Braschosblog: Der 90 Fußer “Freya” ist die 2000. Swan in 46 Jahren

Noblesse zwischen Billig(h)eimern

Voluminöser Bug. Irgendwo müssen die gut 53 Tonnen ja ihren Auftrieb her bekommen. © Eva-Stina Kjellman

Voluminöser Bug. Irgendwo müssen die gut 53 Tonnen ja ihren Auftrieb her bekommen. © Eva-Stina Kjellman

Nein, das ist nicht die neue Swan 2000. Es ist das zweitausendste Exemplar der finnischen Nobelwerft Nautor. Nicht zufällig ein ansehnlicher 90-Füßer. Boote dieses Formats werden seit einer Weile nicht mehr als Einzelbauten „neu erfunden“, sondern von wenigen Werften weltweit, die es können, in Kleinserie gebaut.

Wenn es eine Werft gibt, die dieses Metier nachweislich in überzeugender Qualität, in gediegener wie wertbeständiger Ausführung beherrscht, dann ist es Nautor. Alle anderen Neugründungen, die ganzen Nachahmer und me too Spezialisten – manchem gelang bloß die Imitation des blauen Steifens im Aufbau – sind bestenfalls Rivalen.

Zweitausend Boote schoben in besseren Zeiten andere Großserienwerften jährlich und nicht im Lauf von 46 Jahren aus der Halle. Schon klar. Nun gibt es aber einen Unterschied zwischen der gediegenen Kleinserie und Massenware.

Noblesse zwischen Geiz ist geil Erzeugnissen

Ich sehe und spüre die Noblesse zwischen den gängigen Billig(h)eimern und richtigen Booten wie letztes Wochenende beim Ankern von der Ostseeinsel Poel auf mehrere hundert Meter Abstand. Dort schwojte vermutlich eine 56er zwischen manchem Geiz ist geil Erzeugnis. Auch wenn man den Marketingklüngel und das segler- wie eignertypische Seemannsgarn abzieht, wird die besondere Qualität beim jahrzehntelangen Gebrauch eines gescheit gebauten Bootes ersegel- und genießbar.

4,40 m tief gehender T-Kiel und säbelförmiges Ruderblatt: Die Swan 90S "Freya" © Eva-Stina Kjellman

4,40 m tief gehender T-Kiel und säbelförmiges Ruderblatt: Die Swan 90S “Freya” © Eva-Stina Kjellman

Swans, das sind Schiffe, die es sich zu polieren, reparieren und zu erhalten lohnt. So ein Schiff lässt sich jahrzehntelang ambitioniert durch dick und dünn segeln. Es gab und gibt manchen Eigner, der bereits aus solchen handfesten Gründen auf Nautor Boote abonniert ist.

Von einigen Irritationen abgesehen – dem Bau von Motorseglern, übel von der IOR beeinflussten Genuacarriern und Broachmachines, Mittelplichtmodellen, Deckshaus- und Fensterexperimenten oder arg  schwer geratenen bis untertakelten Swans – werden im fernen Pietarsaari seit 46 Jahren regattataugliche Fahrten-, Familien- und Sommerurlaubsboote in unaufgeregter Modernität in gehobenem Mediumtech ins Bottnische Meer gehoben.

avatar

Erdmann Braschos

Sein Spezialgebiet umfasst Mega-Yachten, Klassiker, Daysailor und Schärenkreuzer. Mehr über Erdmann findest Du hier.
Spenden
https://yachtservice-sb.com

4 Kommentare zu „Braschosblog: Der 90 Fußer “Freya” ist die 2000. Swan in 46 Jahren“

  1. avatar TBC sagt:

    Ein “klasse” Beitrag. Da bekommt man ja glatt Lust, sich sofort eine neue Swan zuzulegen und seinen Billig(h)eimer gepflegt in die nächstbesten Klippen zu jagen.

    Warum hab ich nur das Gefühl, da steht einer über allen Dingen und rümpft über das niedere Fussvolk die Nase? Komisch……muss wohl am Wetter liegen. Aber: weiter so……

    Like or Dislike: Daumen hoch 4 Daumen runter 3

  2. avatar imanuel sagt:

    Na wo er recht hat, hat er recht!

    Ich hatte das geneigte Vergnügen über 50.000sm auf verschiedensten Swans fahren zu dürfen und müßte lange nachdenken was mir nicht gefiehl an diesen Booten, ok, manches ist nur bedingt zugänglich und an das Geschwindigkeitspotential moderner Leichtbauten reichen zumindestens die S&S Risse nicht heran, dennoch hört man obligatorisch in jedem Hafen das Wort Beautyfull.
    Während die Skipper vieler andererYachten nach langen und oder harten Seschlägen zunächst ihre Bastelstunden einlegen, kann man sich auf einer Swan ziemlich sicher sein, nahtlos zum gemütlichen Teil der Reise übergehen zu können.
    Problematisch ist lediglich der Umstand, dass andere Yachten es nach so langer Schwanerei schwer haben die Gunst des Skippers zu erlangen.

    Super Beitrag, mehr davon! Like or Dislike: Daumen hoch 5 Daumen runter 1

    • avatar Simon sagt:

      Ich glaube, es geht hier nicht um die Qualität, die zweifellos sehr gut ist und auch unbestritten ihren Preis hat, sondern um die herablassende Art des Autors. In einem späteren Beitrag wird sich darüber beschwert, dass zu wenige (auch junge) Fahrtensegler existieren. Mit so einer Art wird das Verhältnis zwischen shantychorbegeisterten Geldopas und jungen/normalen Segelbegeisterten nicht gerade gefördert.

      Like or Dislike: Daumen hoch 1 Daumen runter 5

      • avatar imanuel sagt:

        Meint ja nicht, dass ich nicht auch gerne Abwärts, die Sex Pistols, Social Distortion oder The Clash hören würde oder mir eine Swan, gleich welcher Größe, auch nur ansatzweise leisten könnte.

        Like or Dislike: Daumen hoch 0 Daumen runter 0

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Sicherheitsfrage (SPAM-Schutz): *