Bootsbau: Daysailor “Red Hand” mit scharfem Look

Das trägt man heute so

Der australische 60 Fuß Daysailor “Red Hand” soll bei den Mittwochsregatten in Sydney zum Einsatz kommen. Ein hübsches Spielzeug mit radikalem Wavepiercer-Bug

Red Hand

Schön stimmig. Die Vorstevenneigung passend zum Vorstag Winkel. © Sydney Gossip

Daysailor verkörpern die Quintessenz des Segelns. Man kommt damit flott zur Sache. Motor an, Leinen los und ab zum Segelsetzen auf’s Wasser. Deshalb werden sie variantenreich, von klein bis groß, von traditionell bis modern, gebaut. Gerade die großen Exemplare sind herrlich anzusehen, bieten Übersicht und köstliches Segelfeeling. Der moderne Segler hat ja alles zu vertrödeln außer Zeit .

Ein australischer Eigner hat seinen 64 Füßer „Red Hand“ durch ein vier Fuß kürzeres, moderneres Boot gleichen Namens ersetzt. Der alte vom aktuellen America’s Cup Regatta Direktor Iain Murray gezeichnete Wasserballast-Renner von 1993 mit kühn geneigtem Vorsteven und rasant über das Wasser ragendem Yachtheck und elegantem Rumpf war halt in die Jahre gekommen.

Red Hand

Der neue McConaghy Werftbau im Woolwich Dock von Sydney. Hoffentlich findet sich jemand, der abends die Wäsche zusammenlegt. Allein klappts nicht und zu zweit wird’s ne Strafarbeit © Sydney Gossip

Der angedeutete Klippersteven, vier Kojen, volle Stehhöhe, Pantry und 2 Tonnen Wasserballast bei 4,3 Metern Breite waren für damals in Ordnung, aber die Entwicklung geht eben weiter. Es war höchste Zeit für eine Abgesägte.

Wavepiercer Look

Geblieben ist das noble dunkelblau des Rumpfes mit goldener Göhl, dazu passendem Wasserpaß, weißem Antifouling und ein flaches, diesmal Teakloses Deck, das wieder den Namen „flush“ verdient. Natürlich wurde der Vorsteven nicht bloß zwecks Maximierung der Wasserlinie senkrecht gestellt, sondern vom Konstrukteur Harry Dunning im Wavepiercer Look im gleichen Winkel wie das Vorstag nach hinten geneigt. Das trägt man heute so und sieht wahrscheinlich so lange cool aus, bis alle damit herumfahren.

Das Vorstag wanderte nach vorn, was die Vorsegelbasis (J-Maß) streckt. Für’s show off Bummelsegeln, die Mittwochsregatten und die eine oder andere Abendveranstaltung im weit verzweigten Gewässer von Sydney-Harbour gedacht, erhielt das Boot eine Top getakelte Genua, was das Gerödel mit Code Zero oder Gennaker entbehrlich macht.

Red Hand

Solche Wavepiercer Steven sehen so lange cool aus, bis jeder damit herum fährt. Das wird aber noch eine Weile dauern @ Sydney Gossip

Dichtgeholt wird mit Motorwinschen. Achtern ist das von McConaghy in China gebaute Boot offen. Es blieb auf dem U-Profil der Plichtwanne gerade noch Platz für die goldenen Lettern des Bootsnamens. So viel Tradition muß sein. Es wird keine Strafe, dieses Toy die nächsten Jahre zu segeln. Tja, da wünsche ich schöne Mittwochnachmittage in Sydney.

 

McConaghy Werft

Das Boot entstand in der chinesischen Niederlassung von McConaghy, wo 350 Mitarbeiter seit 2006 erfolgreich High Tech Einzelbauten und Regattaboote von der Flugmotte bis zum 100 Fuß Super Maxi wie „Esmit Europa 2“ (ex. Alfa Romeo) laminieren. McConaghy existiert seit 45 Jahren, expandierte in den letzten Jahren rasant und blickt in den vergangenen zehn Jahren auf 900 Boote zurück. In Sydney sind 25 Mitarbeiter beschäftigt.

Red Hand

Dank langer Vorsegelbasis und top getakelter Genua ist die neue Red Hand gut betucht, würde also auch auf dem Bodensee gut laufen © Sydney Gossip

Red Hand

Solange das Boot neu ist, kommen immer alle gern mit. Die neue Red Hand neulich bei der Mittwochsregatta in Sydney Harbour © Sydney Gossip

 

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Erdmann Braschos

Sein Spezialgebiet umfasst Mega-Yachten, Klassiker, Daysailor und Schärenkreuzer. Mehr über Erdmann findest Du hier.
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5 Kommentare zu „Bootsbau: Daysailor “Red Hand” mit scharfem Look“

  1. avatar Olaf sagt:

    “Das Vorstag wanderte nach vorn, was die Vorsegelbasis (J-Maß) streckt.” das ist nicht ganz richtig

    Bei einem reverse bow wird das J Maß automtisch kleiner als bei einem geraden Steven….. und die Wasserlinien gerade bei Lage kürzer. Das sieht zwar alles nett aus, schlägt aber auf das Rating und die Performance. Ich denke daher nicht das wird diesen Bug demnächst bei viellen Booten sehen werden. (Außer evtl. beim One Design Booten)

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  2. avatar seilor sagt:

    [Klugscheißermodus ein] … Esimit ex-Alfa wurde aber ein paar Jährchen vor Eröffung der Niederlassung in China gebaut 😉 so neu ist der Schlitten nun auch nicht mehr. [Klugscheißermodus aus]

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