruhe herrschen. Wer außen liegt, muss sein Boot so vorbereiten, dass ein weiteres Schiff längsseits gehen kann.

„Bei mir herrscht Ordnung und Fairness“, sagt er.

Das klingt strenger, als es im Alltag offenbar ist. Kock betont, dass 99,9 Prozent seiner Gäste freundlich seien und es keinerlei Probleme gebe. Aber einige wenige schaffen es regelmäßig, den Hafenmeister auf die Palme zu bringen. Vier-, fünf- oder sechsmal im Jahr komme es nach seiner Schätzung vor, dass er jemanden schließlich auffordert, den Hafen zu verlassen.

Echte Perle in der Südsee. © Stephan Boden

„Du kleiner gelber Mann“

Ein Fall ist Carsten Jensen Kock besonders im Gedächtnis geblieben. So sehr, dass er im Podcast ausdrücklich darauf achtet, den Namen des Bootes nicht zu nennen. Er lief damals durch den Hafen, als ihm ein Segelboot auffiel, das außen im Päckchen lag. Für Kock war sofort klar: Dort mussten Fender nach außen gehängt werden, damit bei Bedarf ein weiteres Boot längsseits gehen konnte. Aus einiger Entfernung rief er der Crew deshalb zu, bitte Fender auszubringen.

Der Segler antwortete, er habe keine mehr.

Kock bot ihm daraufhin an, einen Fender aus dem Hafenbestand zu bringen. Für ihn war die Sache damit zunächst erledigt. Er ging weiter. Wenig später rief der Mann jedoch quer über das Hafenbecken hinter ihm her: „Na, du kleiner gelber Mann! Bist du jetzt zufrieden?“ Der „gelbe Mann“ bezog sich auf Kocks auffällige gelbe Hafenmeisterjacke. Kock empfand den Zuruf als bewusste Provokation. „So spricht man mich nicht an“, sagt er rückblickend.

Er kontrollierte zunächst, ob die Crew ihr Hafengeld bezahlt hatte. Das hatte sie. Dann nahm er den bereits gezahlten Betrag wieder aus der Kasse. Sein Plan war, zum Boot zurückzugehen, dem Mann das Geld zu erstatten und ihm anzubieten Mommark wieder zu verlassen, wenn es ihm dort nicht gefallen würde.

Dazu kam es zunächst nicht.

Als Kock um eine Hausecke ging, kamen ihm der Segler und dessen Frau entgegen. Der Mann ging direkt auf ihn zu und beschwerte sich darüber, von Kock zuvor angeschrien worden zu sein. Dann wurde die Situation körperlich. Nach Kocks Schilderung stieß beziehungsweise schlug ihn der Mann mit der Brust. „Ich war erschrocken“, erzählt Kock.

Er entschied sich gegen eine körperliche Auseinandersetzung, packte den Mann aber und machte unmissverständlich klar, dass dessen Aufenthalt in Mommark beendet sei. Er brachte ihn in Richtung Steg. Dort kamen ihm mehrere deutsche Segler entgegen, die den Vorfall von ihren Booten aus beobachtet hatten.

„Hafenmeister, kümmer dich nicht. Da kümmern wir uns. Wir haben alles gesehen“, hätten sie ihm gesagt.

Die Segler begleiteten den Mann zurück zu seinem Boot. Nach Kocks Erinnerung verlief das ohne Prügelei oder weitere größere Eskalation. Schließlich wurden die Leinen gelöst beziehungsweise mit einem Messer durchtrennt und die Crew aufgefordert, den Hafen zu verlassen. Der Mann protestierte lautstark, fuhr aber ab.

Damit war die Geschichte noch nicht vorbei.

Kock beobachtete, welche Richtung das Boot einschlug, und vermutete, dass der Segler den Marstal anlaufen würde. Also griff er zum Telefon und informierte den dortigen Hafenmeister: Ein hellblaues Segelboot sei unterwegs zu ihm; dessen Skipper habe ihn gerade in Mommark angegriffen und sei deshalb des Hafens verwiesen worden. Einige Stunden später kam der Rückruf. Das Boot war tatsächlich dort angekommen. Der Hafenmeister sprach den Skipper bereits auf dem Steg an und teilte ihm mit, dass er weiterfahren müsse.

Der Segler legte erneut ab.

Nun beobachtete dieser Hafenmeister wiederum, wohin das Boot fuhr; nach Bagenkop – und rief seinerseits den Kollegen im nächsten Hafen an. Auch dort tauchte die Yacht tatsächlich auf. Und auch dort wurde der Skipper mit Verweis auf den Vorfall in Mommark aufgefordert weiterzufahren. Am Ende setzte das Boot nach Kocks Erinnerung Kurs zurück Richtung Deutschland.

„Den Mann erinnere ich nicht mehr so gut“, sagt Kock heute. „Aber das hellblaue Boot erinnere ich sehr gut.“ Gesehen hat er es seitdem nicht wieder. 

Die Sturmflut veränderte alles

Wesentlich ernster wurde es im Oktober 2023. Die schwere Ostsee-Sturmflut traf Mommark massiv. Nach Kocks Angaben entstanden Schäden von rund 1,5 Millionen Euro. Molen, Stege, Gebäude, Elektrik und Flächen wurden beschädigt. Kock entschied sich trotzdem sofort für den Wiederaufbau. Zum 1. April sollte der Hafen wieder Gäste empfangen können.

Container als Gebäudeschutz während der Sturmflut 2023 © Mommark Marina

Dabei ging er zunächst davon aus, für die Schäden erhebliche Unterstützung aus dem dänischen Sturmflutsystem zu bekommen. Tatsächlich seien am Ende lediglich rund 65.000 Euro gezahlt worden, berichtet er. Kock sagt, für wesentliche Hafenanlagen hätten Ausschlussregelungen gegolten. Er selbst habe inzwischen rund 600.000 Euro investiert, um Mommark wieder in den heutigen Zustand zu bringen. Die beschädigte Außenmole sei damit noch nicht vollständig wiederhergestellt.

Besonders deutlich ist seine Beschreibung der Sturmflut selbst. Der Wasserstand erreichte nach seinen Angaben etwa 2,15 Meter und damit ungefähr Geländehöhe. Entscheidend seien aber zusätzlich die Wellen von teilweise eineinhalb bis zwei Metern gewesen. Frühere hohe Wasserstände hatte Mommark bereits erlebt. Ohne entsprechenden Seegang waren sie vergleichsweise glimpflich verlaufen. Die Sturmflut 2023 stellte deshalb nicht nur den Hafen auf den Kopf. Sie veränderte auch Kocks Blick auf dessen Zukunft.

Mommark braucht irgendwann mehr als Carsten Kock

Denn der Hafenmeister spricht inzwischen offen darüber, dass er nicht ewig weitermachen kann.

Der Betrieb ist bereits aufgeteilt. Das Gelände und Mommark Marina gehören Kock weiterhin selbst. Die operative Gesellschaft führt er gemeinsam mit seinem Küchenchef Steven, an der Kock nach eigener Aussage 51 Prozent und Steven 49 Prozent hält. Eine solche Konstruktion ermöglicht es, weitere Menschen in den Betrieb einzubinden.

Das wird wichtiger. Kock merkt am Ende jeder Saison deutlicher, wie anstrengend die sechs intensiven Monate geworden sind.

Gleichzeitig stehen erhebliche Investitionen an. Pläne für eine Erweiterung des Hafens gibt es, er schaut aber diese investition. Um den Hafen zusätzlich gegen künftige Sturmfluten zu sichern, könnten seiner Einschätzung nach noch einmal ein paar Millionen Euro notwendig werden. Summen, die er alleine nicht stemmen könne.

Zur Hauptsaison singt Carsten Kock abends für seine Gäste. Foto: Stephan Boden

Deshalb sagt Kock einen Satz, den man von jemandem, der diesen Ort so stark geprägt hat, zunächst nicht erwartet:

„Wenn Mommark die beste Chance für die Zukunft haben soll, dann ist das wahrscheinlich nicht mit mir als Besitzer.“

Er könne sich vorstellen, dass irgendwann jemand komme, der Kapital, Ideen, Konzepte und Kontakte mitbringt. Jemand, der Mommark weiterentwickelt und gleichzeitig seinen Charakter erhält. Schnell verschwinden würde Kock allerdings auch dann nicht. Bei einem Verkauf könnte er sich vorstellen, noch mehrere Jahre zu bleiben und einen neuen Eigentümer beim Übergang zu begleiten.

„Das könnte ich nicht“

Wie sehr der Hafen inzwischen mit seinem Leben verbunden ist, zeigt sich an einer anderen Stelle des Gesprächs. Seit Jahren beendet Kock die Sommertage mit seinem Jagdhorn. Danach verabschiedet er den Hafen: God nat, Mommark. Was wäre, wenn er eines Tages dort stünde und wüsste, dass dies sein letzter Zapfenstreich als Besitzer wäre?

Kock schweigt zunächst.

„Das darfst du gar nicht sagen“, antwortet er schließlich. „Das könnte ich nicht.“

Wenn er wüsste, dass er am Abend das letzte Mal spielt und am nächsten Morgen die Schlüssel abgibt, würde es nicht funktionieren. Schon bei dem Gedanken daran bekomme er Tränen in die Augen.

„Man hat etwas aufgebaut. Und das hat man wirklich mit Herzen gemacht.“

Genau deshalb kann Kock gleichzeitig über einen Verkauf sprechen. Für ihn scheint das kein Widerspruch zu sein. Mommark soll weiterbestehen, auch wenn dafür eines Tages jemand anderes übernehmen muss.

Nur der singende Hafenmeister mit dem Jagdhorn dürfte aus dem Hafen noch lange nicht wegzudenken sein. 

Zapfenstreich. Foto: Stephan Boden

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